Streit um Kölner Fort XJetzt schaltet sich der Bund für Umwelt- und Naturschutz ein

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Fort x

Das Fort X am Neusser Wall.

Köln – In die Debatte darüber, von wem und wie das Fort X am Neusser Wall künftig genutzt werden soll, hat sich der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) eingeschaltet. Bei einem Termin am Freitag vor der denkmalgeschützten Festungsanlage warnten Vertreter der Kreisgruppe Köln vor einer „zu starken kommerziellen Nutzung“, die das Wohnviertel belasten würde; vor allem wenden sie sich gegen mögliche Großveranstaltungen.

Anlass ist das „Interessenbekundungsverfahren“, das der Liegenschaftsausschuss des Stadtrats im vorigen November beschlossen hat. In diesem Verfahren können sich Vereine bewerben, die Interesse daran haben, das 2400 Quadratmeter große Gebäude überlassen zu bekommen und im Gegenzug für die Instandsetzung zu sorgen. Die Zeit drängt, denn Bekundungen mit einem Konzept zu Sanierung, Ausbau und Unterhaltung des Forts sind bis Ende März einzureichen.

Fort X am Neusser Wall: Sanierung ist für Stadt Köln nicht darstellbar

Bislang betreibt die Stadt das marode Gemäuer, das zwischen 1819 und 1825 als Teil des preußischen Festungsrings errichtet wurde und in dem Vereine wie die Kölner Ratsbläser, die Fidele Kölsche, die Tanzgruppe „De Höppemötzjer“ und zwei Pfadfindergruppen untergebracht sind. Schon 2016 hatte der Rat die Stadt beauftragt, Maßnahmen für die Sanierung von Dach und Mauerwerk einzuleiten. In einer Kostenschätzung aus dem Jahr 2018 kam die Stadt auf 4,4 Millionen Euro dafür, das Gebäude wieder verkehrssicher zu machen; nicht eingerechnet waren Kosten des Innenausbaus.

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Fazit des Liegenschaftsamts: „Die Sanierung des Forts ist für die Stadt Köln wirtschaftlich nicht darstellbar.“ Deshalb hatte die Verwaltung vor, das Gebäude per Direktvergabe der Nippeser Bürgerwehr, auch „Appelsinefunke“ genannt, per Erbbaurechtsvertrag für 99 Jahre zu überlassen. Die Karnevalsgesellschaft erarbeitete ein Nutzungskonzept. Doch in der Politik, namentlich in der Bezirksvertretung Innenstadt, regte sich Widerstand. Intransparenz und Mangel an fairem Wettbewerb lauteten die Vorwürfe. So steuerte die Stadt um und entschied sich für die „öffentliche Interessensabfrage“.

BUND-Vorstandsmitglied Helmut Röscheisen kritisierte, dass es in den Vorgaben zur Nutzung heißt: „Wünschenswert sind auch öffentliche Veranstaltungen für ein breites Publikum.“ Dazu dürfe es nicht kommen, denn „das Fort X bietet vor allem für die Bewohner mit dem umgebenden 98 Hektar großen und nachts unbeleuchteten Park im Landschaftsschutzgebiet Innerer Grüngürtel einen Ort der stillen Erholung uns ein unersetzbares Stück Heimat. Die sich abzeichnende Entwicklung zu einer Vergnügungsstätte ist damit nicht vereinbar. Sie muss gestoppt uns das Interessenbekundungsverfahren abgeändert werden.“

Fort X am Neusser Wall: BUND appelliert an die Stadt Köln

Die Baunutzungverordnung schreibe vor, dass Vergnügungsstätten nicht „wohngebietsunverträglich" sein dürften. Röscheisen forderte zudem, der Stadtrat solle die finanziellen Mittel zur Sanierung des Gebäudes bereitstellen und die Verwaltung mit der „sofortigen Umsetzung“ beauftragen.

Anwohner und BUND-Mitglied Lutz Gebhard plädierte für ein „sanftes zukünftiges Nutzungskonzept für das Fort X, das Landschafts- und Tierschutz sowie Interessen der Anwohner berücksichtigt“. Großveranstaltungen brächten viel Verkehr und Lärm ins Viertel. Er verwies auf Erfahrungen in den 90er Jahren, als es das alte Eis- und Schwimmstadion noch gab. „Tausende von Zuschauern überfluteten damals unseren Stadtteil mit ihren Autos und sorgten für Chaos bei der An- und Abfahrt, gerade in den Abendstunden.“

Fort X in Köln: Nippeser Bürgerwehr hat weiterhin Interesse

Die Appelsinefunke hätten weiterhin Interesse an einer Übernahme, sagte deren Präsident Michael Gerhold am Rande des Pressetermins. Es gebe kein fixes Konzept, sondern eher eine „Ideensammlung“, die sich an die Erfordernisse anpassen lasse. Der Prozess sei „ergebnisoffen“. Als gemeinnütziger Verein wolle die Nippeser Bürgerwehr das Fort „gerne für die Bürger der Stadt und mit ihnen erhalten“.

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