Auch am Tag der Eröffnung gibt es schlechte Nachrichten von der Baustelle. Das passt ins Bild, findet Rundschau-Chefredakteur Jens Meifert
Kölner BühnenDie Oper ist offen, aber das Unbehagen vergeht nicht


Die Kölner Oper am Offenbachplatz ist nach 14 Jahren der Sanierung wieder offen.
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Die Kölner Oper ist fertig. Es funktioniert nicht alles, aber sie ist fertig. Mit dem Festakt am Offenbachplatz sind die Bühnen wieder offen. Fast eineinhalb Jahrzehnte lang lag diese Aussicht wie ein Schleier der Verheißung über der Baustelle. In vielen Gesichtern der Ehrengäste mischte sich ungläubiges Staunen mit der Freude über die Wiedereröffnung, die frisch aufgepolsterten, denkmalgeschützten Stühle und die schwebenden Balkone – endlich wieder mit Besuchern besetzt. Nach 14 Jahren der Sanierung sind Oper und Schauspiel wieder Häuser der Kunst. Wenn das kein Grund zum Feiern ist.
Im Jahr 2012, als die letzte Vorstellung am Offenbachplatz stattfand, war Christian Wulff noch Bundespräsident, Philipp Lahm Kapitän der Nationalelf, und Barack Obama schaute seiner zweiten Amtszeit als US-Präsident entgegen. Es fühlt sich an wie ein anderes Jahrhundert. In den 5223 Tagen zwischen dem letzten Vorhang („Die Meistersinger von Nürnberg“) und der Gala vom Donnerstag haben sich die Kölner Bühnen zeitweise auf surreale Art zu einer Idee verflüchtigt.
Niemand wusste in all den Jahren, was da genau hinter der Wand an Baucontainern passierte. Leider passierte oft nicht viel. Und oft das Falsche. Wurde da an einer Oper gebaut oder waren da kafkaeske Landvermesser unterwegs, die mit ihren Gehilfen Kabelstränge immer wieder neu berechneten, am Ende falsch verlegten und mit neu gezogenen Wänden sich selbst einmauerten? Im Theaterstück „Grmpf“ hat das Schauspiel die Baustellen-Revue auf die Bühne gebracht. Nach der Eröffnung ist klar: Noch komischer ist die Kölner Wirklichkeit. Diese Stadt hat immer noch eine Pointe auf Lager, die sich kein Skriptschreiber trauen würde zu notieren.
Dass am Tag der Eröffnung die Intendanten der städtischen Bühnen mit der technischen Betriebsleiterin und dem Baustellen-Chef zum Pressetermin laden, um über die groteske Fehlerhaftigkeit der gewissermaßen in die Jahre gekommenen Technik zu informieren, das ist ein Stück absurdes Theater. Die Fragen hätten sich schon zum großen Eröffnungsfest vor knapp einer Woche beantworten lassen. Zumal es sich um keine Kleinigkeit handelt. Die Öffentlichkeit hätte ein Recht darauf gehabt, angesichts der Baukosten von fast 800 Millionen Euro früh und transparent informiert zu werden. Man sollte doch meinen, dass die Bühnen in den vergangenen langen Jahren der Sanierung, abgesagten Eröffnung und immer wieder neu definierten Zielterminen genug Zeit hatten, um Krisenkommunikation zu üben.
Viel zu lange hat niemand Verantwortung übernommen
Und so mischt sich in die Eröffnung ein großes Unbehagen, das nicht vergehen will. Auf rund 1,5 Milliarden Euro haben sich die Kosten der epischen Sanierung erhöht, rechnet man die Baufinanzierung und die Interimskosten hinzu. Der Oberbürgermeister hat sich wie am Wochenende auch im festlichen Rahmen entschuldigt. Gut so. Denn lange Zeit war genau dazu niemand bereit: Fehler einzugestehen und Verantwortung zu übernehmen. In Summe mit den immer neuen Katastrophenmeldungen von der Baustelle ist am Ende ein gewaltiger Vertrauensverlust entstanden.
Bis heute scheint das nicht jeder verstanden zu haben. Dass die große Prominenz dem Festakt fern geblieben ist, kann nicht verwundern. Der Bundeskanzler und auch der Ministerpräsident haben derzeit andere Sorgen, als die Milliardenkosten eines Baustellenfiaskos weglächeln zu müssen. Und so bleibt Köln weitgehend unter sich bei der Eröffnung der Bühnen. Und darf sich Gedanken darüber machen, was es an diesem Tag zurückbekommen hat.
Im Wesentlichen sind das vier Bühnen im Zentrum, die als geschlossenes Ensemble des Architekten Wilhelm Riphahn einen Wert an sich haben. Das darf man trotz allem festhalten. Die Baugeschichte der Kölner Nachkriegszeit ist geprägt von der Architektur der 50er Jahre. Riphahn hat der Stadt mit seinen Bauten an vielen Stellen ein neues Gesicht gegeben. Noch heute markieren sie die Wunden des Krieges, aber eben auch die Hinwendung zur Moderne. Auch das ist am Offenbachplatz nun wieder sichtbar. Das ist ein Grund zur Freude.