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„Im Schatten des Doms“Neues Buch beleuchtet dunkle Kapitel der Kölner Kirche

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Fritz Bilz während der Buchvorstellung im DGB-Haus.

Der Kölner Historiker Fritz Bilz beschreibt in vier thematischen Schwerpunkten die Konflikte und Skandale der Kölner Kirche.

Der Historiker Fritz Bilz hat ein Buch über die Geschichte der katholischen Kirche in Köln geschrieben. Darin beleuchtet er dunkle Geschichten, von denen selbst viele Kölner nichts wissen.

Für Ferdinand von Bayern, 1612 bis 1650 Kurfürst und Erzbischof von Köln, war die Hexenverfolgung eine Pflicht „zu Gottes und der Heiligen Ehre und göttlicher Befehl“.

Buch über Kölner Kirche: Dunkle Geschichten aus der Domstadt

Die Hexenprozessordnung, die er 1607 erließ, verschärfte die Regeln, etwa indem sie den Einsatz der Folter erleichterte. Nahezu alle Anklagen endeten mit einem Todesurteil. „Köln wurde zum Zentrum der Hexenverfolgung nördlich der Alpen“, schreibt Historiker Fritz Bilz in seinem Buch „Im Schatten des Doms zu Köln“, das er jetzt im DGB-Haus vorstellte.

Exemplarisch ging er auf vier der 18 Kapitel ein, die er „Bausteine einer Gegengeschichte“ nennt. Der Dom steht für das Wirken der katholischen Kirche, insbesondere des Erzbischofs.

Kölner DGB-Vorsitzender: „Ich wusste vieles davon nicht“

Kölns DGB-Vorsitzender Witich Roßmann sagte, zu seiner Überraschung habe er bei der Lektüre „vieles gefunden, was ich nicht oder nur schemenhaft wusste“. Zum Beispiel, dass Albertus Magnus, der von 1248 bis 1254 in Köln die Generalstudien des Dominikanerordens leitete, und sein Schüler Thomas von Aquin mit theoretischen Werken „wesentlich zur Hexenverfolgung beigetragen“ haben, wie es im Buch heißt.

Der Bogen spannt sich vom vierten Jahrhundert, in dem die Christen dort, wo sich der römische Mercuriustempel befand, zur Demonstration ihres Glaubens eine Kirche bauten, bis in unsere Tage, denen das Kapitel „Katholische Kleriker lieben Kinder“ gewidmet ist.

Dazwischen geht es unter anderem um den Raub der Gebeine, die höchstwahrscheinlich nicht von den Heiligen Drei Königen stammen, die Judenpogrome, die Unterdrückung der Reformation, die Vollendung des Doms aus nationalistischen Beweggründen und Kardinal Meisners Schmähung des Richter-Fensters.

Autor: „Die Kirche hat Leute vom Widerstand abgehalten“

In der Zeit der Revolution von 1848/49, als der Kölner Arbeiterverein entstand, der zum größten in ganz Deutschland werden sollte, agierten die katholischen Würdenträger nach der von Bilz so formulierten Maßgabe: „Dem ökonomischen Materialismus musste die christliche Heilslehre entgegenwirken.“

Deshalb initiierten sie als Gegengewicht zu den Arbeitervereinen die Gründung von „Piusvereinen für die religiöse Freiheit“. Für die Zeit des Nationalsozialismus bescheinigt Bilz dem Kölner Klerus eine gute Zusammenarbeit“ mit den Machthabern. Karl Joseph Schulte, 1920 bis 1941 Erzbischof von Köln, sei „einer der glühendsten Befürworter des neuen Systems“ gewesen.

Alles habe die katholische Kirche versucht, „um kritische Kirchenleute von der Opposition gegen Hitler abzuhalten“. Ein Beispiel ist der Umgang mit Bernhard Letterhaus und Nikolaus Groß, in Berlin-Plötzense umgebrachte Widerstandskämpfer des Kölner Kreises.

Kölner Historiker beschreibt Streit zwischen Gewerkschaft und Kirche

Als sie in Haft saßen, hätten weder Kardinal Josef Frings noch das Generalvikariat ein Zeichen der Unterstützung gegeben, trotz Bitten der Familien, kritisiert Bilz.

Nach dem Krieg hätten Frings und Domdechant Robert Grosche alles getan, um „belasteten ranghohen Nazis sogenannte Persilscheine auszustellen“; der Kardinal habe sich gar zu den Worten verstiegen: „Wir deutschen Katholiken waren keine Nationalsozialisten.“

Im folgenden Kapitel erscheint Frings als „Spalter der Gewerkschaftsbewegung“, der den DGB, ihm missliebig wegen „sozialistischer Tendenzen“, bekämpft habe; der Kardinal und Bundeskanzler Adenauer seien treibende Kräfte dabei gewesen, 1955 die Christliche Gewerkschaftsbewegung zu gründen, die Bilz als „Spalterorganisation“ bezeichnet.

Alles schlecht also? Roßmann fand versöhnliche Worte: Bis hin zur Befreiungstheologie durchziehe ein anderer Zweig die Geschichte der kirchlichen Bewegung, herrührend von der christlichen Idee der „Gleichheit aller Menschen vor Gott“. In Köln arbeite der DGB ausgezeichnet mit katholischen Organisationen zusammen, von der Caritas bis zum Katholikenausschuss.

Fritz Bilz: Im Schatten des Doms zu Köln. 108 S., PapyRossa Verlag, 12,90 Euro.