Wie aus einer Urlaubsidee ein kreativer Rückzugsort im Eigelstein wurde: Im Keramikstudio „Layers“ verbinden zwei Kölner Wohnzimmeratmosphäre mit Kreativität.
„Layers“ am EigelsteinWarum dieses Kölner Keramikstudio mehr ist als ein Trend

Marian Viola (li.) und Sophia Tengelmann haben sich ihren Traum der Selbstständigkeit erfüllt.
Copyright: Alexander Schwaiger
Das Keramikstudio „Layers“ wirkt ein bisschen wie das Wohnzimmer seiner Gründer: Sophia Tengelmann und Marian Viola. Die Wände sind in einem warmen Cremeton gestrichen, unaufdringlich, aber gemütlich. Auf einem orangefarbenen Stehtisch stehen zwei Wasserkaraffen in Fischform, hinter der Theke eine große Kaffeemaschine.
„Die Bilderrahmen haben wir genauso auch zu Hause. Und das Bild dort habe ich gemalt“, sagt Marian Viola und zeigt auf ein orange-blaues Gemälde an der Wand. Der große Brennofen und die Keramikrohlinge verraten dann aber doch: Hier wird kreativ gearbeitet.

Der Mietvertrag des Studios lief zunächst über ein Jahr, mit Option auf fünf weitere. Inzwischen haben Tengelmann und Viola verlängert.
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Im Dezember 2024 haben Tengelmann und Viola ihr Keramikmalstudio am Eigelstein eröffnet, schräg gegenüber der Eigelsteintorburg. Die Idee dazu entstand erst wenige Monate zuvor, im August, im Urlaub. Danach ging alles schnell: Zwei Tage nach ihrer Rückkehr besichtigten sie das Ladenlokal. Ihre Wohnung liegt nur wenige Meter entfernt.
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Keramik bemalen, Yoga machen, Kaffeekunst lernen
Als das „Layers“ eröffnete, war es erst das zweite Keramikmalstudio in Köln, sagen sie. Inzwischen sind einige weitere dazugekommen. Tengelmann und Viola sehen sich dennoch nicht einfach als eines von vielen. „Wir sind das erste Studio in Köln, das das Konzept neu gedacht und moderner interpretiert hat“, sagen sie.
Damit meinen sie zum Beispiel: Zu den Kursen gibt es Kaffee mit Bohnen der Kölner Rösterei zwoo – dafür haben beide einen Barista-Kurs besucht. „Uns sind diese lokalen Kooperationen wichtig. Genauso wie die Events, die wir hier im Studio veranstalten“, sagt Sophia Tengelmann. Sie ist auch Yogalehrerin. Die Verbindung von Keramikmalen und Yoga lag daher nahe. Auch eine Zusammenarbeit mit einer lokalen Töpferin können sie sich vorstellen.

Die Kurse finden donnerstags bis sonntags statt. Manchmal veranstalten sie auch Kindergeburtstage und Firmenevents.
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Kurse bieten sie von Donnerstag bis Sonntag an, an den übrigen Tagen brennen sie die bemalte Keramik im Ofen. Im Sortiment gibt es bewusst auch günstige Stücke: Ein Untersetzer kostet 9 Euro, ein Eierbecher 15, eine Teekanne dann schon 49 Euro. „Uns war wichtig, dass es nicht erst bei 25 Euro losgeht“, sagt Tengelmann.
Die Kurse sollen eine kreative Auszeit vom Alltag bieten – ganz ohne Bildschirm. Manche Teilnehmer kommen zu zweit oder in kleinen Gruppen, andere allein. Die meisten sind Frauen. Der Altersdurchschnitt liege zwischen 20 und 35 Jahren, gelegentlich kommen auch Familien mit Kindern oder Hund. Willkommen sei jeder und jede.
„Manchmal sitzen hier an einem Vierertisch zwei Zweiergruppen zusammen und erst beim Bezahlen merken wir: Die kannten sich vorher gar nicht“, erzählt Viola. Genau diese Begegnungen machten den Reiz aus. Andere wiederum sprechen zwei Stunden kein Wort. „Die sind dann komplett im Flow, fast wie in einem meditativen Zustand.“

Nach gut einer Woche können die fertigen Kunstwerke abgeholt werden.
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Beate Geldmacher ist an diesem Nachmittag mit ihrer Tochter da. Ein Geburtstagsgeschenk: „Für mich ist es auch ein Geschenk, Zeit zu zweit zu haben. Mit einer jungen Mama ist das manchmal gar nicht so einfach.“ Die Tochter bemalt einen Geburtstagsteller für ihr Kind, Geldmacher selbst eine Tasse. „Am Anfang traut man sich kaum anzufangen.“ Vorsichtig klebt sie die Tasse mit Tape ab, um ein Muster zu erzeugen. Nach kurzer Zeit wählt sie Farben aus und legt los. Als die Tasse fertig ist, überlegt Geldmacher: „Ich könnte noch eine machen. Dann hat der Papa auch eine.“ So können sie später gemeinsam daraus Tee trinken.
„Mein Lebensgefühl hat sich komplett verändert“
Marian Viola geht währenddessen durch die Reihen, beantwortet Fragen, hilft bei Entscheidungen. Bis Oktober 2025 hat er „Layers“ neben seinem Vollzeitjob in der IT-Beratung betrieben, inzwischen arbeitet er ausschließlich im Studio. Für ihn ist damit ein langgehegter Traum in Erfüllung gegangen: Er habe sich schon immer selbstständig machen wollen. Ideen habe er schon vorher gehabt, aber mit „Layers“ habe es sich einfach richtig angefühlt. „Mein Lebensgefühl hat sich komplett verändert“, sagt Viola. „Ich fühle mich nicht mehr, als würde ich arbeiten.“
In der Zusammenarbeit ziehen beide bewusst Grenzen zwischen Beziehung und Geschäft. „Wir sind ein gutes Match“, sagt Tengelmann. „Marian bringt viel Optimismus mit, ich bin eher die, die sagt: Lass uns das noch einmal durchrechnen. Das ergänzt sich gut.“
Das Paar wohnt schon länger im Eigelstein, durch das Studio fühlen sich beide nun richtig angekommen. Dienstags treffen sie auf dem Wochenmarkt ihre Nachbarn, man kennt sich. Der Austausch mit anderen Selbstständigen sei wichtig. Und wenn ein neuer Laden im Viertel eröffnet, bleibt Tengelmann stehen und überlegt, ob sich daraus eine Kooperation ergeben könnte.


