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Satirischer Wochenrückblick
Widerstand zwecklos in der schönsten Stadt der Welt

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2 min
27.02.2025, Nordrhein-Westfalen, Köln: Berliner liegen aufgestapelt in einer Bäckerei. Am Donnerstag beginnt mit der Weiberfastnacht die Karnevalssession 2025. Foto: Thomas Banneyer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Beschwipst oder gezuckert: Im kölschen Fasteleer spielt der Berliner eine entscheidende Rolle. 

In der schönsten Stadt der Welt gibt es an diesem Wochenende keinen Morgen.

Zu den besonderen Momenten im kölschen Fasteleer zählt für mich der Freitagmorgen. Der frühe Freitagmorgen. Um genau zu sein. Diese Laufrunde durch die Veedel fühlt sich ungefähr so an: Nach der Party ist vor der Party.

Aus irgendeinem offenen Fenster auf dem Eigelstein entweicht die Druckluft mit der Karnevalsmaus, die letzten Jecken purzeln über die Straße Richtung U-Bahn. In zwei Kneipen, die man in diesem Umfeld durchaus als Kaschemmen bezeichnen darf, werden die Zapfhähne blank geputzt und die Tresen gewienert, als gäbe es keinen Morgen. Und irgendwie stimmt das ja auch. Im Fastelovend gibt es keinen Morgen. Sondern nur ein paar Morgen-Momente, bevor et widder los jeiht.

Eine Kehrmaschinen-Choreo

Einen dieser Momente zaubern die orangenen Funken auf die Straße. Einfach so in dem kleinen Kreisel, den die Taxifahrer umrunden müssen, bevor sie sich in die Warteschlange einreihen und auf den nächsten Ansturm vorbereiten. Es ist eine Kehrmaschinen-Choreo besonderer Güte. Fast so schön wie die der Rheinmatrosen der Großen Mülheimer, nur ohne Flugeinlagen und Hebefiguren. Man möchte applaudieren und lauthals Kölle alaaf rufen. Doch bei dem Lärm hört das leider keiner.

Auf der Hohenzollernbrücke verlässt ein Geisterzug nach dem anderen das Epizentrum des Fastelovends. Nach Hamburg, Berlin, München. Alle leer und meistens pünktlich. Wer will da auch schon hin, an diesem Wochenende? Oder wie die Bahn es formulieren würde: Geringe Auslastung erwartet. Das würde ich mir auch wünschen. Heute Abend. In der Schlange vor der Kneipe.

In der Bäckerei haben die Hochstapler schon wieder ganze Arbeit geleistet. Türmen Sie mal mit einer Eierlikör-Schicht überzogene Berliner so kunstvoll in die Auslage, dass sie nicht zusammenstürzen und so reizvoll anzuschauen sind, dass jeder Widerstand zwecklos ist. Nein, heute keine Rosinenbrötchen. Heute nehme ich sechs von den Beschwipsten.

Mit dem Zwölferpack in zwei Tüten geht’s heimwärts. Das wird die Frankfurter freuen – endlich wieder kölsche Kreppel. Die letzten 1000 Meter – mit einem Zwischenstopp beim Metzger. Der lockt mit Karneval-Wundertüten. Da ist jeder Widerstand zwecklos. In der schönsten Stadt der Welt!