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Zu teuerStadt will Lautstärke der Straßenmusik am Kölner Dom nicht weiter messen

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Die Stadtverwaltung will die Lautstärkenmessung von Straßenmusik im Umfeld des Doms beenden.

Die Stadtverwaltung will die Lautstärkenmessung von Straßenmusik im Umfeld des Doms beenden.

Die von einem Kölner Start-up eigens entwickelte Messtechnik kann automatisch das Ordnungsamt alarmieren, wenn es zu laut wird. 

Die Stadtverwaltung will die Lautstärkenmessung von Straßenmusik im Umfeld des Doms nicht weiterführen, die sie während eines Pilotprojekts 2023 erprobt hat. Die eigens dafür entwickelte Technik kann bei Pegelüberschreitung eine automatische Meldung ans Ordnungsamt schicken. Die Verwaltung schlägt dem Stadtrat vor, das System nicht in den Dauerbetrieb zu überführen, um Geld zu sparen. Grund ist auch, dass die Lärmbelastung durch Straßenmusik wegen neuer Regeln abgenommen habe. 

Straßenmusik sorgt besonders auf der Domplatte, am Hauptbahnhof und in der Altstadt seit Langem für Konflikte: Anwohner und die ansässigen Geschäftsleute fühlen sich durch ständige Musik gestört, es kam bereits zu Auseinandersetzungen mit der AWB und dem Ordnungsamt. 2017 kam es zur Beschwerdeflut, von Mitte März bis Mitte September waren 329 Anzeigen wegen Lärmbelästigung beim Ordnungsamt eingegangen. Am Wallrafplatz drohten der Stadt schon mehrere Klagen. 

Stadt und Rat regulieren Straßenmusik seit 2017 zunehmend

Sie reagierte und verbot den Musikern zunächst Lautsprecher und Verstärker. Musik und Schauspiel dürfen seither im ganzen Stadtgebiet nur in den ersten 30 Minuten einer vollen Stunde dargeboten werden. Nach einer Aufführung müssen die Straßenkünstlerinnen und Künstler mindestens 300 Meter weiterziehen. Sie dürfen nur in einer Lautstärke spielen, die unbeteiligte Personen „nicht erheblich belästigt“. Zwischen 22 Uhr abends und 10 Uhr vormittags ist Straßenmusik generell verboten. Diese Änderung der Stadtordnung Ende 2017 gab dem Ordnungsamt erst die Handhabe, für mehr Ruhe zu sorgen.

2020 schränkten Stadt und Rat dann im Domumfeld auch die Standorte ein, wo Straßenmusikerinnen und Musiker sich aufstellen dürfen. Sie definierten unter Beteiligung von Lärmgutachtern vier Flächen, je acht mal acht Meter groß, und explizit keine davon am problematischen Wallrafplatz. Damaliger Innenstadt-Bezirksbürgermeister Andreas Hupke (Grüne) hatte gesagt, „die Musik ist den Menschen, die dort arbeiten, nicht mehr zumutbar. Da wird man völlig verrückt“, und eine Art Tüv gefordert, um Straßenmusiker zu testen. Stadtdechant Robert Kleine hatte gesagt: „Die große Zahl der Straßenmusiker im Domumfeld mit immer gleichem Repertoire, zunehmender Lautstärke und von unterschiedlichster Qualität ist ein großes Ärgernis.“

Kölner Start-up entwickelt Messtechnik mit automatisiertem Alarm

Die eingeführten Standorte sollten von Lärmmessungen begleitet werden. Das Kölner Start-up Press Every Key entwickelte Messgeräte, die es von Frühjahr bis Herbst 2023 um den Dom herum testete, vorher hätten Messungen wegen der Einschränkungen während der Corona-Pandemie keinen Sinn ergeben, genauso wenig im Winter. Bei schlechter und kalter Witterung spielen Straßenmusiker kaum. Sie montierten die Geräte an drei der vier Standorte: auf der Domplatte, am Bahnhofsvorplatz und am Eingang des Museum Ludwigs auf dem Heinrich-Böll-Platz. Auf eine Montage vor dem Römisch-Germanischen-Museum, wo auch musiziert werden darf, verzichteten die Lärmmesser wegen des dortigen Baustellenlärms.

Die Technik besteht aus einem Mikrofon, einem Kleinstrechner zur Vorverarbeitung der Messdaten und einem Modem zur Übertragung der Pegel an einen Server. Sie haben auch ein kleines Lämpchen, dass den Musikerinnen und Musikern anzeigt, sobald sie zu laut sind, bevor die Technik automatisch den Ordnungsdienst alarmiert.

Das Ergebnis des Pilotprojekts waren 49 Alarmauslösungen, die in 21 Verwarnungen resultierten. Acht Alarme ergaben sich durch Demonstrationen oder Fangesänge. Der Rest waren Fehlalarme durch Windböen oder der Ordnungsdienst konnte vor Ort nichts feststellen. Die Empfehlung damals lautete, an den Standorten inklusive der Messtechnik auf Dauer festzuhalten. Es hätte eine Vorlage für einen Ratsbeschluss folgen sollen.

Straßenmusik in Altstadt weitgehend verboten

Doch jetzt verweist die Verwaltung zum einen auf die „prekäre Haushaltslage“. Es sei „kritisch zu hinterfragen“, ob anfallende Kosten von circa 60.000 Euro für die einmalige Optimierung des Systems plus jährlich 17.500 Euro „als verhältnismäßig zu betrachten“ seien. Zum anderen begründet die Verwaltung das Ende der Lärmmessung damit, dass die Reduktion der erlaubten Spielorte auf vier am Dom, bereits zu einer „erheblichen Verbesserung der Lebenssituation der Anwohnenden und Arbeitenden“ geführt habe.

Vor eineinhalb Jahren sah sich die Stadt dann gezwungen, auch auf Straßenmalerinnen und Straßenmaler auf der Domplatte zu reagieren. Dompropst Guido Assmann hatte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet, dass Touristinnen und Touristen die Straßenfarbe auch in den Dom hineintrügen, die Reinigung des Kathedralenbodens sei aufwendig. Diejenigen, die große Kreise voll Länderflaggen malen, waren mehrfach laut Stadt mit Passanten sowie AWB-Mitarbeitern aneinandergeraten. Der Rat stimmte einer „Schutzzone“ um den Dom mit Ausnahme des Roncalliplatzes zu und erweiterte im Zuge dieser erneuten Änderung der Stadtordnung auch gleich die „Schutzzone Straßenmusik“ von vormals nur dem Domumfeld auf die Altstadt inklusive der Hohestraße bis zum Heumarkt. Im Rheingarten und an einem Punkt in der Straße „In der Höhle“ zwischen Hohestraße und Marspfortengasse ist Musik und Kunst noch erlaubt.

Dem Vorhaben, die Straßenmusik am Dom nicht weiter zu überwachen, soll der Stadtrat in seiner übernächsten Sitzung im März zustimmen. Den schon von Hupke und Kleine geäußerten Vorschlag, nicht nur auf die Lautstärke, sondern auch auf die Qualität von Straßenmusik zu achten, wiederholte 2024 auch damaliger Ordnungsamtsleiter Ralf Mayer: „In München gibt es Castings für Straßenmusiker“. Seitdem verfolgten aber weder Rat noch Verwaltung die Idee weiter.