Gute Stimmung trotz Regen: Am Nachmittag füllen sich das Zülpicher Viertel und der Chlodwigplatz allmählich. Hier war die Stadt besser vorbereitet als am 11.11.
„Stadt Köln kann sich beim Himmel bedanken“So lief Weiberfastnacht im Zülpicher Viertel und in der Südstadt

Am Nachmittag füllte sich das Zülpicher Viertel nach einem vergleichsweise ruhigen Morgen und Mittag dann doch. Insgesamt war es im Vergleich zu en Vorjahren ruhiger.
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Schon früh am Morgen setzt Leon, 18 Jahre alt, zumindest mit seinem Outfit der Befürchtung etwas entgegen, dass die jungen Jecken das Zülpicher Viertel an Weiberfastnacht erneut verwüsten könnten. Kurz nach neun wirbelt er – verkleidet als überdimensionierter Wischmopp – durch den Regen auf der Zülpicher Straße. „Das Wetter ist mir egal. Ich feier heute – und mach sauber“, ruft er lachend.

Leon, 18 Jahre alt, ist als Riesenwischmopp unterwegs.
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Dass die AWB am Freitag weniger Arbeit haben dürfte als in den Vorjahren, hat aber vor allem einen Grund: den Dauerregen. Seit den frühen Morgenstunden prasselt es ununterbrochen auf Köln herab. Gefeiert wird an diesem Donnerstag deshalb vor allem dort, wo es halbwegs trocken bleibt. Unter Vorsprüngen, dicht an die Fassaden gedrängt oder geschützt unter den Bahnbrücken warten die Jecken auf eine Regenpause – oder stoßen dort an.
Die Uniwiese ist am Vormittag nahezu verwaist – obwohl der Feierbereich in diesem Jahr ohnehin um ein Drittel verkleinert wurde. Nur vereinzelt stapfen Jecke über die Fläche, vorbei an Sicherheitskräften, die hoffen, dass sie ihre Regenponchos trocken halten. Eine kleine Gruppe hat eine Lösung für das Wetterproblem ausgemacht: „Von Kiosk zu Kiosk!“, grölen sie, bevor sie weiter durch den Regen waten.
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11.11. Uhr an der Zülpicher Straße: Countdown und Konfetti

Der Regen war allgegenwertig, die Laune war dennoch ausgelassen.
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Rund um den Zülpicher Platz halten die Hartgesottenen dagegen. Trotz des miesen Wetters ist die Stimmung gut. „Wir sind ja nicht aus Zucker hier in Köln“, sagt Jack, bevor er mit seinen Freunden die nächste Karnevalshymne anstimmt. Auch Paul, der eine gewaltige Musikbox auf dem Rücken trägt, lässt sich weder vom Dauerregen noch von der Bitte des Ordnungsamts, etwas leiser zu machen, bremsen.
Um Punkt 11.11 Uhr stimmt die Menge auf der Zülpicher Straße den mittlerweile traditionellen Countdown an. Konfetti fliegt durch den Nieselregen, aus einer Bluetooth-Box tönt „Leev Marie“. Unter Regenschirmen wird getanzt und geschunkelt. Sanitäter tragen einen jungen Jecken aus dem Getümmel, der offenbar schon jetzt zu tief ins Glas geschaut hat. Vor „Oma Kleinmann“ beginnen die Kölner Ratsbläser zu spielen und heizen die Stimmung an.
Eva und Jayda halten den Tag für bislang perfekt: „Durch das Wetter ist nicht so viel los wie sonst. Das ist gut, weil viel mehr Platz ist. Wir haben bisher nur tolle Leute kennengelernt – es macht einfach Spaß“, sagen die beiden. Und doch: So leer wie an diesem Donnerstag war das Zülpicher Viertel an Weiberfastnacht wohl seit dem Ende der Corona-Pandemie nicht mehr.
Erst als der Regen am frühen Nachmittag aufhört, strömen deutlich mehr Jecken auf die Zülpicher Straße. Die Stimmung ist ausgelassen und der Pegel steigt spürbar unter den jungen Karnevalisten.
Chlodwigplatz an Weiberfastnacht: Weniger gefüllt am Vormittag, da Jan von Werth hier sein traditionelles Spiel zeigt

Der Chlodwigplatz an Weiberfastnacht: Dort wirdTraditionelles Jan-un-Griet-Spiel und Umzug des Reiter-Korps Jan von Werth
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Als sich ein paar zarte Sonnenstrahlen durch die Wolken kämpfen, füllt sich auch der Chlodwigplatz gegen 13 Uhr. Die Jecken warten hier auf das traditionelle „Jan un Griet“-Spiel des Reiter-Korps Jan von Werth. Für die Karnevalsgesellschaft wurde der Platz abgesperrt, nur außenherum können sich die Jecken aufhalten. Oder unterhalb der Severinstorburg, unter der sich viele quetschen und tanzen. Der Regen treibt die Jecken vielfach in die Kneipen, die gut gefüllt sind, sobald sie ihre Türen am Vormittag aufsperren.

Eine Gruppe in der Kneipe Fertig an der Bonner Straße: Viele Jecken trieb es in die Kneipen oder zumindest unter deren Schirme.
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Rund um den Chlodwigplatz bildete sich am 11.11. neben dem Zülpicher Viertel ein weiterer Hotspot, viele junge Leute strömten zum Feiern in die Südstadt. Darauf war die Stadt Köln nicht vorbereitet gewesen, nun hat sie für die Karnevalstage mehr Infrastruktur bereitgestellt: zusätzliche Abfallbehälter, Toilettenwagen und mehr Straßensperren. Am Severinswall kontrolliert das Security-Personal, ob man Glasflaschen mit sich führt. Wer am Chlodwigplatz trotzdem eine dabei hat, bekommt einen Plastikbecher gereicht, um das Getränk umzufüllen. Für mehr Sauberkeit und weniger Glasmüll sorgt am Vormittag die Karnevalsgesellschaft Grüne Rheinfunken mit ihrer Aktion „Fläschbäck“.
Mitten im Getümmel an der Severinstorburg ist ein Transporter mit Ladefläche vorgefahren, auf der sich viele leere Kästen stapeln. An der Glas-Sammelaktion sind auch die Abfallwirtschaftsbetrieben (AWB) der Stadt Köln, die Köln International School of Design, die Organisation Cradle to Cradle und Zero Waste Köln beteiligt. Claudia Wedell von den Grünen Rheinfunken sagt: „Unser Ziel ist es, die Stadt sauberer und sicherer zu machen. Außerdem soll das wertvolle Glas nicht im Müll landen, sondern wieder in den Wertstoffkreislauf gelangen.“ Vergangenes Jahr seien beim Cologne Pride rund 6500 Flaschen zusammen gekommen.

Bei der Aktion Fläschbäck wurden Glasflaschen eingesammelt. Mit dabei war auch Umweltdezernent William Wolfgramm (2.v.l.).
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Chlodwigplatz: Fläschbäck-Aktion von den Grünen Rheinfunken und der AWB
Die Stadt Köln wurde auf die Aktion aufmerksam, die AWB war am vergangenen 11.11. erstmals mit dabei – zunächst in der Nähe vom Heumarkt. Dort aber wirke das seit Jahren bestehende Glasverbot gut. „Deswegen wollten wir dieses Mal dort hingehen, wo letztes Jahr viel mehr Müll entstanden ist – am Chlodwigplatz“, so Wedell. „Beim zurückliegenden Geisterzug rettete die Initiative rund 4000 Glas-Pfandflaschen und ungefähr 2000 Altglasflaschen vor der Müllverbrennungsanlage. „Wir saugen die sonst ein“, sagt Kai Hildebrandt von der AWB. Umweltdezernent William Wolfgramm freut sich, „dass sich trotz des schlechten Wetters so viele beteiligen“.

Die 21-jährige Victoria Stollwerk (2.v.l.) ist mit ihren Freundinnen in die Südstadt gekommen: Mit 16 Jahren gingen sie noch ins Zülpicher Viertel.
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Südstadt statt Zülpicher Viertel: Das waren sich Victoria Stollenwerk und ihre Freundinnen einig. „Auf die Zülpicher sind wir mit 16 Jahren gegangen“, sagt die 21-jährige Kölnerin. „Da sind mehr Touristen unterwegs, in die Südstadt kommen mehr Kölner.“ Später gehen sie noch in eine Karaokebar und am Abend in den Club. Musik tönt in der Südstadt aus allen Ecken: Hier und da sieht man riesige Musikboxen.

Mittags ist der Severinskirchplatz sehr gut gefüllt: Trotzdem sind die umliegenden Straßen sowie die Severinsstraße größtenteils frei.
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Gruppen ziehen ihre Ghettoblaster entweder mit einem Bollerwagen oder in einer Art Rollkoffer hinter sich her. Im Ferkulum veranstaltet eine private Gruppe einen Open-Air-Rave mit Technomusik und mobilem DJ-Pult. Auch am Severinskirchplatz tummeln sich die Jecken um die Getränkestände, Musik hat die IG Severinsviertel organisiert.

Musikbox als Rucksack: In der Südstadt haben viele Jecken Ghettoblaster und Musikboxen in klein und groß dabei.
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Torburg-Wirtin findet die zusätzliche Infrastruktur nicht ausreichend
Insgesamt ist der Zustrom tagsüber deutlich geringer als am 11.11. Es ist bis zum Nachmittag nicht überfüllt. Wirtin Hülya Wolf von der Kneipe Torburg am Chlodwigplatz hatte sich angesichts der unerwarteten Menschenmassen beim Sessionsauftakt und der übergelaufenen Mobilklos gegenüber ihrer Kneipe geärgert. „Ich sehe heute nur einen neuen Toilettenwagen am Chlodwigplatz und ein paar orangene Tonnen mehr. Das Wetter hat der Stadt Köln zugespielt, die können sich bei denen da oben im Himmel bedanken“, sagt Wolf. Die Wirtin hält die Maßnahmen für nicht ausreichend. „Bei besserem Wetter hätte sich hier ein ganz anderes Bild gezeigt“, ist Wolf sich sicher.

