Wer in der Karnevalskiste ganz oben liegt, hat es noch längst nicht in die Kneipe geschafft. Geschweige denn zum Zoch.
Satirischer WochenrückblickDie Wichtigtuer der Karnevalskiste


Darf in keinem Kölner Haushalt fehlen: die Karnevalskisten.
Copyright: Foto: Berger
Ich bin mir sicher. Karnevalskisten führen ein Eigenleben. Was sollen die ganzen Kostüme, Perücken, Orden und die gehäkelten rot-weißen Kölschglashalter aus ungezählten Sessionen in ihrem Kellerverlies das ganze Jahr über auch machen? Darauf warten, dass der Weihnachtsbaum endlich den Knut macht und aus dem Fenster fliegt?
Und immer diese Unsicherheit. Was treiben die da oben mit der Nähmaschine, mit dem Tacker und der Klebepistole? Karnevals-Neulinge produzieren? Wer von uns kriegt in dieser Session eine zweite, dritte oder gar vierte Chance? In einer Kneipe, auf einer Sitzung oder gar an Wieverfastelovend.
Die Giraffe grübelt, das Windrad ist schon überzeugt: Mit dieser Session wird‘s wohl nichts werden nach dem grandiosen Auftritt mit der Solarzelle im Elferrat der Stunksitzung vor einem Jahr. Die anderen aus der Truppe ziehen nicht mit.
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Ach, wären die Zöpfe doch blond statt braun
Der Wikinger mit dem klassischen Hörnerhelm, schon vor Jahren zum Notkostüm für den Karnevalsbesuch degradiert, tröstet die Indianerin, deren Perücke um ein Haar eine zweite Karriere als Jungfrau im Dreigestirn hingelegt hätte. Ach, wären ihre Zöpfe doch bloß blond statt braun gewesen.
Du kommst hier nie mehr raus, ätzen die Kölschglashalter, die jedes Jahr dabei sind, wenn es zum Zoch geht. Diese Wichtigtuer. Was war das für eine Party in der Karnevalskiste, als ihre Vorgänger an Weiberfastnacht nicht zurückgekehrt sind. Einfach geklaut, in einer Kneipe am Eigelstein. Geschieht ihnen recht.
Besonders hart hat es Kermit, den Frosch, erwischt. Um genau zu sein: seine Froschaugen. Hat er doch geglaubt, sie säßen bombenfest an seiner grünen Mütze. Das war nicht angenehm vor ein paar Jahren, der Kontakt mit der Heißklebepistole. Von wegen.
Dieses Mal, fürchtet er, werden sie dem Neuen gehören, der noch unter der Nähmaschine liegt und Paulchen Panther heißen soll. Kermit verliert sein Augenlicht. So grausam kann Karneval sein.
Das Lappenkostüm bleibt gelassen. Dem Veteranen der Karnevalskiste muss man über den Fastelovend nichts mehr erzählen. In der Kiste lag er schon ganz oben, immer einsatzbereit, dann wieder am Boden. Mal hat man ihn bewundert, dann als Altlappen diskreditiert. In seiner Hoch-Zeit durfte er mit einem silbrigen zur Narrenkappe umgearbeiteten Opern-Handtäschchen auftreten. Grandios! Die Pandemie war sein letzter großer Auftritt. Remote. Bei Teams.
„Wisst ihr“, sagt er mit seiner Kölsch gegerbten Stimme: „Mer dun dat nit für uns. Mer dun dat all för Kölle.“
