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Während BauarbeitenBekannte Gastronomin eröffnet neue Bar in Köln

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Payman Neziri ist Betreiberin der Boize Bar und hat auf der Aachener Straße die Räume der Tausend Bar übernommen.

Payman Neziri ist Betreiberin der Boize Bar und hat auf der Aachener Straße die Räume der Tausend Bar übernommen.

Umbau, Umzug, neue Konzepte: Kölns queere Szene bekommt frischen Glanz – und eine neue Bar.

Zwischen Bauplänen, Brandschutzauflagen und Partyplanung bleibt für Payman Neziri derzeit kaum Zeit zum Durchatmen. Seit 2022 weiß die Betreiberin der Boize Bar von der bevorstehenden Kernsanierung. Das denkmalgeschützte Gebäude an der Friesenstraße muss brandschutztechnisch ertüchtigt werden. Anderthalb Jahre Vorbereitung habe es gebraucht, 14 Gewerke seien eingebunden. Seit Rosenmontag ist die Bar geschlossen.

„Jeder Monat, den ich nicht aufhabe, kostet mich 13.000 Euro“, sagt sie. Aber es laufe gut auf der Baustelle, erzählt die Gastronomin – und schon Ende Juli, Anfang August soll die Wiedereröffnung stattfinden. Auf ihrem Handy zeigt sie Bilder, wie sie sich die Einrichtung vorstellt. „Es wird alles ein bisschen schicker.“ Rot soll dominieren, von der Decke könnten bald Plexiglas-Würfel zur Beleuchtung hängen. Die ikonischen Bildschirme blieben, aber würden an Stahlgerüste angebracht.

Boize Bar zieht während Bauarbeiten zeitweise ins The Cage

Während in der Boize Bar noch gebaut wird, weicht das Team aus – nämlich ins The Cage am Rathenauplatz. „Im The Cage sind wir ab Ende März, wir haben feste Termine am Wochenende abgesprochen.“ Eigene Events gibt es dort sonst nicht, die Location ist vor allem für Veranstaltungen buchbar. Künftig steht bekanntes Boize-Personal hinter den Theken und serviert Drinks von der Sonderkarte. „Ich freue mich, ins The Cage zu gehen – das Team weiß es noch nicht“, sagt Peyman Neziri und lacht. „Die Community hat dann wieder einen Space und die Mitarbeitenden sind beschäftigt.“

Payman Neziri steht vor ihrem neuesten Projekt, dem Le Spot auf der Aachener Straße.

Payman Neziri steht vor ihrem neuesten Projekt, dem Le Spot auf der Aachener Straße.

Parallel entsteht nur wenige Gehminuten entfernt ihr nächstes Projekt: Le Spot auf der Aachener Straße. In der alten Tausend Bar eröffnet Peyman Neziri eine neue queere Bar. Schwarze Wände, Diskokugeln, Sitzgelegenheiten drinnen und draußen, groovy 80s-Musik. „Mitte, Ende April muss hier auf sein“, sagt sie zwischen Kartons und Leitern. „Abrissparty, das machen wir hier nicht. Die Leute sollen einen schönen Abend mit einem Drink haben.“ Angesprochen fühlen sollen sich Menschen ab 25 Jahren, Eintritt will sie nicht nehmen.

Zum CSD lädt das Team in die Friesen Bar – und ins Le Spot

Die Boize Bar fasst rund 200 Menschen, im Le Spot sind es 100. Und doch geht es um mehr als Zahlen. „Die Friesenstraße ist hetero-dominiert“, sagt Neziri. „Im Le Spot wollen wir einen neuen queeren Space schaffen.“ Auch die Boize Bar will sie neu positionieren, mit veränderter Türpolitik. Mit dem Label „Flinta-Bar“ sei sie nicht glücklich, sie erzählt von Shitstorms und Anfeindungen. Flinta ist eine Abkürzung und steht für Frauen, Lesben, Inter, Nichtbinäre, Trans und Agender Menschen. „Wir sagen gerade, wir sind eine ‚Lesbian+‘-Bar. Und natürlich sind Trans-Menschen willkommen.“ Sie habe sich damals in das Objekt verliebt und dann die Community entscheiden lassen, was für ein Ort das werden solle.

Auf der Aachener Straße hängt schon das Schild an der alten Tausend Bar: Hier eröffnet bald unter dem Namen Le Spot eine neue Bar.

Auf der Aachener Straße hängt schon das Schild an der alten Tausend Bar: Hier eröffnet bald unter dem Namen Le Spot eine neue Bar.

15 Mitarbeitende gehören zum Team. Nach intensiven Karnevalstagen seien manche auch froh gewesen über eine kurze Pause. Doch lange dauert sie nicht: Vom 19. Juni bis 5. Juli prägen die Pride-Events die Stadt, Höhepunkte sind beim Christopher Street Day (CSD) das Straßenfest und die Demonstration. Dann soll Le Spot schon geöffnet haben – und eine Alternative zur Boize Bar gibt es auch: „Beim CSD sind wir in der Friesen Bar am Freitag, Samstag und Sonntag.“

Payman Neziri lebt selbst im Belgischen Viertel, seit über 20 Jahren arbeitet sie in der Kölner Gastronomie. Von der Boize Bar bis zum Le Spot braucht sie zu Fuß 15 Minuten. Zusätzlich veranstaltet sie die „Disco Babes“ im Gloria. Und dann ist da noch die „Kisses and Lies“-Party im Bootshaus. „Das ist mein Baby. Die würde ich auch mit 90 noch machen“, sagt sie lachend. Stillstand ist für Payman Neziri keine Option. Während anderswo Läden verschwinden, lässt sie in Köln neue Räume entstehen.


Le Spot: Aachener Straße 57. Geöffnet haben soll die neue Bar ab Mitte/ Ende April dienstags bis samstags ab 17 beziehungsweise 18 Uhr, unter der Woche bis 24 oder 1 Uhr, am Wochenende bis 3 oder 4 Uhr. www.instagram.com/lespot_cgn

Boize Bar: Friesenstraße 43. Ab Ende Juli/ Anfang August soll sie wieder öffnen. Die Bar hat mittwochs und donnerstags von 19 bis 1 Uhr geöffnet, freitags und samstags von 20 bis 4 oder 5 Uhr. www.instagram.com/boizebar

The Cage Club: Rathenauplatz 6. Der erste Termin ist am 21. März (Samstag) ab 20 Uhr. Weitere Termine gibt es auf dem Instagram-Account der Boize Bar. thecage.club

Friesen Bar: Friesenstraße 41. Vom 3. bis 5. Juli (Freitag bis Sonntag) gastiert hier das Team von der Boize Bar während des CSD. friesen-bar.com