Köln – Riesenrad, Buden und andere Attraktionen der Herbstkirmes am Deutzer Rheinufer sind abgebaut. Die Veranstalter bedanken sich bei ihren Besuchern. Hinter den Kulissen geht derweil der Krimi auf dem Kirmesplatz weiter. Ein Versuch, sich außergerichtlich im Streit um möglicherweise überhöhte Rechnungen, Gefälligkeits-Standmieten und persönliche Eitelkeiten zu einigen, ist gescheitert. Im Raum steht eine Schadensersatzforderung von 150.000 Euro.
Die ehemaligen Schausteller-Chefs, Rudolf von der Gathen und Manfred Ramus, wehren sich gegen Untreue-Vorwürfe ihrer Nachfolger und gehen ihrerseits gegen den neuen Vorstand vor. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in zwei Verfahren, außerdem sind gleich drei Zivilklagen anhängig. Bei der Mitgliederversammlung der Schausteller in Porz rumorte es gewaltig. Ihre Gemeinschaft ist gespalten.
Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen
Die über Jahrzehnte unangefochtenen Kirmeschefs haben weiterhin einige Freunde unter den Kölner Schaustellern. 32 Jahre lang war von der Gathen, der 1964 die Schießbude seines Vaters übernommen hatten und dann ein Unternehmen mit Automaten-Spielbuden aufbaute, im Vorstand des Zusammenschlusses der Kölner Kirmes-Unternehmen. Mit öffentlichen Aussagen halten sich die Kontrahenten zur Zeit zurück. Die Staatsanwaltschaft spricht von laufenden Ermittlungen. Auch ein Jahr nach deren Beginn besteht offenbar noch keine Klarheit, was an den Vorwürfen dran ist.
Im Umfeld der Schausteller-Gemeinschaft heißt es, dass man beim Durchforsten der Bilanzen weitere Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gefunden habe. So bezahle man heute nur noch einen Bruchteil von der früheren Summe für die Stromversorgung der Kirmes. Möglicherweise sind einzelne Schausteller bei Standmieten bevorzugt worden. Rudolf von der Gathen und seine Schwiegertochter waren bei der diesjährigen Kirmes nicht mehr mit eigenen Ständen dabei. Das sei eine Entscheidung der Familie gewesen, heißt es. Der Schausteller-Vorstand habe kein Interesse daran gehabt, den Streit noch weiter eskalieren zu lassen.
Weihnachtsmarkt-Ermittlung geht weiter
Beteiligt ist auch Wilhelm von der Gathen, Kölns mächtiger Straßenfestmanager. Er ist ebenfalls Mitglied der Schausteller-Gemeinschaft. Dass er sich mit der Familie seine Großcousins Rudolf nicht gut versteht, ist auf dem Kirmes-Platz ein offenes Geheimnis.
Im vergangenen Jahr wurde der Familienknatsch justiziabel, als Wilhelm von der Gathen gegen die Vergabe des Weihnachtsmarkts auf dem Rudolfplatz an den Sohn des Großcousins vorging. Er klagte vor dem Verwaltungsgericht auf eine Neuausschreibung. Der Vorwurf: Der neue Marktbetreiber, Rico von der Gathen, soll im Vergabeverfahren mit einer gefälschten Darlehnszusage für sich geworben haben. Auch hier ist die Staatsanwaltschaft nach einem Jahr Ermittlungen noch nicht weiter. Insofern sieht auch die Stadt weiterhin keinen Grund, den Markt neu auszuschreiben. „Wenn sich im Ermittlungsverfahren etwas ergibt, werden wir gegebenenfalls reagieren“, sagt Ordnungsamtschef Engelbert Rummel.
Was im Falle der Deutzer Kirmes zur Zeit kaum vorstellbar ist, haben Wilhelm und Rico beim Weihnachtsmarkt „geregelt“. Man habe sich außergerichtlich geeinigt, bestätigt Wilhelm von der Gathen. Er hat die Klage auf Neuausschreibung zurückgezogen.
