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SessionsauftaktDiese Kostüme sind unerwünscht in Kneipen, aber beliebt bei Feiernden

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Sessionsauftakt Kölner Karneval: Daniel und Daniel stehen im „Swat“-Kostüm auf den Stufen vor dem Dom.

Daniel und Daniel aus Düsseldorf im verbreiteten, aber bei Wirten unbeliebten „Swat“-Kostüm.

Zum Sessionsauftakt in der Altstadt waren nicht nur echte Polizistinnen und Polizisten im Einsatz, auch „Swat“-Kräfte tummelten sich in den Straßen – in Verkleidung. Trotz Kriegs-Assoziation liegt das Kostüm im Trend.

Es ist nicht einfach, ein gutes Kostüm zu finden. Schon vor der Session haben einige Wirte erzählt, welche Verkleidungen in ihren Kneipen und Clubs unerwünscht sind: Die Südstadt-Kneipe „Bagatelle“ hatte eine Diskussion zu erlaubten Kostümen auf Facebook ausgelöst. Doch gerade die von Wirten im Belgischen Viertel und dem Kwartier Lateng nicht gerne gesehenen Kostüme liegen voll im Trend: Am 11.11. waren in der Altstadt nicht nur viele echte Polizisten und Polizistinnen im Einsatz, weitaus mehr verkleidete Spezialeinsatzkräfte (SEK) und ihr amerikanisches Pendant „Swat“ sowie vermeintliche Soldatinnen und Soldaten tummelten sich auf den Straßen. 

Auch die zwei Freunde und Namensvetter Daniel und Daniel haben sich eine Weste mit dem Schriftzug „SWAT“ übergezogen. Sie kommen mittags am Kölner Hauptbahnhof an. „Wir sind im Einsatz“, rufen die beiden Düsseldorf, als sie die Treppen zum Dom hochsteigen. Wieso haben auch sie sich für die doch wegen der Kriegs-Assoziation unerwünschten Verkleidung entschieden? „Weil wir unkreativ sind und keine bessere Idee hatten“, sagen die Daniels selbstkritisch und müssen lachen. Die Westen hätten genau in das Budget eines Deiters-Gutscheins gepasst, den sie noch hatten. „Wenn ich besoffen bin, ist eh egal, was ich anhabe“, lautet Daniels Fazit.

Yusuf steht ebenfalls in schwarzer „Swat“-Weste auf den Domtreppen. Wieso er das Agenten-Kostüm gewählt hat? „Swat ist halt krasser als Polizei“, antwortet sein Kumpel Waso, als wäre das völlig klar. Lara hat sich zu den Fake-Ordnern gestellt, weil sie nicht alleine auf ihre Freunde warten will. Hier ist Kostüm schon zum Job geworden. Waso hat eine Camouflage-Jacke an. Ob es sich wirklich um ein Kostüm oder seine Winterjacke handelt, ist nicht eindeutig ersichtlich. In einen Klub wollen die Leverkusener eh nicht, „durch die Straßen ziehen“ ist ihr Plan.

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Gleich ein ganzes Einsatzkommando bilden Mason, Albert, Thusanth und Miguel. Sie haben die beliebte Weste mit Accessoires ergänzt: Handschellen, Cap und eine Waffenhalterung für das Bein. Trotz des Spielzeugwaffen-Verbots hat die kleine Einheit Feiernder täuschend echt aussehende Waffen dabei.

Aber die Vier haben Humor: „Bevor wir im Knast landen, schreiben wir lieber ‚Fake‘ darauf“, sagen sie und ziehen die Pistolen mit aufgeklebten Zetteln aus den Halftern: „Fake Gun“. Für einen Lacher bei Passanten sorgen sie auf jeden Fall.

Aber nicht nur die Möchtegern-Agenten werden in der Stadt kontrovers diskutiert. Auch Kostüme, die mit kultureller Aneignung in Verbindung gebracht werden, sind vielerorts nicht mehr gerne gesehen. „Indianer“-Verkleidungen sind fast nur noch an Kindern zu finden. Dafür strömt eine Gruppe von 35 auf Inuit anspielenden Kostümierten vom Hauptbahnhof aus in die Stadt. „Wir haben uns da keine Sekunde Gedanken zu gemacht“, erzählen Lukas und Tristan, die mit ihrer Gruppe vom Bodensee für den Sessionsauftakt angereist sind. Sollten sie irgendwo nicht erwünscht sein, gingen sie eben weiter, kommentiert Lukas schulterzuckend.

„Richtig Trash!“, ruft derweil Rosalie quer über die Domtreppen. Keine Beleidigung, sondern Bewunderung schenkt die junge Frau, eine von „Drei Engeln für Charlie“, einem jungen Mann, der in einer Mülltonne steckt. „Ein Bekannter hatte eine halbe Tonne übrig“, erzählt Daniel, auch aus Düsseldorf, als wäre es etwas ganz Normales. Mit längenverstellbaren Gurten hat er sich die abgesägte Tonne umgebunden. Die Aufmerksamkeit der Straßenkarnevalistinnen ist ihm damit sicher. Ein unpraktisches, aber kreatives Kostüm, das die Wirte vorab nicht auf ihrer Ausschlussliste hatten. Daniel dürfte so in eine Kneipe sicherlich trotzdem nicht hereinkommen. Die Tonne ist einfach zu sperrig.

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