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Kölner Psychologe über das Jahr 2020„Die Frage nach unseren Werten wurde aufgedrängt“

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Viele Menschen fühlten sich in der Krise durch die Maskenpflicht diskriminiert – und legten Einsprüche ein.

  1. Seit zehn Monaten wütet die Corona-Pandemie in Deutschland. Aktuell fordert sie mehr Todesopfer als je zuvor. Aber es gibt Hoffnung: 2021 könnte das Jahr der Impfungen werden.
  2. Wir haben Kölner Mediziner, Psychologen und weitere wissenschaftliche Beobachter zurück und voraus blicken lassen.
  3. In diesem Text blickt der Psychologe Peter Wehr darauf, wie 2020 uns kollektiv verändert.

Köln – Im Frühjahr waren wir verunsichert und angstgetrieben. Jetzt wissen wir sehr detailliert, wie wir uns schützen und das Virus eindämmen können. Einerseits hat das beruhigt und zu Routinen geführt. Andererseits haben wir im Verlauf des Jahres Verdrängungsprozesse zugelassen; insbesondere im Sommer mit dem großen Bedürfnis nach Kontakten und nach Normalität.

Im Herbst, mit den hohen Fallzahlen hat genau dies wider besseres Wissen zu den verlangsamten Entscheidungen und unklaren Maßnahmen geführt: vor allem dann, wenn persönliche Interessen sowie Profilierungsbedürfnisse, mit notwendigen, unpopulären Maßnahmen kollidierten.

Die Krise hat Missstände offenbart und bewusst gemacht

Wir könnten derzeit weitaus besser mit der Krise umgehen: mit wissenschaftsbasierten, klaren Entscheidungen, konsequenten Maßnahmen, die sehr transparent und eindeutig kommuniziert werden. Dabei sollten wir uns die traurigen Schicksale hinter den täglich steigenden anonymen Zahlen der an Corona verstorbenen Menschen vergegenwärtigen und uns davon berühren lassen. Und dann überlegen: wie viele Tote riskieren wir für unsere Gewohnheiten?

Peter Wehr

Wie nie zuvor haben wir erfahren, wie sehr alles und alle miteinander vernetzt sind. Die Krise hat Missstände offenbart und bewusst gemacht, sie hat den Menschen in den Mittelpunkt gerückt, in seiner ganzen Versehrbarkeit; und uns mit alledem die Frage nach unseren Werten aufgedrängt. Sie fordert die Verantwortung jedes Einzelnen, gleichermaßen für sich selbst und für Andere.

Das Leben wurde langsamer

Dieses Jahr feiere ich Weihnachten im ganz kleinen Rahmen. Das Treffen wird digital sein. Unserer Berliner Familie haben wir Päckchen gepackt. Das war sehr schön. Weil es uns auf eine besondere, andere Art im Vorhinein in einen weihnachtlichen Kontakt gebracht hat. Trotzdem wird es bei uns mit Baum weihnachtlich und entspannt.

Durch die Einschränkungen hat sich mein Leben deutlich verlangsamt; es sind Zeiträume entstanden. Dadurch hat sich die Wahrnehmung auf mich, auf das derzeitige Leben, auf die Natur geschärft, auf die Frage, was ist wirklich wichtig.  Ich habe festgestellt, wie sehr ich mich auf die Begegnung mit Freunden, im kleinen Rahmen, gefreut habe, wie Kontakte an Tiefe gewonnen haben, wie wichtig mir die Beziehungen sind. Was sonst selbstverständlich war, ist nun etwas Besonderes geworden, und etwas Schützenwertes. 

  1. Uniklinik-Chef Edgar Schömig
  2. Gerhard Wiesmüller vom Gesundheitsamt
  3. Infektiologin Clara Lehmann
  4. Psychologin Damaris Sander
  5. Arzt Jürgen Zastrow
  6. Apotheker Thomas Preis