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Laufstrecke im Kölner StadtwaldEndlich gefunden: Die Waldohreule

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In Junkersdorf heimisch: Diese Waldohreule wohnt mit ihren Artgenossen in einer Konifere in der Hildebertstraße.

Köln – An der Jahnwiese im Schatten des Stadions hat die Waldohreule noch keiner gesichtet, dennoch beschäftigt sie die Politiker und die Jogger rund um den Adenauerweiher seit Jahren. Einen Kunsthorst an anderer Stelle will man ihr spendieren, damit sie sich nicht durch geplante beleuchtete Joggingstrecke gestört fühlt. 7000 Euro haben die Gutachten gekostet.

Einen knappen Kilometer Luftlinie entfernt, in der Junkersdorfer Hildebertstraße, kann Thomas Kralicek darüber nur lachen. Wenn er in der Dämmerung die Haustüre aufschließt, fühlt er sich von ihnen begrüßt. Die Waldohreulen von Junkersdorf gehen auf die Jagd.

In der Hildebertstraße sprechen die Nachbarn schon seit Monaten von der Eulen-Gang. Es sind rund zehn bis 15 Tiere, die sich morgens und abends sammeln, lautlos durch die kahlen Äste schwingen. Meist fliegen sie Richtung Stadtpark. Manchmal jagen sie aber auch in den Gärten rings um das Haus der Kraliceks. „Wenn ich so um 23 Uhr im Wohnzimmer sitze, höre ich die typischen Hu-Huuh-Rufe.“ Die Eulen sitzen auf den unteren Ästen der Bäume, plötzlich stoßen sie in die Wiese, wieder eine Feldmaus weniger.

„Angeblich hat die Forschergruppe der Laufstrecke am Adenauerweiher keine Ahnung, wo die Eulen leben – nun, zehn sind schon mal hier.“ Hier, das ist die Konifere vor Kraliceks-Haus. Und, wenn Eulenforscher fürchten, dass die Tiere sich vom Licht belästigt fühlen, kann das auf die Junkersdorfer Eulen nicht zutreffen: Direkt neben der Konifere stehen Straßenlaternen, die alles ausleuchten. Familie Kralicek hat ein Schild mit der Aufschrift „Eulen-WG“ an den Baum genagelt. Und ein paar Informationen zusammengetragen: Offensichtlich gibt es nur noch 32 000 Paare in ganz Deutschland. Jede Eule verspeist vier Mäuse täglich – da gibt es in Junkersdorf wohl Nahrung genug. Die Waldohreulen werden etwa 40 Zentimeter groß und bauen keine eigenen Nester, sondern nisten in verlassenen Nestern anderer Vögel. „Wir haben hier auch Elstern und Amseln, auch in der Konifere“, sagt Kralicek.

Sechs Eulen wurden schon fotografiert

Zuerst habe die Familie nur zwei Eulen gesehen. „Weil sie Jäger sind, haben wir ihnen Namen gegeben, Bonnie und Clyde.“ Wer sich direkt unter der Konifere stellt und nach oben schaut, kann die Tiere gut sehen. Wie dicke Tannenzapfen sitzen sie da, tagsüber schlafend, sachte bewegt vom Wind. Weil der Baum sehr nah am Haus steht, lassen sich die Eulen auch vom Kinderzimmer und Dachgeschoss im Baum hockend hautnah beobachten. „Bis zu acht Tiere haben wir hier schon zeitgleich sitzen sehen. Manche starren nur mit ihren leuchtend orangefarbenen Augen zurück und wirken ungehalten wegen der Störung, andere fliegen genervt auf das Dach gegenüber.“ Sechs verschiedene Tiere konnten die Kraliceks schon fotografieren – und die Töchter Valentina (14) und Viviane (6) haben ihnen Namen gegeben, neben Bonnie und Clyde wohnen im Baum Cosmo und Wanda sowie Artemis und Fowl. „So richtig wiedererkannt haben wir sie nicht. Aber man kann schon sehen, dass manche Eulen Jungtiere sind und andere nicht“.

Angefangen habe alles im Frühsommer. „Wenn wir draußen im Garten saßen, hörte man bis etwa Mitternacht grelle Vogel-Schreie. Heute weiß ich: Das war eine Babyeule, deren Eltern auf Mäusejagd waren.“ Genervt schlossen die Nachbarn die Fenster – junge Babyeulen schreien durchdringend, zwischen 22 Uhr und Mitternacht. Sie hören erst auf, wenn die Eltern-Eulen von der ersten Jagdschicht mit Frischfutter heimkommen. „Irgendwann im August hörte das Geschreie auf und wir haben uns nichts mehr dabei gedacht“.

Im Herbst war das Fahrrad seiner Frau von oben bis unten mit Vogeldreck verschmutzt: „Das muss ein Monstervogel sein, haben wir gedacht“. Bis sie eines Morgens wütend den Vogeldreck-Verursacher mit Klatschen und Rufen aus dem Baum scheuchen wollten – heraus schwebte majestätisch und lautlos eine Eule, eine Waldohreule.

Inzwischen weiß Kralicek, dass die Eulen in der Konifere überwintert haben. Vermutlich waren auch etliche Kurz-Zieher darunter, Eulen, denen es in Schweden oder Polen im Herbst zu ungemütlich geworden war. „Abends oder im morgendlichen Zwielicht huschen bis zu zehn Tiere aus dem Baum“, so Kralicek. Sie sammeln sich gegenüber auf den kahlen Ästen der Nachbarbäume. „Mal sehen, wie der Sommer wird. Vielleicht nistet ja wieder ein Eulenpaar bei uns.“