Der neue Lebenslagenbericht zeigt Fortschritte bei der Bildung. Doch weniger Ausbildungsplätze und mehr Langzeitarbeitslose drohen die soziale Spaltung zu vertiefen.
Lebenslagen-Bericht KölnBessere Kitas, schlechterer Arbeitsmarkt – So driftet Köln weiter auseinander


Der Lebenslagenbericht der Stadt Köln zeigt die alarmierende Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt auf (Symbolbild).
Copyright: Alexander Schwaiger
Es ist nicht alles schlecht, was im mehr als 400 Seiten starken zweiten Kölner Lebenslagenbericht steht. In großer Detailtiefe beschreibt er, wie die Menschen in dieser Stadt leben, lernen und arbeiten, wie hoch die Wirtschaftskraft ist und wie es um den Wohnraum bestellt ist.
Arbeitsmarkt entscheidet über sozialen Frieden in Köln
Bei den Bildungs- und Betreuungsangeboten hat Köln Fortschritte gemacht. Die Ganztagsquote an Grundschulen ist gestiegen, ebenso die Versorgung mit Kita-Plätzen. Auch der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die an Regelschulen unterrichtet werden, hat zugenommen. Doch was nützen bessere Startchancen, wenn am Ende des Bildungswegs die Türen in den Arbeitsmarkt trotzdem verschlossen bleiben?
Zwischen 2019 und 2024 ist die Zahl der Ausbildungsstellen in Köln um 19 Prozent zurückgegangen. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen nahm um 24 Prozent zu. Diese bedenkliche Entwicklung verschärft die soziale Spaltung einer Stadt, in der die Lebensrealitäten ohnehin weit auseinanderliegen. Wer eine Ausbildung findet oder einen sicheren Arbeitsplatz hat, kann steigende Mieten und andere Belastungen eher abfedern und sich womöglich auch aus schwierigen Verhältnissen herausarbeiten. Wer dagegen keinen Ausbildungsplatz findet und in die Langzeitarbeitslosigkeit abrutscht, hat es ungleich schwerer: kein sicheres Einkommen, kaum Rücklagen, wenig Perspektive auf Verbesserung.
Der Arbeitsmarkt entscheidet deswegen mit darüber, ob sich die krassen sozialen Unterschiede in Köln weiter verschärfen oder verringen.
Die Stadt kann zwar nicht allein dafür sorgen, dass Unternehmen mehr Ausbildungsplätze schaffen oder die Konjunktur wieder anzieht. Sie kann aber verhindern, dass junge Menschen nach der Schule aus dem Blick geraten. Genauso wichtig ist es, Köln als Wirtschaftsstandort attraktiv zu halten – denn nur wenn Unternehmen hier investieren und wachsen wollen, entstehen überhaupt die Ausbildungs- und Arbeitsplätze, die die Stadt so dringend braucht.

