Lindenthal – Es gibt zwar Bezirke in Köln, in denen weit mehr Straftaten registriert werden als in Lindenthal. Dennoch macht die Zunahme der Wohnungseinbrüche der Polizei im Kölner Westen große Sorgen. 52 Mal wurden die Beamten alleine in Junkersdorf in diesem Jahr (Stichtag ist der 24. Juli) bereits wegen Delikten dieser Art gerufen. Im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres waren es 31, also 21 weniger. Auch in Müngersdorf stieg die Zahl der Einbrüche (ebenfalls gerechnet für die ersten sieben Monate des Jahres). Dort von neun auf 19, in Widdersdorf von 21 auf 33 und in Weiden von 33 auf 42.
Auch um diese unliebsame Entwicklung zu besprechen, besuchte der Leiter des Bezirks- und Schwerpunktdienstes in der Polizeiinspektion (PI) West, Matthias Ferring, jetzt ganz offiziell die Lindenthaler Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Freker. Mitgebracht hatte Ferring eine neue Kollegin, die Polizeioberkommissarin Susanne Kühr. Sie ist nun Bezirksbeamtin in Weiden-Süd.
Darauf sollten Bürger achten
Ferring machte im Bezirksrathaus zunächst noch einmal deutlich, worauf die Bürger achten sollen, um ihr eigenes Heim zu schützen und das ihrer Nachbarn aufmerksam mit im Blick zu haben. Besonders, wenn diese verreist sind. „Schwachstellen sind in den meisten Fällen die Rückseiten der Häuser, weil sie nicht gut einsehbar und Fenster und Türen schlecht gesichert sind. Die werden dann gerne aufgehebelt. Das geht sehr schnell“, schilderte Ferring und ergänzte: „Die Täter probieren kurz, entweder es gelingt ohne großes Aufsehen einzudringen oder sie gehen weiter und bearbeiten die nächste Tür, das nächste Fenster.“ Ferring betonte: „Wir helfen gerne, die bestehenden Sicherungen zu überprüfen. Gegebenenfalls raten wir dann zu technischen Verbesserungen. Jeder Bürger kann uns bei Fragen ansprechen.“ Und wenn einem mal etwas ganz komisch vorkommt: „Scheuen Sie sich nicht, die 110 anzurufen. Wir sind für die Bürger da“, appellierte Ferring eindringlich.
Gerne wäre er mit seinem Personal auf den Straßen noch präsenter. „Wir bräuchten mehr Beamte für Observierungen und Patrouillen. Zu oft aber sind die Kollegen in Großeinsätzen gebunden.“ Beispielsweise bei Fußballspielen, Konzerten und Demonstrationen. Mehr Personal im Polizeidienst sei aber auch eine Kostenfrage. Und so ist Ferring schon froh, dass man auf Landesebene zwischenzeitlich reagierte und gegenwärtig 1400 neue Beamte pro Jahr in den Dienst schickt. Und von denen sind fast die Hälfte Frauen.
Als Susanne Kühr 1989 zur Polizei ging, sah das ganz anders aus. Und zehn Jahre später, 1999, war sie dann Kölns erste Bezirksbeamtin. „Um mich herum gab es nur Männer“, erzählte sie Blömer-Frerker und deren Stellvertreter Roland Schüler. Seitdem war sie bis zu ihrem Wechsel jetzt nach Weiden auf der Wache Eigelstein eingesetzt.
Nun verstärkt sie das zwölfköpfige Team von Ferring. „Weiden ist komplett anders als der Eigelstein“, hat die 41 Jahre alte Susanne Kühr schon festgestellt, „am Eigelstein sind den ganzen Tag über viele Menschen von auswärts unterwegs. In Weiden sind es meistens die Bewohner des Veedels. Menschen, die man im besten Fall alle kennt.“
Ihre Freizeit verbringt die Pulheimerin am liebsten mit ihrem Lebenspartner. Gemeinsam kümmern sie sich um fünf Haustiere, drei Katzen und zwei Hunde. Die seien aber alles andere als Polizeihunde, versichert sie, lacht und ergänzt: „Die sind schon speziell, aber nicht speziell ausgebildet.“
In ihrem neuen Einsatzgebiet hat sich Kühr bereits gut bekannt gemacht. Sie hat sich beim Seniorennetzwerk Weiden vorgestellt, im Jugendzentrum Ostlandstraße kennt man sie bereits, im Rhein-Center und drumherum ebenso. „In den Augen der Bürger geben wir der Polizei ein Gesicht, sind den Leuten bekannt, erste Ansprechpartner, im besten Fall Vertrauens- und Respektsperson“, schildert sie die zentrale Aufgabe eines Bezirksbeamten.
Arbeit vor den Schulen
Blömer-Frerker und Schüler hatten auch direkt eine Bitte an Kühr. Zum einen wünschen sich beide einen Ortstermin vor der Grundschule Breslauer Straße, um auszuloten, ob dort nicht wieder eine elektronische Anzeigetafel aufgestellt werden kann, die den Autofahrern deutlich macht, wenn sie zu schnell fahren. „Machen wir“, meint Kühr ohne Umschweife. Denn sie freut sich ohnehin besonders auf die Arbeit vor den Schulen, wenn erst die Sommerferien vorbei sind. „Dann werden ich und meine Kollegen wieder mit der Aktion Denk- und Dankzettel an die Autofahrer appellieren, im Umfeld von Schulen besonders vorsichtig zu fahren.“
Die Arbeit in der Verkehrserziehung – der Autofahrer ebenso wie der Kinder – macht Polizeihauptkommissar Herbert Stenzel ebenfalls große Freude. Er war der dritte Besucher im Bunde. Und das, obwohl er krank geschrieben ist. Bei einem Einsatz hatte sich eine Frau gegen die Polizeikräfte zur Wehr gesetzt. Sie schüttete kochendes Wasser in Richtung der Polizeibeamten. Stenzel versuchte, dies mit der rechten Hand abzuwehren und trug Verbrennungen davon, die nun ausheilen müssen, bevor er wieder seinen Dienst als Bezirksbeamter antreten kann.
Den hat er viele Jahre in Müngersdorf absolviert. Klein und Groß kennen ihn als den Schutzmann vor der Grundschule Wendelinstraße. Doch in der Zwischenzeit hat der gebürtige Kölner das Revier gewechselt. Auch er ist nun im Team von Ferring und macht Dienst in Weiden.