Vizekanzler besucht GeißbockheimRobert Habeck gibt dem 1. FC Köln Krisen-Tipps

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Philip Türoff (v.l.n.r.), Robert Habeck und Werner Wolf mit Kölsch

Philip Türoff (v.l.), Robert Habeck und Werner Wolf mit Kölsch

Vizekanzler Robert Habeck machte auf seiner Sommerreise einen Stopp beim 1. FC Köln. Es ging auch um Parallelen von Sport und Politik.

Vizekanzler Robert Habeck stoppte auf seiner Sommerreise im Geißbockheim. Auf der Terrasse des Klubhauses empfing der FC-Vorstand den Bundeswirtschaftsminister. FC-Geschäftsführer Philip Türoff fragte im Gespräch mit Habeck nach Tipps zum Bewältigen von Krisen. „Krise ist ein Arbeitsauftrag, sich wieder herauszukämpfen“, sagte Habeck.

Zum Abstieg des FC in die zweite Liga sagte der Vizekanzler: „Wenn die Dinge nicht gut laufen, dann muss man sich ihnen halt annehmen.“ Die Kölner sollten kein Selbstmitleid haben.

Robert Habeck hob die Bedeutung des Engagements ehrenamtlicher Fußballtrainer für die Gesellschaft hervor, wobei er sich eindeutig mehr als Handball- denn Fußball-Fan outete. Seine Kinder spielten Handball, daher schöpfe er mehr aus seinen Erfahrungen mit diesem Sport, erzählte Habeck. In jedem Fall finde Identitätsbildung statt. „Den Kindern beizubringen, dass man erfolgreicher ist, wenn man den Ball abgibt, ist schon fast eine politische Metapher“, sagte er. „Das lernt man im Verein.“

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Robert Habeck rät FC-Chef Philipp Türoff, mehr Verantwortung zu übernehmen

Türoff setzte im Gespräch vor Anpfiff des EM-Halbfinales weiter auf die Parallelen von Sport und Politik, von seinem Job und dem Habecks. Wie der Wirtschaftsminister damit umgehe, dass seine Entscheidungen nicht immer Einfluss auf den Ausgang von Dingen haben, wollte Türoff wissen. Darauf ließ sich Habeck nicht ein: „Ich bin im Gegenteil überrascht, wie groß die Verantwortung ist.“ Es sei erstaunlich, wie sich Theorie in Praxis übersetze. „Die Beschreibung, man steht am Spielfeldrand und kann die Dinge nicht beeinflussen, würde ich nicht unterschreiben“, sagte Habeck.

Robert Habeck (links) guckte mit seinem Team das EM-Halbfinale im Geißbockheim.

Robert Habeck (links) guckte mit seinem Team das EM-Halbfinale im Geißbockheim.

Türoff nutzte den Moment, um die Gesetze zum Mindestlohn zu kritisieren. Der 1. FC Köln habe Probleme, seine Helfer vor allem in der Jugendarbeit für einen Teil ihrer Arbeit korrekt zu entlohnen. Vergangenes Jahr musste der FC Bayern wegen Verstößen gegen dieses Gesetz 200.000 Euro nachzahlen. Einer Geldstrafe sei der FC knapp entkommen, sagte Türoff. Das Regelwerk verursache einen „Riesenaufwand“, sagte FC-Präsident Werner Wolf. Der Vizekanzler reagierte sichtlich überrascht: „Das ist für mich Neuland, ich nehme den Hinweis mit.“

FC-Funktionäre geben Robert Habeck Kritik an Mindestlohngesetz mit

In anderer Sache bot der Wirtschaftsminister spontan seine Hilfe an. Die FC-Funktionäre erwähnten ihren bislang erfolglosen Plan, das Geißbockheim auszubauen. Es gilt als unwahrscheinlich, dass er gelingt, da ihnen die politische Mehrheit fehlt. Habeck sagte: „Ich kenne ein paar Leute in der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Wenn sie mir also noch Hinweise geben, dann nehme ich sie gerne mit.“

Es war der Wunsch des Vizekanzlers, zum ersten Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft im Geißbockheim einzukehren. Er machte auf seiner Sommerreise zu Unternehmen und Vereinen im Land Stopp in Bonn. Sicherlich gab es bei der Planung noch die Hoffnung, Deutschland stünde an diesem Abend auf dem Platz in München, nicht Spanien gegen Frankreich. Für welchen Fußballklub er nun fiebert, verriet Habeck nicht. Der Norddeutsche tröstete Werner Wolf jedoch: „Seien Sie froh, dass Sie nur Präsident des 1. FC Köln sind und nicht vom HSV.“ 

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