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Festakt in KölnMüngersdorfer Friedhof offiziell zum  Denkmal erklärt

Seit 153 Jahren werden auf dem Müngersdorfer Friedhof Verstorbene bestattet. Jetzt steht er unter Denkmalschutz. Dafür hatte sich der Bürgerverein eingesetzt.

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Zwei Männer und eine Frau zeigen eine rote Infotafel, die den Müngersdorfer Friedhof als Denkmal ausweist.

Bezirksbürgermeister und Müngersdorfer Roland Schüler, Hildegard Jahn-Schnelle und Kurt Schlechtriemen vom Bürgerverein Müngersdorf präsentieren die neue Infotafel vor dem Hauptkreuz des Friedhofs Müngersdorf.

Kölsche Originale, Geistliche, Künstler und Dorfprominenz sind auf dem Müngersdorfer Friedhof vereint. Hildegard Jahn-Schnelle, Ehrenvorsitzende des Bürgervereins Müngersdorf, kann bei einem Spaziergang vor Ort viel über die Gräber und die Verstorbenen erzählen. Wichtig ist gerade aber vor allem das vier Meter hohe „Hauptkreuz“ in der Mitte der Anlage. Denn dort wird nun eine neue Informationstafel angebracht. Sie weist den Friedhof nunmehr als Denkmal aus. Die Stadt Köln hat ihn unter Denkmalschutz gestellt. Zur Feier dieses Ereignisses, sind Lokalpolitiker vor Ort, Vertreter des Amtes für Denkmalschutz und der Machbarschaft „Petershof“, eine Abordnung des benachbarten Verbandes der islamischen Kulturzentren (VIKZ) und eine der katholischen Kirchengemeinde St. Pankratius. Ihr Gemeinderat initiierte den Bau des Friedhofs im Jahr 1873, nachdem der Kirchhof im Ort zu klein geworden war.

Friedhof ist jetzt auch Teil des Kulturpfads

150 Jahre danach, im Jahr 2023, organisierte der Bürgerverein eine große Feier anlässlich des Jubiläums: „Bei den Vorbereitungen haben wir feststellen müssen, dass es für unsere Müngersdorfer Begräbnisstätte keinen Denkmalschutz gab“, schildert Jahn-Schnelle. Der Verein wandte sich ans Denkmalamt und bekam Unterstützung. Bei der Feier bedankt sich die Ehrenvorsitzende bei Sachbearbeiter Patrick Führer für „das fachkundige und engagierte Verfahren“.

Und der stellvertretende Stadtkonservator Reinhard Köpf lobt das Engagement des Bürgervereins. Der Denkmalschutz sei ein öffentliches Interesse, betont er, eines der Gemeinschaft. Das neue Denkmal ist jetzt zugleich die 19. Station des Kulturpfads Müngersdorf. Darüber informiert die neue Tafel am Hauptkreuz.

Ein großer Grabstein mit einer eingelassenen Heiligenfigur steht auf einem Friedhof.

Grab der Familie Päffgen auf dem Friedhof Müngersdorf

Das Kreuz selbst wurde beim Bau des Friedhofs von vier Geschwistern der Familie Päffgen gespendet, die in Müngersdorf einen Gutshof, den „Kirchenhof“, besaßen. Im Gegenzug erhielten sie vier Gräber. Und so erinnert heute noch ein mächtiger Grabstein aus Granit mit einem Herz-Jesu-Relief aus weißem Marmor an die Familie. Auf dem Stein prangen aber zuvorderst die Familiennamen „Keller“ und „Barz“. „Der damalige Hoferbe August Päffgen meldete sich freiwillig im Ersten Weltkrieg zum Kampf für das Vaterland und fiel“, erklärt Kurt Schlechtriemen vom Bürgerverein Müngersdorf. Erbin sei dann die Tochter gewesen, die verheiratet war und mit Nachnamen Keller hieß. Danach hätte eine Frau Barz geerbt.

Familien aus Müngersdorf lieferten sich Wettlauf um das schönste und größte Grabmal

Jahn-Schnelle kennt die Bedeutung der Grabmale für das Dorf: Wer hat den größten und schönsten Grabstein? Die Frage habe bei den Müngersdorfern eine Rolle gespielt, erzählt sie. Der Wettbewerb lief vor allem unter den wohlhabenden ortsansässigen Land- und Gastwirten, die im Dorf zahlreich zu Hause waren. Engel und Christusfiguren thronen mit oder ohne Kreuz auf hohen Sockeln und erinnern an die bekannten Familien. Auch Müngersdorfer Geistliche wurden auf dem Friedhof bestattet: Pfarrer Laurenz Thissen, verstorben im Jahr 1897, trug einst zum Bau der Kirche St. Vitalis bei.

Ein breites Kreuz aus Stein steht auf einer Grabstätte.

Das Grabmal des Architekten Rudolph Schwarz und seiner Frau Maria

Ein großer dunkelgrauer Basaltstein, mit einem Relief, das ein Kreuz, einen Kranz und eine Weinrebe zeigt, steht hinter den Gräbern seiner Amtsnachfolger: Peter Joseph Sauren und Leo Ditges, ein Müngersdorfer Original und bekannter Seelsorger. Aufgrund seiner Vorliebe für Hochprozentiges wurde später vom ortsansässigen Gastwirt Matthias Nelles ein Schnaps nach dem Pfarrer benannt: der „Ahle Ditges“. Ein eleganter Grabstein mit einem ausgelassenen Kreuz in der Mitte erinnert an den Schriftsteller Erich Kock. Ein großes Kruzifix mit einer besonders schönen Christusfigur schuf der bekannte Bildhauer Joseph Jaekel in Gedenken an seine Eltern und Geschwister. Den Wettbewerb um den schönsten Grabstein hat aber wohl der Architekt Rudolph Schwarz gewonnen: Mit seiner Frau Maria ruht er unter einem mit einer Inschrift überzogenen dicken Kreuz, aus hellem Stein, das mit seinen gleichlangen kurzen Armen besonders harmonisch wirkt.