Kommentar zum Schutz des OrtsbildesWarum hält die Stadt Köln sich in Müngersdorf nicht an die Regeln?

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Eine Häuserreihe in Köln-Müngersdorf.

Das „Pesche Hüsje“ (l.) prägt das dörfliche Erscheinungsbild; der Backsteinbau (M.) soll abgerissen werden.

Das alte Ortsbild in Müngersdorf gilt als besonders schützenswert. Die Stadtverwaltung scheint dies anders zu sehen. Ein Kommentar.

Die Stadt Köln stellt Regeln auf – an die sie sich dann selbst nicht hält. Dieses paradoxe Verhalten können die Bürger gerade am Beispiel einiger Neubauten erleben: In Müngersdorf schützt eine Erhaltungsordnung bereits seit den 80er-Jahren den alten Ortskern, der vor allem durch das Miteinander der kleinen sehr alten Häuschen bestimmt wird. Sie prägen das dörfliche Erscheinungsbild des Viertels und erzählen ein Stück Stadtgeschichte.

Dass der Stadtrat das Müngersdorfer Häuschen-Ensemble als schützenswert erachtet und mit der Erhaltungssatzung unter Schutz gestellt hat, ist also absolut nachvollziehbar. Nicht zu verstehen ist, warum die Stadtverwaltung nun sukzessive Abbrüche und Neubauten erlässt, die dieses zerstören.

Häuschen am Lövenicher Weg in Müngersdorf wurde abgebagert

Zunächst durfte das Jahrhunderte alte Häuschen am Lövenicher Weg abgerissen und durch einen vierstöckigen Neubau ersetzt werden. Es war zwar aufgrund baulicher Veränderungen aus dem Denkmalschutz gefallen, prägte aber mit seiner Lage einer prominenten Ecke im Ortskern diesen ganz besonders. Nun wird möglicherweise das Pesche Hüsje, eines der ältesten Fachwerkhäuschen Kölns, von einem mehrstöckigen Neubau völlig zugestellt.

Das ist nicht nur deswegen bedenklich, weil das erhaltenswerte Erscheinungsbild eines Viertels zerstört wird. Eine Stadt, die sich an ihre eigenen Regeln nicht hält, ist ein schlechtes Vorbild für ihre Bürger. Eine Verwaltung, die die Satzungen nicht umsetzt, die die Politik verabschiedet, lässt sie zudem daran zweifeln, ob die Demokratie in der Stadt wirklich funktioniert.

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