Die Platane darf bleiben. Der jahrelange Streit um eine Denkmalsanierung hat Vertrauen in die Baumschützer gekostet, findet unsere Autorin.
Baumschutz-StreitJahrelanger Machtkampf schürt Zweifel an echten Interessen

Dicht am Bahnhof wächst die umstrittene Platane, die im Zuge des eskalierenden Streits sogar Opfer eines Brandanschlags wurde.
Copyright: Susanne Esch
Operation gelungen, Patient tot. Die Baumschützer haben alle Register gezogen und sich durchgesetzt, doch ihrem Anliegen geschadet. In der Regel ernten sie viel Sympathie, wenn sie wertvolle Gewächse retten, gerade in Zeiten des Klimawandelns, im vorliegenden Fall aber eher Empörung.
Streit um Platane: Machtkampf statt Baumschutz?
Denn der jahrelange, Steuergelder verschlingende Kampf um einen einzelnen Baum, der ein Gebäude nationaler Bedeutung bedroht, hinterlässt Zweifel, ob es im Kern überhaupt um Baumschutz geht oder ob sich der Machtkampf nicht längst zum Selbstzweck verselbständigt hatte.
In der Stadt müssen regelmäßig stattliche Bäume Bauvorhaben weichen, ohne dass es großen Protest auslöst. Schließlich gilt: Baurecht bricht Baumrecht. Bei der Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes sieht es plötzlich anders aus, weil ein Überbleibsel seines aus der Form geratenen grünen Beiwerks zufällig im Landschaftsschutzgebiet steht. Da hat man einen Anpack – und Baumschutz wird zur Wichtigtuerei. Es gehe ums Prinzip, stellte der BUND klar.
Doch, wenn man ein Exempel an einer Stelle statuiert, wo Menschen den Sinn nicht verstehen, der über reine Ideologie hinausgeht, büßt man Vertrauen in der Gesellschaft ein und zahlt einen hohen Preis.
