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Von Sülz nach Kalk? Streit um Autonomes Zentrum Köln – Mieter haben Angst vor Verdrängung

Das Bild zeigt die Mieter des Hauses „In den Reihen 16“ vor dem Historischen Rathaus.

Sorgen sich um ihre Räume: Mieter aus dem Gebäude „In den Reihen 16“ und ein Vertreter des Autonomen Zentrums vor dem Historischen Rathaus. 

Zieht das Autonome Zentrum wirklich von Sülz nach Kalk? Und wenn ja, was passiert mit den bisherigen Mietern dort? Sie haben Angst – und die Stadt stellt klare Bedingungen für ihre Hilfe.

Viele aktuelle Mieter des geplanten neuen Standortes für das Autonome Zentrum (AZ) in Kalk fühlen sich von der Stadtverwaltung übergangen. Beispielsweise sagt Künstlerin Stefanie Popp: „Seit Wochen wird über die Pläne für unser Gelände nur über uns hinweg gesprochen.“ Sie ist laut eigener Aussage seit 2011 Mieterin in dem Haus in der Straße „An den Reihen 16“. Insgesamt sind dort laut Stadt 40 Mieter untergebracht.

Deshalb wollte ein knappes Dutzend von ihnen jetzt Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) ein Papier übergeben, in dem sie sich persönlich vorstellen. So wollten sie ihre Angst schildern, verdrängt zu werden, weil die Stadt das AZ vom Standort an der Luxemburger Straße nach Kalk verlegen will. Die Mieter kamen aber im Historischen Rathaus nicht bis zur OB, weil sie keinen Termin hatten.

Das Bild zeigt das Autonome Zentrum im Vordergrund, dahinter steht das Historische Archiv.

Seit 2015 ist das Autonome Zentrum an der Luxemburger Straße beheimatet. 

Die Verwaltung bezeichnete gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ die Bedenken als verständlich, sie steht laut eigener Aussage mit allen Nutzern in Kontakt. Eine Sprecherin teilt mit: „Im Laufe der Zeit werden sich die Möglichkeiten konkretisieren, sodass die Mieterinnen und Mieter frühzeitig entsprechend informiert werden können.“

Bei der Suche nach Alternativstandorten werde die städtische Wirtschaftsförderung-Gesellschaft die Mieter unterstützen, dafür stellt die Stadt aber den Mietern ziemlich unverblümt klare Bedingungen. „Ein guter Umgang miteinander ist eine wichtige Voraussetzung für die Findung dieser Alternativen.“

Seit 2015 nutzt das AZ Gebäude samt Fläche an der Luxemburger Straße für sein Angebot aus Kunst, Kultur, Bewegung und linker Politik. Doch die Häuser sollen abgebrochen werden, weil an der Stelle das geplante Stadtentwicklungsprojekt „Parkstadt Süd“ umgesetzt werden soll. Nur bis Ende 2023 soll das AZ dort noch bleiben können.

Tatsächlich will das AZ laut Aussage einiger Vertreter nicht nach Kalk ziehen, wenn dadurch bisherige Mieter verdrängt werden. Beispielsweise sagt Tito vom AZ: „Es kann nicht sein, dass Menschen auf die Straße gesetzt werden, nur damit die Stadtverwaltung ein anderes Problem gelöst bekommt.“

Das Bild zeigt Häuser an der Straße „In den Reihen 16“ von oben aufgenommen.

Neue Heimat für das AZ? Die Stadtverwaltung will in Kalk das AZ unterbringen.  

Die Frage des Umzuges ist heikel, weil das AZ schon einmal an einem anderen Standort in Kalk war, bevor es an die Luxemburger Straße umgezogen ist. Damals drohten gewaltsame Konflikte mit der Polizei, weil das AZ sich verbarrikadiert hatte. Im letzten Moment kam es zu einer Einigung.

Doch AZ und viele der Mieter können sich nun vorstellen, dass Gebäude „In den Reihen 16“ gemeinsam in Erbpacht von der Stadt zu übernehmen. Musikerin Saskia von Klitzing sagt: „Das ist finanziell durchaus machbar und wäre die ideale Lösung.“ Umgekehrt heißt das aber auch: Das AZ nähert sich dem Umzug an, wenn die bisherigen Mieter nicht verdrängt werden.

Busunternehmen Piccolonia nicht begeistert von Umzug

Die Stadt plant, das Gelände „In den Reihen 16“ zu teilen. Auf der einen Hälfte soll das sogenannte sozio-kulturelle Zentrum für das AZ entstehen, die andere Hälfte hat die Stadt dem schon dort ansässigen Busunternehmen Piccolonia zum Kauf angeboten.

Doch dessen Geschäftsführer Markus Klein ist davon nicht besonders angetan, eigentlich wollte er das gesamte Areal schon vor zwei Jahren kaufen. Das derzeitige Verkaufsangebot der Stadt über die Hälfte nennt er „nicht umsetzbar“. Klein bezeichnet sein Unternehmen unter anderem wegen der barrierefreien Busse als systemrelevant. „Wenn wir hier nicht bleiben können, muss ich Köln verlassen.“