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„Künstliche Empathie“Kollektiv zeigt Videos auf Baustelle in Köln-Sülz

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Eine Frau im schwarzen Mantel mit langem blonden Haar steht an einem Baustellenzaun. Dahinter prangt ein Plakat mit der Aufschrift Frontal-Kunst im Schaufenster.

Agii Gosse steht an der Baustelle vor der Galerie des Vereins 68elf am Gottesweg.

Der Kunstverein 68elf  bespielt unter dem Titel „Frontal“ zur Zeit per Videokunst den Baustellentunnel vor seinem Ausstellungsfenster in Sülz.

Meister Yoda grüßt Passanten derzeit am Gottesweg: „Möge die Macht mit Dir sein“, leuchtet es derzeit vom Bildschirm im Schaufenster neben dem planen-behangenen Gerüst am Gottesweg. Weil die Galerie an der Hausnummer 102 monatelang nicht zugänglich ist und das Ausstellungsleben dort nun quasi auf einer Baustelle stattfinden muss, hat sich der Kunstverein 86elf ein besonderes Format ausgedacht: Während die GAG ihren Gebäudekomplex saniert, bespielen die Künstler und Künstlerinnen das Galeriefenster im Baustellentunnel unter dem Titel „Frontal“, mit einer Art Schaufenstervideoshow.

Eine Meister-Yoda-Figur ist auf einem Bildschirm zu sehen.

Meister Yoda erscheint im Video auf dem Bildschirm im Ausstellungsfenster.

„Die Fußgänger und Fußgängerinnen können so im Tunnel Kunst begegnen“, sagt die Vereinsvorsitzende Agii Gosse. In dem ungewöhnlichen Setting könne sie ihre besondere Kraft zeigen, eine Gegenposition zur Baustelle beziehen, mit ihr spielen, intervenieren oder für Erstaunen sorgen. Die Vereinsmitglieder, die in Bereichen Pop-Art, Installation, Performance, Fotografie, Malerei und Plastik sehr unterschiedlich aufgestellt sind, haben dafür gemeinsam einen neuen künstlerischen Pfad beschritten: den der Videokunst. Auf einem Bildschirm ist pro Ausstellung ein selbstgedrehter und geschnittener Film in Dauerschleife zu sehen, versehen mit Untertiteln. Auf einem weiteren Monitor gibt es Erläuterungen dazu.

„Künstliche Empathie“ heißt das gemeinsame Projekt am Gottesweg

Als Auftakt haben fünf Künstler und Künstlerinnen Christiane Rath, Suku Meyer-Landrut, Christine Pohlmann, Agii Gosse und Georg Schnitzler als „Freiwilliges Zwangskollektiv“ (FZK) ein Video mit dem Titel „die Empathie-Zentrale“ kreiert, das sie aus unterschiedlichen Szenen zusammengeschnitten haben, und das sich mit „künstlicher Empathie“ beschäftigt. „Wir haben uns ein Jahr auf das gemeinsame Projekt vorbereitet“, erzählt Gosse, „und uns dabei gefragt, was uns allen wichtig ist. Die Antwort war immer: Empathie.“ Dazu habe man dann die Künstliche Intelligenz befragt, die ja eigentlich keine Gefühlsregungen kennt. Die Ergebnisse waren erstaunlich „künstlich empathisch“.

„Die KI gibt doch sehr freundliche Antworten und jeweils andere, je nachdem wer fragt, als ob sie sich auf die fragende Person einstellt,“ erzählt Gosse. Die Frage: Mir geht es nicht gut. Was soll ich machen? beantwortete die KI einfühlsam mit: „Ich verstehe, dass Du Dich in einer schwierigen Situation befindest.“ Christiane Rath erfragte, ob sie in einer Szene eine Süßkartoffel mit einer Fliegenklatsche schlagen dürfe und bekam die klare Antwort der KI: „Nein, man quält keine Wesen.“ Das Künstlerkollektiv entschied sich also gegen das Kartoffelschlagen.

Die Ergebnisse seiner Forschungen zur künstlichen Empathie sind nun noch bis Ende Februar im Schaufenster zu sehen, im Video unter den weißen Baustellen-Schutzanzügen der fünf Kollektivmitglieder. Dort baumelt beispielsweise eine tätowierte Puppe, rücklings an einem Seil. Im Untertitel ein KI-Zitat: „Es sieht aus, als ob das sehr belastend für Dich ist“. Die Beiträge sind humorvoll, ein bisschen sarkastisch, und getragen vom Zeitgeist: Eine Künstlerin sitzt im Video unter einer Trockenhaube. Der Untertitel gibt dazu die Auskunft: „Du bist nicht allein.“ Die Szene ist ein mitfühlender Trost in Zeiten, in denen jeder Mensch mit dem Kopf ein bisschen woanders ist.


Die Ausstellung ist bis Samstag, 21. Februar, zu sehen, ganztägig im Baustellentunnel am Gottesweg 102.