Abo

Jugendbande im BeethovenparkPolizei nimmt nach Raubserie 15-Jährigen fest – Opfer traut sich nicht mehr in Schule

3 min
Der Kölner Beethovenpark. (Symbolbild)

Der Kölner Beethovenpark. (Symbolbild)

Die Polizei hat den Rädelsführer der Jugendbande festgenommen. Der ist davon aber offenbar gar nicht beeindruckt. Der Vater eines Opfers berichtet.

Drei Tage nachdem eine Gruppe Jugendlicher im Beethovenpark mehrere Gleichaltrige mit einem Messer bedroht und ausgeraubt haben soll, hat die Polizei am Dienstag einen mutmaßlichen Haupttäter festgenommen. Wie ein Polizeisprecher mitteilt, handelt es sich um einen 15-Jährigen, der von einer Streifenwagenbesatzung aufgrund von Zeugenangaben an der Luxemburger Straße erkannt wurde. Er sei „erkennungsdienstlich behandelt und an seine Erziehungsberechtigten übergeben worden“, sagte der Sprecher. In der Wohnung des Jugendlichen stellten die Polizisten zudem Beweismittel sicher. „Die Strafermittlungen gegen den Jugendlichen sowie seine noch unbekannten Mittäter dauern an.“

Beeindruckt scheint das den 15-Jährigen allerdings nicht zu haben. Das berichtet der Vater eines der Opfer. „Kurz nachdem ihn die Polizei festgenommen hat, hat er über Dritte meinem Sohn wieder gedroht“, sagt Markus H. (alle Namen geändert). Nach Angaben von H. handelt es sich bei dem 15-Jährigen Hakim A. um den Rädelsführer einer Jugendbande, die seit Monaten in Sülz und Lindenthal aktiv ist. Sein Sohn sei ins Visier geraten, weil er dieselbe Schule wie Hakim A. besuche. Doch nicht nur er: Auch andere Jugendliche würden laut Markus H. seit Monaten immer wieder von Hakim A. und seinen Komplizen bedroht, zusammengeschlagen und ausgeraubt. Diese Hintergründe seien der Polizei bekannt, sagte der Polizeisprecher; die Ermittlungen dauerten an. Derzeit werde geprüft, ob dem 15-Jährigen weitere Taten nachgewiesen werden können.

Vater schickt Sohn nicht mehr zur Schule

Die Raubserie im Beethovenpark vom vergangenen Wochenende war der vorläufige Höhepunkt der Aktivitäten der Gruppe. Der erste Überfall ereignete sich laut Polizei gegen 18.30 Uhr zwischen der Münstereifeler Straße und dem Platz der Kinderrechte. Demnach sprach die Gruppe dort einen 14-jährigen Jungen an. Einer der Täter drückte ihm ein Messer an die Brust und schlug ihn gemeinsam mit einem Komplizen. Anschließend zwangen sie ihn, seine hochwertige Weste, einen Pullover und seine Schuhe auszuziehen und zu übergeben.

Nur rund 15 Minuten später, gegen 18.45 Uhr, überfiel die insgesamt fünfköpfige Gruppe nahe dem sogenannten Pilzberg einen 16-Jährigen und dessen Begleiter. Auch hier wurde ein Messer vorgehalten, um Bargeld zu erpressen. Gegen 19 Uhr kam es schließlich zum dritten Raub: Dabei erbeuteten die Angreifer eine Jacke, eine Mütze und Bargeld. Einer der Täter soll einen 14-Jährigen gewürgt haben.

Wenn solche Typen keinen Respekt vor Polizei und Behörden haben, weil die sich nicht durchsetzen können, dann fällt es schwer, nicht das Vertrauen zu verlieren
Markus H., Vater eines der Opfer

Hakim A. habe seinem Sohn bei einem der Überfälle die Jacke geraubt, berichtet Markus H. Danach hätten die Täter offenbar weiter versucht, Druck auszuüben. „Kurz darauf hat er versucht, wieder Kontakt mit meinem Sohn aufzunehmen, ihn unter dem Vorwand, dass er seine Jacke zurückbekommt, zu ihm zu locken.“

Zudem habe der Jugendliche seinen Sohn über soziale Medien ausgespäht, um ihn abzufangen. Weil der mutmaßliche Haupttäter dieselbe Schule besucht, schickt Markus H. seinen Sohn derzeit nicht mehr zum Unterricht. „Er ist verängstigt. Sein Sicherheitsgefühl ist zerstört. Und ich kann meinen Jungen unter solchen Umständen doch nicht in die Schule schicken, in der der Täter auf ihn wartet.“

Trotz der vorläufigen Festnahme von Hakim A. zeigt sich Markus H. enttäuscht vom Umgang der Behörden mit dem Fall – insbesondere von der Schule. „Wir haben die Schule gebeten, etwas zu unternehmen, aber dort sagt man uns, die Schule könne nichts machen.“ Er fühle sich „total hilflos“. Wenn Hakim A. schon nicht der Schule verwiesen werden könne, müssten Lehrer und Polizei aus seiner Sicht zumindest deutlich mehr Präsenz zeigen und verhindern, dass sein Sohn und weitere Mitschüler bedroht und beraubt würden. Die betroffene Schule war am Mittwochnachmittag für eine kurzfristige Stellungnahme nicht erreichbar. „Wenn solche Typen keinen Respekt vor Polizei und Behörden haben, weil die sich nicht durchsetzen können, dann fällt es schwer, nicht das Vertrauen zu verlieren“, sagt H. Seinen Sohn will er vorerst weiterhin nicht zur Schule schicken – wie lange, wisse er selbst noch nicht.