Abo

Gartenzwerge und GeschenkpapierKölner Zoll findet immer häufiger große Mengen der Partydroge Ketamin

3 min
Gartenzwerge, in denen Ketamin versteckt war

Der Kölner Zoll präsentierte einen großen Ketamin-Fund.

Der Kölner Zoll hat zwei Beispiele aus jüngster Zeit präsentiert, bei denen eine große Menge Ketamin geschmuggelt werden sollte.

Der Kölner Zoll hat immer häufiger mit dem Schmuggel der Partydroge Ketamin zu tun. Am Dienstag stellte Jens Ahland, Pressesprecher des Hauptzollamts, zwei extreme Beispiele aus jüngster Zeit vor. Was die Beamten bei Kontrollen sichergestellt hatten, präsentierte Ahland auf Tischen: Fünf große goldene Gartenzwerge, die zum Teil noch in grüne Luftpolsterfolie gehüllt sind, daneben zwei Koffer, gefüllt mit in Geschenkpapier verpackten flachen Beuteln.

Vor knapp vier Wochen fischten Beamten nachts am Köln-Bonner Flughafen vier Pakete heraus, die in Süddeutschland aufgegeben worden waren und nach Kanada und Australien gehen sollten. Bilder einer  Röntgenuntersuchung ließen Auffälligkeiten erkennen, die Beamten öffneten die Pakete. Zum Vorschein kamen die fünf Gartenzwerge. Als sie den Fuß eines der fünf Gartenzwerge aufbohrten, rann kristallines, weißes Pulver heraus. Ein Schnelltest ergab, dass es sich um Ketamin handelte. Insgesamt steckten in den Figuren rund 25 Kilogramm. Aus ermittlungstaktischen Gründen hat der Zoll den Fund erst jetzt bekannt gegeben.

Ziele Kanada und Australien passen zum Trend

Dass die Ware für Kanada und Australien bestimmt war, passt laut Ahland in den derzeitigen Trend: Während „irre Mengen“ von Marihuana aus den USA nach Europa kämen, finde Ketamin seinen Weg oft von Europa nach Übersee. 2025 habe der Kölner Zoll insgesamt 1,3 Tonnen Ketamin mit einem Straßenverkaufswert von knapp 52 Millionen Euro sichergestellt.

Ketamin in buntem Geschenkpapier wird präsentiert.

In buntem Geschenkpapier wurde das Ketamin versteckt.

Das zweite Beispiel aus diesem Jahr: Vor einer Woche kontrollierten Zollbeamte ein Taxi mit niederländischem Kennzeichen, das auf der A3 in Richtung Frankfurt am Main unterwegs war. Auf der Raststätte Siegburg überprüften sie neben dem Fahrer den Fahrgast, einen 36 Jahre alten Engländer. Bei der Befragung druckste er herum und verwickelte sich in Widersprüche. Darauf ging einer der beiden Beamten zum Kofferraum. In diesem Moment versuchte der Engländer zu fliehen. Der Kollege des Beamten konnte den Fahrgast nach wenigen Metern stoppen.

Hinten im Wagen fanden sich die zwei Koffer, die am Dienstag präsentiert wurden. Neben ein bisschen Kleidung enthielten sie 30 szenetypische Vakuumbeutel, die wie Geschenke verpackt waren. „Es ist nicht das erste Mal, dass wir einen Drogenschmuggler in einem Taxi aus dem Verkehr gezogen haben“, sagte Ahland. Doch noch nie habe der Zoll bei einer solchen Gelegenheit einen so großen Fund gemacht: mehr als 33 Kilogramm. Die weiteren Ermittlungen führt das Zollfahndungsamt Essen. Zusammen mit den Drogen aus den Gartenzwergen ergibt sich eine Menge von 58 Kilogramm Ketamin, deren Straßenverkaufswert bei über 2,3 Millionen Euro liegt. Die sichergestellten Drogen nehmen jetzt den üblichen weiteren Weg: Sie werden verbrannt.

Ketamin wird vor allem in der Tiermedizin verwendet

Ketamin ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, mit dem Schmerzen behandelt und eine Narkose eingeleitet wird. Vor allem in der Tiermedizin findet es Verwendung, unter bestimmten Bedingungen ebenso beim Menschen. Weil es in niedriger Dosis halluzinogen wirkt, ist es auch als Rauschmittel beliebt. „Manche sprechen von der günstigen Variante des Kokain“, sagte Ahland zu dem synthetisch hergestellten Stoff. In den 1990er Jahren breitete es sich in der Techno-Szene als Partydroge aus. Im illegalen Handel wird es zum Beispiel „Special K“, „Vitamin K“, „Kate“ oder „K“ genannt. Laut Ahland ist es wieder „auf dem Vormarsch.“

Zu den körperlichen Schäden, die der Konsum hervorruft, zählen Blasenprobleme, Nasenschäden und Krämpfe, zu den neuropsychologischen Risiken dissoziative Störungen, Halluzinationen und, bei höheren Dosen, sogenannte „K-Holes“: Zustände einer starken Bewusstseinsveränderung mit motorischer Starre und Nahtod-Erfahrungen. Konsumenten berichten zudem von depressiven Symptomen, Angstzuständen, Reizbarkeit und kognitiven Einschränkungen, die auch außerhalb akuter Rauschzustände auftreten.

Die Schmuggler würden sich alles Mögliche einfallen lassen, um ihre Ware zu tarnen, sagte Ahland und nannte als Beispiele Hanteln, Katzenstreu und Badesalz. Im vorigen Dezember erschnüffelte eine Zollspürhündin am Köln-Bonner Flughafen rund 26 Kilogramm Ketamin. Die Drogen waren in einer fast 70 Kilogramm schweren Paketsendung versteckt, in der zehn Auspuffanlagen von Nordrhein-Westfalen nach Kanada geflogen werden sollten.