Der persische Inhaber Pouria Pasokh lernte in Perugia das Kochen, lässt aber auch Aromen anderer Länder in seine Gerichte einfließen.
Pasta-Bar statt Gyros-LadenDas Scarpetta ist das neue italienische Wohnzimmer von Widdersdorf

Pouria Pasokh kocht in seiner Pasta-Bar gerne auch mit edlen Zutaten, wie Trüffeln.
Copyright: Susanne Esch
Die weißen Trüffeln ruhen auf einem Bett aus Risotto-Reis, bis sie später in die Küche wandern. Auf einer golden gerahmten Schiefertafel steht, was Pouria Pasokh damit vorhat: Er serviert sie in seinem Lokal „Scarpetta“ mit Taglioni. Das neue Restaurant an der Hauptstraße 34 ist klein, aber fein. Ein dunkelgrüner Anstrich und beige-grau gepolsterte Sitzbänke nebst dunklem Mobiliar bilden das elegante Ambiente für passende Speisen der gehobenen italienischen Küche, kreativ aufgemischt: Es gibt Berglinsensuppe mit Salsiccia, Kibbeling vom Zander mit Kräuterdip und japanischen Gurkensalat. „Quadrioni“ also quadratische Ravioli mit Hummerfüllung, Garnelen und Blattsalat, Fisch und Steak vom Lavasteingrill, eine „Bavarese-Schnitte“ mit weißer Schokolade, Waldbeeren und Blutorange.

Sieht unscheinbar aus, hat es aber in sich: Das Scarpetta an der Widdersdorfer Hauptstraße.
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Koch Pasokh lässt sich gerne etwas einfallen. Die Basis seiner Speisen ist italienisch, aber es wandern auch Einflüsse anderer Kochkulturen mit in die Töpfe, ein Resultat seiner Odyssee durch die Küchen der Welt. Der geborene Iraner floh mit seiner Mutter im Alter von 14 Jahren vor dem Chomeini-Regime nach Italien. Im umbrischen Perugia besuchte er die Schule und studierte schließlich Bauingenieurwesen, arbeitete aber nebenher in der Küche, wo er seine Liebe zur italienischen Kochkunst entdeckte. Umbrien sei der perfekte Ort dafür gewesen, erzählt Pasokh. „Ich habe zufällig in dem besten Restaurant in Perugia gearbeitet und dort viel gelernt.“ Er half bei der Zubereitung der Speisen, gerne auch einer älteren Dame, die stets frische Pasta fertigte. Aus dem Nebenjob wurde seine Berufung. Als er in Italien genug gelernt hatte, heuerte er in Küchen in Portugal, Spanien und Frankreich an.
Pakosh kochte auch im Kölner Edel-Restaurant „Hase“
2013 wollte er schließlich auch einmal in die Töpfe anderer Kontinente schauen, in Australien und Japan. Doch vorher rief seine Mutter an: „Fahr doch einmal zu meiner Cousine nach Köln. Da ist es auch schön.“ Das tat Pasokh, verguckte sich in die Stadt – und in eine Frau. So blieb er am Dom hängen. Mittlerweile ist er mit einer anderen Kölnerin verheiratet – und Vater von zwei Töchtern. Auch hier hat er in zahlreichen Restaurants Erfahrungen gesammelt, etwa im „Da Damiano“ und im Edel-Restaurant „Hase“ in der City. Während der Corona-Zeit verlegte er sich dann auf die Hausproduktion von Pasta und Saucen, die er von dort verkaufte – schließlich per Foodtruck. Irgendwann erhielt Pasokh von einem Freund, den Hinweis, dass ein Gyrosimbiss an der Hauptstraße leer stünde.
Pasokh verwandelte die Frittenschmiede in eine stylische Pasta-Bar, mit ein paar Tischen und 18 Sitzplätzen. Der Chef kocht und bedient selbst. „Es ist das Wohnzimmer von Widdersdorf“, sagt Pasokh. „Oft kennen die Gäste sich und sprechen alle miteinander.“ Es ginge so zwanglos zu wie der Name verheißt: „Scarpetta“ käme vom italienischen „Fare la Scarpetta“ erklärt Pasokh. Der Ausdruck beschreibt das Aufsaugen eines Saucenrestes auf einem Teller mit einem Brot. Früher sei das ein Verstoß gegen die Etikette gewesen. „Heute ist das vor allem eines“, sagt Pasokh, „ein Kompliment an den Koch.“
Eine italienische Berglinsensuppe kostet 9,50 Euro, Kibbeling vom Zander mit japanischem Gurkensalat und Kräuterdip 18,50 Euro, Cannelloni mit Ricotta-Spinat-Füllung, Tomatensauce, Rucola und Walnüssen 19 Euro, Rote-Bete-Risotto mit Feta und Walnüssen, 21 Euro.
Scarpetta, Hauptstraße 34, Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag, 17 bis 21.30 Uhr, Freitag und Samstag, 17 bis 22 Uhr, Sonntag, 12 bis 22 Uhr. www.scarpettapastabar.de

