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Medaillen-Designerin zum Streit über die Auszeichnung„Die Holzmedaille hat immer polarisiert“

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Am 28. Generali Köln Marathon nehmen 41.000 Läuferinnen und Läufer teil.

In der Lauf-Community umstritten: Die Holz-Medaillen beim Köln-Marathon, hier das Exemplar aus diesem Jahr, sollen abgeschafft werden.

Frau Witte, wie denken Sie darüber, dass die Holzmedaille für den Köln-Marathon abgeschafft wird?

Nina Witte: Ich habe in jedem Jahr auf der Marathon-Messe gestanden und viele Diskussionen geführt. Ja. Es stimmt. Die Holzmedaille hat immer polarisiert. Aber der Köln-Marathon hatte sich 2019 für das Thema Nachhaltigkeit entschieden und damit einen mutigen Weg eingeschlagen. Auch mit Mehrwegbechern und Fangnetzen für das Recycling. In meinem Unternehmen arbeiten wir mit Vollholz Erle. Das ist eine schnell nachwachsende Laubbaumart ist. Anders als bei Sperrhölzern werden sehr wenig Klebstoffe verarbeitet. Ich setze auf gute und transparente Kooperationen und war selbst schon in Österreich vor Ort im Werk, um die Produktion anzuschauen. Unsere lokale Weiterverarbeitung passt perfekt zu dem Motto „Nachhaltigkeit“.

Wann haben Sie davon erfahren, dass sie raus sind?

Anfang des Jahres hatte ich zunächst über mein Läufernetzwerk von einer Umfrage zur Medaille erfahren. Kurz darauf kontaktierte mich der Veranstalter auch darüber, dass im Raum steht, zurück zu Metall zu gehen. Zur Wahrheit gehört auch, dass sich bei solchen Umfragen aber immer nur wenige Läufer beteiligen. Es sollte beim Veranstalter intern darüber entschieden werden, wie der weitere Weg aussehen soll. Da ich zunächst keine Rückmeldung bekommen habe, war ich schon überrascht, als ich nach dem Radrennen „Rund um Köln“ im Mai, welches ich ebenfalls mit meinen Medaillen ausgestattet habe, den Auftrag doch noch bekommen habe. Natürlich habe ich mich gefreut, aber es war eine große Herausforderung, in so kurzer Zeit bis September 35.000 Medaillen zu produzieren.

Die Designerin Nina Witte hat seit 2019 Medaillen aus Holz für den Köln-Marathon entworfen und ist entsetzt über die Häme in den sozialen Medien. Foto: Wolf Sondermann

Wie geht es jetzt weiter?

Nächstes Jahr werden wir offiziell nicht mehr unsere Medaillen für den Marathon herstellen. Mir geht es aber auch nicht darum, dass ein großer Auftrag wegfällt. Ich bin nur entsetzt darüber, was nach dem Marathon in den sozialen Medien an Fehlinformationen von sogenannten Influencern kommuniziert wurde. Das war einfach nur respektlos mit Blick auf uns und unsere Arbeit. Und das alles nur, um Klicks und Reichweite zu erlangen.

Können Sie mal ein Beispiel nennen?

Es haben Läuferinnen und Läufer die Medaillen in den Schuh gesteckt, sind darauf gesprungen, um sich anschließend über die angeblich schlechte Qualität aufzuregen. Oder sie haben Flaschen mit der Medaille geöffnet, die nun mal kein Flaschenöffner sind. „Von den Pfadfindern geschnitzt“ nur eine von vielen harten Aussagen. Es gibt aber zum Glück auch sehr viele positive Kommentare zu den Holz-Medaillen bekommen.

Worum geht es Ihnen mit Ihrer Kritik?

Mir ist wichtig, mit Fakten zur Aufklärung beizutragen und zu zeigen, was es bedeutet, regional zu produzieren und 35.000 Medaillen per Hand zu fädeln und zu nähen. Über das Design kann man streiten. Das ist Geschmackssache. Aber uns vorzuwerfen, wir hätten schlechte Qualität geliefert, haben wir nicht verdient. Ich habe, mit drei Lasern, zwei Mitarbeitenden und vielen Aushilfen ein Unternehmen aufgebaut, das in diesem Jahr sein 15-jähriges Bestehen feiert.

Der Köln-Marathon ist aber schon ein wichtiger Kunde, oder?

Natürlich ist so ein großer Auftrag ein Vorteil, aber mittlerweile haben wir viele Events und Branchen, die wir abdecken, wie zum Beispiel auch Karnevalsorden aus Holz, unter anderem für die Rhein-Energie.

Sind Sie enttäuscht?

Klar finde ich es schade, dass der Köln-Marathon den Nachhaltigkeitsgedanken aufgibt. Denn es wird nichts Nachhaltigeres als die Holz-Medaillen-Produktion geben. Allein die Energie- und Transportkosten sind bei einer Produktion von Metall-Medaillen wesentlich höher.

Wir gehen ja auch nicht plötzlich wieder mit Plastiktüten einkaufen und schaffen das Pfand ab. Es ist nur schade, dass der Köln-Marathon zurückrudert, anstatt zu sagen. „Ihr ladet die Medaille doch mit euren Emotionen auf. Das Gewicht spielt doch keine Rolle.“ Irgendwie leben wir in einer Art Rückschritts-Gesellschaft. Dies gilt für viele Bereiche und ich denke, wir waren eigentlich schon mal einen Schritt weiter.

Wie geht es jetzt für Sie weiter?

Ich konzentriere mich auf die nächsten Projekte, meinen Weihnachtsmarkt, bei dem ich eigene Produkte verkaufe und fokussiere mich auf Kunden, die meine nachhaltigen Werte teilen.

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