Köln – Faizullah kommt aus Afghanistan, er liegt noch im Eduardus-Krankenhaus in Köln, geht aber bald wieder zurück in die Vinzenz-Pallotti-Klinik nach Bergisch Gladbach-Bensberg. Wenn alles gut verläuft, wird der elfjährige Junge spätestens Ende des Jahres wieder zu Hause sein bei seiner Familie, die in einem kleinen Dorf nahe der usbekischen Grenze lebt.
Und dann wird Faizullah wohl wieder laufen können. Dafür hat ein Ärzteteam in einer neunstündigen Operation in Köln gesorgt. Schwerstarbeit am OP-Tisch hat ein ganzes Team von Ärzten geleistet: die plastischen Chirurgen Alfons Erdmann und Wolfgang Koegst, Axel Jubel, Chefarzt der Unfallchirurgie, Marie Höfer, Anästhesie-Oberärztin (alle Eduardus-Krankenhaus), Gereon Schiffer, Chefarzt der Unfallchirurgie im Vinzenz-Pallotti-Krankenhaus in Bensberg, sowie aus der Uniklinik der Orthopädie-Oberarzt Koroush Zarghooni.
Knochen und Gewebe hochgradig zerstört
Der kleine Junge, der auf Vermittlung des Friedensdorfes (siehe „Das Friedensdorf“) ins Rheinland kam, wurde nicht im Krieg verletzt, sondern erkrankte durch Infekte und Entzündungen. Weil in Afghanistan die medizinische Versorgung schlecht ist, konnte Faizullah nicht entsprechend behandelt werden. Knochen und Gewebe waren hochgradig zerstört. Die deutschen Ärzte schafften es, Knochenteile aus der Rippe des Jungens und durchblutetes Gewebe aus dem Brustkorb zu transplantieren und damit das Bein wiederherzustellen.
Die größte Hürde war, so Chirurg Erdmann, an die schon brüchigen Gefäße im Bein das neue Gewebe „anzuschließen“. Immer wieder bröselten die Wände der Blutgefäße ab, doch die Ärzte gaben nicht auf. Morgens um 9 Uhr hatten sie mit der Operation begonnen und um 16 Uhr, so Erdmann, konnten sie endlich sagen: „Das Blut läuft durch.“ Mit einer Spezialschiene, die der Kollege aus der Uniklinik angelegt hat, wird der Heilungsprozess stabilisiert und vor allem dafür Sorge getragen, dass der Elfjährige seine Beine wieder voll belasten kann.
Liebling des Krankenhauspersonals
Faizullah hat den Eingriff „total cool gepackt“, sagten die Ärzte. Ein Bensberger Arzt aus Afghanistan kümmert sich in regelmäßigen Abständen um das Kind, das der Liebling des Krankenhauspersonals ist – sowohl in Köln als auch in Bensberg. „Ein kleiner Strahlemann, der mit den Schwestern schäkert und sie mit ihm, weil er so knuddelig ist“, sagen Schiffer und Erdmann.
Faizullah lernt übrigens blitzartig Deutsch. Was ihn besonders fasziniert, ist die Technik um ihn herum, die piept und blinkt. „Das ist für ihn wie »Star Wars«“, sagen die Ärzte. Und gelegentlich hilft das auch über traurige Momente hinweg.
