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53 Jahre in TurnhallenRenate Wehmeyer ist mit 80 Jahren noch Übungsleiterin in Buchheim

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Renate Wehmeyer ist seit 1973 Übungsleiterin beim MTV Köln 1850 in Köln-Buchheim.

Renate Wehmeyer ist seit 1973 Übungsleiterin beim MTV Köln 1850 in Köln-Buchheim.

Renate Wehmeyer ist seit 1973 Übungsleiterin beim MTV Köln 1850. Mit 80 Jahren steht sie noch immer mit Herz und Seele in den Turnhallen.

„Ich hatte wirklich großes Glück“, sagt Renate Wehmeyer. „Ich bekomme so viel von den Kindern und Teilnehmenden zurück, dass ich immer wieder gerne komme. Das ist doch das Schönste.“ Seit 53 Jahren ist die 80-Jährige mittlerweile ehrenamtliche Übungsleiterin für Geräteturnen beim MTV Köln 1850 in Buchheim – und das mit Herz und Seele, sagt sie.

Schon als Schulkind turnte Renate Wehmeyer in Lindenthal im Verein. „Das hat mir immer Spaß gemacht und ich empfand es schon immer als wichtig, sportlich und fit zu sein“, sagt die Kölnerin. Für die Liebe zog sie dann nach Buchforst und kommt so zum MTV Köln 1850. Ursprünglich, um dort selbst Sport zu treiben – und damit ihre drei Töchter mit Sport aufwachsen können.

Renate Wehmeyer ist seit 53 Jahren Übungsleiterin

Sie sei immer beim Turnunterricht ihrer Töchter dabei gewesen und als deren Übungsleiterin 1973 nach Bergisch Gladbach zog, fragte diese Wehmeyer, ob sie nicht Lust hätte, die Stunden zu übernehmen. „Im ersten Moment war ich völlig überrumpelt“, erinnert sich die 80‑Jährige. Mit drei Kindern habe sie sich damals gefragt, wie sie das organisieren sollte und ob sie der Aufgabe gewachsen war. Schließlich ließ sie sich doch überzeugen.

Also machte Wehmeyer eine Ausbildung zur Übungsleiterin beim Rheinischen Turnverbund und machte über die Jahre diverse Fort- und Weiterbildungen. „Ich bin dann immer weiter an meinen Aufgaben gewachsen, es hat mir wirklich Spaß gemacht“, erzählt Wehmeyer. Nach und nach sei sie zur „Feuerwehr“ des Vereins geworden. „Überall, wo jemand gebraucht wurde, sprang ich ein“, sagt die Kölnerin, „und wenn ich als Vertretung einsprang, wünschten sich die Teilnehmenden oft, dass ich den Kurs übernehme.“

Zwischenzeitlich leitete sie so elf Kurse, vom Eltern-Kind-Turnen über Kinderturnen bis hin zum Frauensportangebot. „Die Frau ist eine absolute Legende, anders kann man es nicht sagen“, sagt Vereinsvorstand Holger Dahlke, „es gibt keine Worte, die ihr und ihrer Arbeit gerecht werden.“ Die Zahl der Kinder, die bis heute bei Wehmeyer die ersten Bewegungserfahrungen gesammelt haben, dürfte sich mittlerweile im fünfstelligen Bereich bewegen, betont Dahlke. Für ihre ehrenamtliche Arbeit wurde sie schon mehrfach geehrt, wurde unter anderem von der Rheinischen Turnjugend zur „Übungsleiterin des Jahres 2017“ gekürt.

80-Jährige unterrichtet weiterhin Geräteturnen

„Ich mache das mit Herzenslust“, sagt Wehmeyer überzeugt, auch wenn es Tage gebe, an denen sie fluche, wenn etwa die Sonne scheint und sie in die Halle muss oder wenn private Verabredungen warten müssen. „Aber wenn ich da bin, bin ich immer glücklich“, betont sie.

Sie erinnere sich an Frauengruppen, die zu Freundesgruppen über den Sport hinaus geworden sind, an Kinder, die ihr Bilder malen und Briefe schreiben, und an Turnmütter, deren Kinder und Enkelkinder bei ihr geturnt haben. „Ich möchte den Teilnehmenden immer etwas fürs Leben beibringen“, sagt sie, „beim Turnen muss man konzentriert sein und Spannung haben, das hilft auch außerhalb des Sports.“ 

Mittlerweile leitet Wehmeyer deutlich weniger Stunden und hat montags und mittwochs jeweils noch zwei Kurse. Ihren Freitagnachmittagskurs habe sie vor Kurzem aufgegeben. „Irgendwann musst du schweren Herzens an dich denken“, sagt sie. Aber so lange sie kann, wolle sie weitermachen. Auch ihre Knie-OP hielt sie nicht lange davon ab, auch weil es an Nachwuchs fehle. „Wenn ich es nicht mache, fällt es weg und das würde mir zu sehr wehtun“, sagt die 80‑Jährige.

Dass der Verein Schwierigkeiten damit hat, Nachwuchs zu haben, beschäftigte die Kölnerin sehr. „Ich würde viele meiner Mädels gerne zum Kunstturnen bringen, aber es gibt einfach keinen Platz“, sagt sie. Auch deshalb wolle sie, solange sie fit ist, weiter als Übungsleiterin arbeiten. Denn die Freude am Turnen und an der Arbeit mit Kindern sei über all die Jahrzehnte geblieben. „Wir wissen nicht, was wir ohne sie machen werden“, sagt Holger Dahlke, „am liebsten würden wir sie klonen.“