Während die Sonne die Bäume, Sträucher und Pflanzen langsam in goldenes Licht taucht, erklärt Katja Kleinert vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Köln, welch eine biologische Besonderheit direkt vor der Haustür liegen kann. Rund 40 Quadratmeter ist die Dellbrücker Heide groß und hat dank ihres trockenen Bodens eine riesige Artenvielfalt. Seit 2009 steht das Gebiet unter Naturschutz.
Es war einmal Bestandteil der Thurner Heide, bis es nach dem Krieg bis 1992 als Truppenübungsplatz Morslede durch das belgische Militär genutzt wurde. Der Boden ist sandig und nährstoffarm, ein Grund, weshalb dort seltene Pflanzen wachsen, die es zu entdecken gilt.
Von März bis Oktober bietet der BUND Köln jeden dritten Donnerstag im Monat abends einen Spaziergang durch das Naturschutzgebiet an, das der Verein auch betreut und pflegt. Dabei können Interessierte die Naturlandschaft unter fachkundiger Begleitung kennenlernen. Katja Kleinert gehört zu den Ehrenamtlichen, die die Spaziergänge durchführen und auch über die die Arbeit des BUND Köln informieren.
BUND bietet Spaziergang durch Dellbrücker Heide an
„Wir versuchen hier, verschiedenen Pflanzen und den dazugehörigen Insekten, den Lebensraum zu geben, den sie brauchen“, erklärt Kleinert. Die Heide sei eine Kulturlandschaft, auf der normalerweise Tiere grasen. Da allerdings in der Dellbrücker Heide keine Tiere mehr grasen, mähen die Ehrenamtlichen des BUND eigenhändig. Jeden Freitag treffen sich Helfer, um gemeinsam zu gärtnern.

Eine Gruppe ist unterwegs in der Dellbrücker Heide.
Copyright: Rika Kulschewski
„Wir haben viele unterschiedliche Biotoptypen hier“, betont Kleinert und zeigt den Teilnehmenden Glatthafer und wilde Möhren, Thymian und Bergsandglöckchen, Bäume und Sträucher und beantwortet alle Fragen, die aus der Runde der Spaziergänger kommen. Immer wieder wird deutlich, dass die Dellbrücker Heide ein ganz besonderer Lebensraum für Tiere und Pflanzen ist.
So gibt es etwa Nischen, in denen Munition gelagert wurde. Heute nisten Bienenarten darin. „Solche vertikalen Nistplätze gibt es selten, hier haben wir eine große Nistmöglichkeit für die Bienen", sagt Kleinert. Inmitten der Heide gibt es außerdem eine uralte Pappel, die langsam auseinanderbricht. „In einem Wald müsste solch ein sterbender Baum beispielsweise gefällt werden, da die Gefahr zu groß ist, dass er umkippt. Hier können wir ihn stehen lassen, denn er ist ein ganz wichtiger Lebensraum.“
Immer wieder wird deutlich, dass das Naturschutzgebiet so gepflegt wird, dass die Artenvielfalt unterstützt wird. „Die meisten Pflanzen hier brauchen offenen Boden, deshalb sind Wildschweine die wichtigsten ehrenamtlichen Mitarbeiter“, erklärt Kleinert, „die Anwohner mögen die Wildschweine vielleicht nicht immer, aber wir brauchen sie.“ Und so ist die Heide ein vielfältiger Lebensraum, der nicht nur schön, sondern unfassbar interessant ist. Und durch den sich ein Spaziergang mit geschultem Blick lohnt.

