Rund 50 Kindergartenkinder können seit Juni wegen Glasscherben im Sand nicht draußen spielen. Eltern kritisieren Wartezeiten und fehlende Hilfe.
Eltern frustriertKita-Außengelände in Köln-Mülheim wegen Glasscherben seit Juni gesperrt

Abgesperrt sind der Sandkasten mit Klettergerüst und die Spielflächen im Außenbereich.
Copyright: Britta Meixner
Ein heißer Sommer, in dem man kaum einmal Fußball spielen kann, keinen Zugang zu Rutsche oder Klettergerüst hat, in dem sich nur selten die Gelegenheit bietet, mal richtig herumzutoben oder mit dem Bobbycar durch die Gegend zu düsen: Für Kindergartenkinder ist das eine Horrorvorstellung. Doch für etwa 50 von ihnen wurde sie zur Realität. Weil Kinder nach einem Unwetter beim Spielen im Sandkasten Glasscherben gefunden hatten, wurde fast das gesamte Außengelände der städtischen Kita Düsseldorfer Straße 153 ab dem 22. Juni abgesperrt.
„Wir vermuten, dass das Glas von einem kaputten Balkon der umliegenden Wohnhäuser hereingeweht wurde“, sagt Britta Meixner vom Elternbeirat der Kita. Der hat sich nun mit einer Bitte um Unterstützung an diese Redaktion gewandt: „Drei Monate Stillstand. Und niemand fühlt sich zuständig“, lautet der Vorwurf an die Stadt. Das macht die Eltern „fassungslos“, heißt es, und weiter: „Die Kita-Leitung hat die Stadt Köln mehrfach auf die Situation und die Gefahren hingewiesen und um Abhilfe gebeten – bislang ohne ausreichende Lösung.“

Für die Spielmöglichkeiten ihrer Kinder haben sich Nora Rohleder (l.) und Britta Meixner den Sommer über eingesetzt.
Copyright: Hans-Willi Hermans
Glasscherben: Kita-Spielbereiche bleiben gesperrt
Zwar seien die größten Glasscherben unverzüglich entfernt worden. Doch weil niemand sagen kann, ob sich doch noch kleinere Scherben und Splitter im Sand und auf den übrigen Spielflächen befinden, habe man die Spielbereiche kurzerhand abgesperrt. Übrig geblieben sind nur kleine Terrassenflächen vor den drei Gruppenräumen, deren Oberflächen mit Gehwegplatten belegt sind. Platz für kindgerechtes Spiel und sonstige Aktivitäten ist da kaum: „Unsere Kinder sind nicht ausgelastet, das merken wir jeden Tag“, sagt Meixner.
Einige verbrächten fast den gesamten Nachmittag in der Kita – bis 16.30 Uhr. Die Situation habe nicht nur Auswirkungen auf die Gesundheit der Kurzen, sondern auch auf ihre sozialen Kontakte: „Beim Spielen draußen treffen sie ja die Kinder aus den anderen Gruppen“, so Meixner. „Aber auch das Sommerfest oder die Verabschiedung der Kinder, die in die Schule wechseln, mussten in diesem Jahr ausfallen.“
Kita-Eltern warten vergeblich auf neuen Sand
Ständig habe man bei der Stadt nachgehakt und um Abhilfe gebeten, sei aber immer wieder vertröstet worden. So habe die Verwaltung einmal mitgeteilt, dass sich eine Fachfirma zur Terminvereinbarung mit der Kita‑Leitung in Verbindung setzen werde, passiert sei aber nichts. „Vor kurzem ist der Sand in einer anderen Kita nicht weit entfernt hier in der Düsseldorfer Straße 40 ausgetauscht worden, da hätte man das hier doch gleich mitmachen können“, berichtet Nora Rohleder, ebenfalls Mitglied des Elternbeirats. „Wir haben sogar angeboten, mit Schippen zu kommen und den Sand selbst auszutauschen“, erzählt Engin Akin, Vater eines Kita-Kindes. Das habe die Stadt aber aus versicherungstechnischen Gründen abgelehnt: Wer übernimmt die Verantwortung, wenn doch eine Glasscherbe übersehen wird und ein Kind zu Schaden kommt?
Eine Sprecherin der Stadt versichert auf Nachfrage, dass die Reinigung des Außengeländes verwaltungsintern „eine hohe Priorität“ habe. Auch die Fachfirma, die den Sand auf den Spielflächen der Stadt regelmäßig sowie bei besonderem Bedarf austauscht, sei gebeten worden, „den Auftrag für die Kindertageseinrichtung Düsseldorfer Straße 153 priorisiert zu behandeln. Aufgrund der hohen Auftragsdichte gibt es zwischen der Auftragserteilung und der Umsetzung leider oftmals längere Wartezeiten, so auch in diesem Fall“, so die Sprecherin.
Denn darauf, wie schnell die Fachfirma einen solchen Auftrag letztlich umsetzt, habe die Stadt keinen Einfluss. Auch die Verbindung mit dem Sandaustausch in der Kita Düsseldorfer Straße 40 sei aus Gründen der „Auftragsdichte“ nicht möglich gewesen. Um die Situation in der Düsseldorfer Straße wenigstens teilweise zu entschärfen, seien aber „mit den Kindern Ausflüge zu den umliegenden Spielplätzen und Grünflächen unternommen worden“, betont die Sprecherin der Stadt.
Laut Britta Meixner haben die aber nur in sehr begrenztem Umfang stattgefunden. „Dafür müssen aus versicherungstechnischen Gründen pro Gruppe drei Betreuer dabei sein, das ist personell nur selten möglich.“ Besonders bitter: Unmittelbar neben der Kita befindet sich ein Spielplatz mit Sandkasten und einem großen Klettergerät. Den dürfen die Kinder zu den Kita-Zeiten aber nicht nutzen. Denn obwohl der Platz nur zwei Meter vom Kita-Gelände entfernt ist, würde es sich dabei um einen Ausflug handeln – versicherungstechnisch.
