Zeitungszusteller legen nachts viele Kilometer zurück. Einige von ihnen sind seit Jahrzehnten dabei. Die RZZ Köln Rheinland hat ihre Mitarbeitenden nun geehrt.
Kölner Zeitungszusteller geehrtGegen Langeweile und Einsamkeit – 81-Jährige bessert sich mit Zustelljob die Rente auf

Jahrzehntelang dabei: Heribert Haas (hinten links) wurde für sein 50-jähriges Dienstjubiläum geehrt. Margarete Krenzel, Marina Küx, Stefan Ladusch und Luitgard Seifert verteilen seit 40 Jahren Zeitungen an ihre Kölner Kunden.
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Sie arbeiten, während andere schlafen und stehen auf, wenn andere zu Bett gehen: Kölner Zeitungszustellerinnen und Zeitungszusteller. Fast unbemerkt sorgen sie bei Wind und Wetter sechsmal wöchentlich dafür, dass „Kölner Stadt-Anzeiger“, „Express“, „Kölnische Rundschau“ und weitere Titel morgens in den Briefkästen der Kundinnen und Kunden liegen.
Heribert Haas trägt die Zeitungen seit 50 Jahren aus
Einige von ihnen sind schon ein halbes Jahrhundert dabei. Heribert Haas etwa, der bei der Jubilarenehrung der Rheinischen Zeitungs-Zustellgesellschaft (RZZ) Köln Rheinland, Teil von DuMont Rheinland, am Donnerstag im Gilden Brauhaus für seine 50-jährige Betriebszugehörigkeit ausgezeichnet wurde. Luitgard Seifert, Stefan Ladusch, Margarete Kränzel und Marina Küx kommen allesamt auf 40 Jahre. „Wobei“, sagt die 81-jährige Küx, „eigentlich bin ich schon dabei, seit ich 19 bin. Es wurde allerdings erst viel später begonnen, offiziell zu zählen.“
Küx und Haas berichten noch aus Zeiten, in denen sie das Geld für die Zeitungen einkassieren mussten. Automatisierte Einzugsverfahren gab es Anfang der 70er Jahre noch nicht. „Das war eine ganz schöne Tortur“, erinnert sich Haas. Vieles hätte sich seitdem geändert. Aber genauso wie damals, steigt er auch heute noch fast täglich um 0.30 Uhr auf sein Rad, um die Blätter in Ossendorf zu verteilen. „Die frische Luft tut gut“, sagt er. Aber auch der Lohn.
Kölner Rentnerin verdient sich mit Zustelljob etwas dazu
„Die Rente ist nicht so hoch, da verdiene ich mir noch was dazu“, sagt Marina Küx. Sie brauche die Arbeit, auch, um Langeweile und Einsamkeit vorzubeugen. Mit über 80 Jahren verteilt sie die Zeitungen noch immer zu Fuß. Das Nachtleben Mauenheims kennt sie bald besser als das Tagesgeschäft. Passiert sei dabei noch nie etwas. „Ich kenne die Leute inzwischen. Und die kennen mich.“
Luitgard Seifert hat ihr Revier in Nippes und Bilderstöckchen. Manchmal bedient sie sogar weitere neun Gebiete. Das seien dann lange Tage, trotzdem: „Die Arbeit macht mir Spaß. Wenn ich krank bin, vermisse ich es sogar.“ Früher war die Nachtarbeit gut vereinbar mit der Familie – in den Morgenstunden war sie zurück, um mit den Kindern in den Tag zu starten. Inzwischen habe sich ihr Biorhythmus an die ungewöhnlichen Arbeitszeiten angepasst. Sie sei ihr eigener Herr, wenn sie unterwegs ist, das schätze sie bis heute.
Neben den fünf besonders ausgezeichneten Jubiläen, folgten rund 40 weitere langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – alle von ihnen mindestens zehn Jahre dabei – der Einladung ins Brauhaus in Mülheim. Über 26 Millionen Zeitungen hätten allein die Anwesenden in insgesamt 790 Arbeitsjahren verteilt. Dabei hätten sie 837.795 Kilometer zurück gelegt. „Das ist 21 Mal um die Welt“, rechnet Sabine Feckler, Geschäftsführerin der RZZ Köln Rheinland, vor.

