Für die Nutzungsgebühren seien die Zustände im Wohnheim an der Mündelstraße nicht haltbar, bemängelt der Mülheimer Verein Mosaik.
19 Euro pro QuadratmeterKölner Verein kritisiert Zustände in Mülheimer Wohnheim für Geflüchtete

Das Wohnheim an der Mündelstraße.
Copyright: Rika Kulschewski
Kaputte Duschen, Waschmaschinen und Küchengeräte, heruntergekommene Möbel und Wände, Verschmutzung und Schimmel – davon berichtet Roland Lehrecke vom Verein Mosaik im Wohnheim für geflüchtete Menschen in der Mündelstraße in Köln‑Mülheim. „Das Haus ist wirklich sehr heruntergekommen und es sind keine Umstände, in denen man sich wohlfühlen kann. Gerade für die hohen Nutzungsgebühren halten wir es für nicht menschenwürdig.“
307,49 Euro zahlt ein Bewohner, der anonym bleiben möchte, für eine Nutzfläche von 15,53 Quadratmetern. Die Kaltmiete liegt bei 291,96 Euro. Das entspricht fast 19 Euro pro Quadratmeter und liegt damit deutlich über dem Durchschnitt von 15,67 Euro in Köln. „Dieser Preis pro Quadratmeter ist eine Frechheit, für das, was geboten wird“, kritisiert Lehrecke, „das steht in keiner Relation.“

Roland Lehrecke vom Verein Mosaik
Copyright: Rika Kulschewski
Verein kritisiert Zustände in Wohnheim an der Mündelstraße
Die Nutzungsgebühren müssen Geflüchtete zahlen, die in städtischen Unterkünften leben und arbeiten oder anderweitige Leistungen beziehen. Die Höhe der Gebühr beruhe auf einer Gebührenkalkulation nach dem Kommunalabgabengesetz NRW, in die sämtliche objektbezogene Kosten pro Objekt und Kategorie einfließen, um hieraus einen Mittelwert zu errechnen, teilt die Stadt Köln auf Anfrage dieser Zeitung mit: „Diese werden nach aktuell gültiger Satzung durch die Mietobergrenze gedeckelt. Innerhalb der Kategorienunterteilung wurden die Standards der einzelnen Objekte berücksichtigt.“
Die Standards des Objekts hält Roland Lehrecke jedoch nicht für dem Preis entsprechend. Der anonyme Bewohner wohnt seit einigen Jahren in dem Wohnheim; die Gebühren muss er bezahlen, seitdem er einen Vollzeitjob hat: „Wenn ich nicht arbeite, bekomme ich keine Aufenthaltsgenehmigung mehr“, erzählt er, „ich bin froh, hier wohnen zu können, aber das Zimmer ist nicht so toll und es ist immer wieder was kaputt, deshalb will ich mir eine andere Wohnung suchen, aber das ist nicht so einfach in Köln.“
73 Geflüchtete sind laut der Stadt Köln in dem Wohnheim in der Mündelstraße untergebracht. Küche, Dusche und Toilette teilen sie sich. Betreut werden die Bewohner vom Sozialen Dienst des Amtes für Wohnungswesen. Sie hätten daher laut Stadt täglich die Möglichkeit, Schäden zu melden. „Städtische Mitarbeitende des Objektservice oder entsprechende Fachfirmen beheben diese dann schnellstmöglich“, teilt die Stadt auf Anfrage dieser Zeitung mit. „Gemeinschaftsküchen und -sanitäranlagen werden bis zu zweimal täglich gereinigt.“
Unterbringung von Geflüchteten laut Stadt weiter möglich
Doch laut Roland Lehrecke entspreche das nicht der Realität. Er halte die Zustände für nicht hinnehmbar. „Das Haus ist einfach alt, es sollte schon in den 70ern abgerissen werden“, betont er, „entsprechend ist auch der Zustand.“ Laut Stadt sei das Wohnhaus in einem altersgemäßen Zustand, aber das Gebäude verfüge über keine Sicherheitsmängel. „Im Rahmen von Instandhaltung und Verkehrssicherheit werden alle Schäden schnellstmöglich behoben.“
Damals wurde das Haus nicht abgerissen, weil Geflüchtete nach Köln kamen und dort unterkommen konnten. 2015 stieg die Anzahl laut Lehrecke massiv an. „Wir haben dann direkt Initiative ergriffen, haben den Geflüchteten durch den bürokratischen Dschungel geholfen und auch versucht, die Stadt und die Sozialarbeiter zu unterstützen“, sagt er. Doch mittlerweile sei die Zusammenarbeit weniger geworden, der Verein versuche aber weiterhin, die Bewohner zu unterstützen, und bekomme dabei die Zustände im Haus mit.
Laut Stadt liege für einen Abriss und Neubau bereits eine Planungsstudie vor: „Es ist hierbei angedacht, die städtische Fläche zur Realisierung sozialer und innovativer Wohnprojekte an einen Investor zu vergeben, der die Projekte sowohl baulich als auch inhaltlich umsetzt. Derzeit wird es jedoch noch dringend zur Unterbringung von Geflüchteten benötigt, sodass ein Abriss derzeit nicht in Frage kommt.“ Sollte das Objekt doch irgendwann aufgegeben werden, sollen den Bewohnern alternative Unterbringungsmöglichkeiten angeboten werden. Momentan sei die Unterbringung von Geflüchteten an dem Standort weiterhin möglich.
Lehrecke betont, dass dann etwas an den Zuständen vor Ort verändert werden muss. „Wir wünschen uns, dass hier eine spürbare Verbesserung stattfindet“, sagt Lehrecke, „die Menschen haben das Recht, sich wenigstens einigermaßen wohlzufühlen.“
