Abo

Obdachlose FrauenKölner Stiftung möchte Gästehaus in Mülheim betreiben

4 min
Drei Frauen stehen nebeneinander vor einem Aufsteller.

Annegret Gutzmann, Susanne Zickler und Maria Beckermann wollen ein Wohnheim für Frauen  im Mülheimer Norden einrichten. 

Die „Stiftung Frauenleben in Köln“ wollte ein Gästehaus in Mülheim einrichten. Die Bethe-Stiftung war mit im Boot, doch nun scheint der Plan nicht aufzugehen.

Eigentlich habe sich alles perfekt gefügt, erzählt Maria Beckermann von der Stiftung Frauenleben in Köln, die das Ziel hat, feministische Frauenprojekte zu fördern und sichtbar zu machen. Die Stiftung wollte ein Wohnhaus für wohnungslose Frauen einrichten und hat vor gut einem Jahr eine ideale Immobilie im Mülheimer Norden gefunden. Da die Stiftung keine vermögende Stiftung ist, wandte sie sich an die Soziale Wohnraumagentur (SWA) der Stadt Köln sowie die Bethe-Stiftung.

Blick in einen Raum, in dem ein Bett und eine Spüle sind.

In dem Haus im Mülheimer Norden könnten Appartements für wohnungslose Frauen eingerichtet haben.

So entstand ein Plan: Die Bethe-Stiftung sollte die Immobilie erwerben und sie an die SWA als Generalmieterin weitergeben. Im Auftrag des Amtes für Soziales, Arbeit und Senioren der Stadt Köln sollte sie das Bindeglied sein zwischen Vermietenden und den wohnungslosen Menschen, die von der Stadt oft in Einfachhotels untergebracht werden. Die Stiftung Frauen*leben Köln wollte vor allem die Initialzündung geben und dann in dem Haus so involviert sein, wie es gewünscht und sinnvoll ist. 

„Alle waren angetan von der Idee“, sagt Beckermann. „Die Immobilie ist ideal für Frauen, die plötzlich ohne Wohnung auf der Straße stehen, aber selbstständig leben können.“ Das 360 Quadratmeter große Gästehaus liegt im ersten Stock und hat zwölf Apartments. Zehn sind so ausgebaut, dass sie als Unterkunft dienen können. Sie haben alle eigene Bäder und eine kleine Küche. „Das Haus könnte so perfekt genutzt werden, dass die Frauen ihren eigenen Raum haben, in dem sie selbstständig leben können, und in den Gemeinschaftsräumen unten und auf der Dachterrasse kann dann ein Miteinander entstehen, wenn gewünscht“, erklärt Beckermann.

Köln-Mülheim: Stiftung Frauen*leben in Köln möchte Wohnraum für wohnungslose Frauen schaffen

Im Erdgeschoss befindet sich zudem eine 650 Quadratmeter große Tischlerei, die der Eigentümer geführt hat und jetzt abgeben will. Wofür der Raum genutzt werden könnte, ist offen. Die drei Stifterinnen, die alle Frauenärztinnen sind, würden sich drei Krankenwohnungen für wohnungslose Frauen, eine kleine frauenmedizinische Praxis und einen Begegnungsraum wünschen. Das war jedoch keine zwingende Voraussetzung. Das Wichtigste seien die Appartements gewesen, betont Maria Beckermann.

Ein zweistöckiges Gebäude ist zu sehen.

In diesem Haus an der Buchholzstraße möchte eine Kölner Stiftung ein Gästehaus für wohnungslose Frauen einrichten.

„Laut Wohnungslosenbericht sind etwa 40 Prozent der  Wohnungslosen weiblich. Bei der Arche für Obdachlose in Mülheim sehen wir aber, dass 85 Prozent der Gäste Männer sind. Da fragen wir uns, wo sind die wohnungslosen Frauen?“, erzählt Beckermann. „Es gibt sie, aber sie sind im öffentlichen Raum häufig unsichtbar. Sie brauchen sichere Räume.“ Ein solcher Raum sollte im Mülheimer Norden entstehen.

Trotz der guten Vorzeichen ist neun Monate später klar, dass aus dem Plan erstmal nichts wird. „Der Eigentümer der Immobilie hat sein ursprüngliches Angebot, das Gästehaus separat zu verkaufen, zurückgezogen. Für den sich ebenfalls in der Immobilie befindlichen Handwerksbetrieb (Schreinerei) hat jedoch weder die Stiftung Frauen*leben noch unsere Stiftung Verwendung“, teilt die Bethe-Stiftung auf Anfrage mit. 

Köln: Gästehaus für wohnungslose Frauen scheitert an Verhandlungen

„Es war ein halbes Jahr ein Hin und Her“, erklärt der Eigentümer Heinz-Uwe Becker. „Der Preis von 2,3 Millionen Euro war von Anfang an bekannt und der war natürlich verhandelbar, aber 1,8 Millionen kann ich nicht machen.“ Für den Eigentümer sei der Erlös seine Rente, die er kalkuliert hat, weshalb er den Preis nicht weiter reduzieren könne. „Ich finde es schade, dass es jetzt nicht klappt“, sagt Becker. „Die Bethe-Stiftung ist auf mich zugekommen und war begeistert. Es ist ein schönes Ding und es wäre eine schöne Sache gewesen, aber ich muss davon leben.“

Die Stadt Köln habe grundsätzlich großes Interesse an Wohnangeboten ausschließlich für Frauen, teilt sie dieser Zeitung mit: „Durch die SWA kann eine Anmietung für die Nutzung für Frauen prinzipiell sichergestellt werden. Die Hausverwaltung verbleibt – wie bei Mietverhältnissen üblich – beim Eigentümer.“ 

Letztlich wird das geplante Projekt im Mülheimer Norden aber nicht mehr wie geplant umsetzbar sein, höchstens dann, wenn sich ein neuer Käufer fände. „Ich finde das traurig, aber jetzt kommen so viele Hürden von allen Seiten, dass ich es nicht für sinnvoll halte, das zu erzwingen“, sagt Beckermann, die die Hoffnung nicht aufgeben möchte. „Ich denke und hoffe, dass sich andere Möglichkeiten ergeben werden, um wohnungslosen Frauen zu helfen. Wir können keine großen finanziellen Sprünge machen, aber engagieren werden wir uns weiterhin.“