Ein Gutachten hat den Namenspaten der Fritz-Lehmann-Straße in Mülheim als Nazi identifiziert. Eine Umbenennung der Straße steht an. Vielleicht in Fritz-Lehmann-Straße?
Straßen-Debatte in KölnDie Fritz-Lehmann-Straße könnte Fritz-Lehmann-Straße werden

Mülheimer Politiker wollen Straßennamen beibehalten, aber an andere Person erinnern.
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„Generaldirektor und Aufsichtsratsvorsitzender verschiedener Kölner Großunternehmen. 1923–1927 Beigeordneter im Rat der Stadt Köln für Bahnen und Werke.“ Diese Erläuterung findet, wer sich auf die Seite der Stadt Köln begibt, um die Herkunft der Kölner Straßennamen zu recherchieren. Bei der hier beschriebenen Person handelt es sich um Fritz Lehmann. Nach ihm ist eine Straße im Mülheimer Norden benannt. So weit, so schlecht, denn ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten hat ergeben, dass es sich, kurz gesagt, bei Fritz Lehmann um einen Nazi-Profiteur handelte.
Über diesen Umstand hatte die Stadt die Bezirksvertretung Mülheim informiert. In ihrer vergangenen Sitzung wurde nun das weitere Prozedere verhandelt. Seitdem die Ergebnisse des Gutachtens einer von der Stadt beauftragten Historikerin im Jahr 2023 öffentlich wurden, haben sich verschiedene Bezirksvertretungen der Stadt immer wieder mit nötigen Umbenennungen befasst.
Straßenumbenennung in Nippes
Zuletzt hat etwa die Bezirksvertretung Nippes die Umbenennung der Gustav-Nachtigal-Straße in Manga-Bell-Straße beschlossen. Der Name des Reichskommissars für Westafrika, der auch mit Gewalt für die indigene Bevölkerung nachteilige Abkommen für das Deutsche Reich durchsetzte, weicht also dem Namen eines kamerunischen Ehepaars, das ein Opfer der deutschen Kolonialzeit war. Rudolf Manga Bell wurde im Jahr 1914 hingerichtet. Der Austausch der Schilder wird im Nippeser Afrikaviertel am 25. September offiziell vollzogen.
Vorausgegangen sind diesem Schritt zwei Öffentlichkeitsbeteiligungen mit einer Debatte über mögliche alternative Namenspaten und diverse Beratungen im Bezirksparlament. In Mülheim kam man nun auf eine Idee, wie sich der Prozess eventuell abkürzen ließe: Mülheims zweiter stellvertretender Bezirksbürgermeister Stephan Krüger (CDU) hatte die Idee ins Rennen gebracht, den Nazi-Lehmann schlicht einzutauschen gegen einen Namenszwilling: Fritz Lehmann, Kölner Mitbürger jüdischer Abstammung, der an der Universität im Bereich BWL lehrte, und 1933 vor den neuen Machthabern in die USA emigrierte, wo er sich 1940 das Leben nahm.
Man würde somit die Quelle des Namens schlicht umdeklarieren, wie die anwesende Fachfrau aus dem Liegenschaftsamt erläuterte. Dass man dies jedoch nicht einfach hinter dem Rücken der Anwohner einstielen solle, darauf einigten sich am Ende der Debatte schließlich die Bezirksvertreter.
Der Antrag, diesen Vorschlag den Anwohnern zu unterbreiten, wurde einstimmig angenommen. Immerhin sei eine Straßenumbenennung für die Anwohnenden mit einem beachtlichen bürokratischen Aufwand verbunden. Zumal sich in der Fritz-Lehmann-Straße auch zahlreiche Gewerbebetriebe befänden, wie Vertreter des Gremiums zu berichten wussten. Der Aufwand rund um die Neueintragung im Handelsregister und auch die Adresskorrektur von privaten Papieren sei nicht zu unterschätzen. Der Wechsel von Fritz Lehmann zu Fritz Lehmann könnte eine elegante Lösung sein.
