Die Gesamtschule Weidenpesch ist nun nach dem jüdischen Pädagogen Ernst Simons benannt. Schon bis 2024 trug eine Kölner Schule seinen Namen.
Kölner Schule umbenanntGesamtschule Weidenpesch heißt jetzt neuen Namen

Bei einer Tanzrevue präsentiert eine Gruppe von Schülerinnen das neue Namenskürzel der Gesamtschule.
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„Wir feiern unseren neuen Namen – und setzen Ernst Simons damit zugleich ein Namensdenkmal“, erklärte Patrick Foxius-Werneburg, Leiter der Ernst-Simons-Gesamtschule im Interimsquartier auf dem Bürgerpark Nord, Escher Straße 279 / Ecke Äußere Kanalstraße bei der Feierstunde in der Aula. „Die Namenspatenschaft ist günstig für die weitere Entwicklung unserer Schule.“ Mit der Namenswahl setze die Gesamtschule ein Signal, „das heute wichtiger ist denn je“, ergänzte Boris Preuss, Abteilungsleiter Schule bei der Bezirksregierung Köln. „Demokratie ist nicht etwas, das man einfach lernen kann, sondern man muss sie erleben und erfahren. Sie in der Schule leben dieses Prinzip.“
Im Zeichen des Kölner Pädagogen, der von 1919 bis 2006 lebte, lud die 2024 gegründete vormalige Gesamtschule Weidenpesch – so benannt nach ihrem geplanten endgültigen Quartier an der Schmiedegasse – zu ihrem Schulfest unter dem Motto „Wir meinen's Ernst“ auf dem kompletten Areal ein. Hunderte Gäste kamen im Verlauf des Nachmittags und Abends vorbei, darunter zahlreiche Angehörige befreundeter Schulen sowie Nachkommen von Ernst Simons, die unter anderem eigens aus den Niederlanden, Belgien, Israel und den USA angereist waren. Das sechsköpfige Vokalensemble der Gesamtschule Rodenkirchen begleitete die Feier musikalisch.
Ernst Simons und seine Frau überlebten das KZ Bergen-Belsen
Wegen seines jüdischen Glaubens hatte Ernst Simons, Sohn eines Rabbiners, 1935 das Deutzer Gymnasium verlassen müssen; zwei Jahre später wanderte er in die Niederlande aus und begann dort eine Lehrerausbildung. Durch den deutschen Überfall aufs Nachbarland 1940 holte ihn der NS-Terror ein: Er wurde verschleppt und zur Zwangsarbeit verpflichtet, schließlich 1943 mit seiner Frau Anna ins KZ Bergen-Belsen deportiert. Wie durch ein Wunder, so bewertete er es selbst, überlebten beide die Lagerhaft, bis sie im April 1945 befreit wurden. Nach einigen Jahren in den USA kehrte das Paar mit zwei Töchtern bereits 1952 in seine Heimatstadt Köln zurück. Simons wurde Leiter der später nach ihm benannten Realschule in Müngersdorf. Zudem engagierte er sich für Inklusion und als Zeitzeuge. Seine Schule legte 2024 den Namen ab, als sie in der neu gegründeten Gesamtschule Lindenthal aufging. Im März bestätigte der Rat per Votum die Neubenennung der Gesamtschule Weidenpesch nach Ernst Simons.
Zu seiner neuen Patenschule passt der Name perfekt – sie pflegt ein Miteinander, das im Sinne Simons' durch Gemeinschaftsgeist, Weltoffenheit und Toleranz geprägt ist. Zum Schulprogramm gehört auch die „Holocaust Education“, bei der sich die Schülerschaft intensiv mit den Hintergründen des Menschheitsverbrechens auseinandersetzt; der Schulleiter hatte 2014 hierzu eine Fortbildung im israelischen Yad Vashem absolviert. Die Kenntnisse halfen auch beim Erarbeiten der begleitenden Ausstellung, für die die Jugendlichen mit Angehörigen und Zeitzeugen sprachen sowie intensiv in Archiven recherchierten.

