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Gesamtschule NippesStadt Köln muss Baufirmen kündigen – Umzug verzögert sich erneut

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Anfang des Jahres hatten Schüler und Lehrer mit Politikern und Architekten die Grundsteinlegung für die neue Gesamtschule gefeiert.

Anfang des Jahres hatten Schüler und Lehrer mit Politikern und Architekten die Grundsteinlegung für die neue Gesamtschule gefeiert.

Köln-Longerich – Es gab bereits erste Gerüchte; später sollten sie sich bewahrheiten: Auch der felsenfest anvisierte Umzugstermin der Carl-von-Ossietzky-Gesamtschule, mit Beginn des neuen Schuljahres 2018/19 endlich ihren Neubau an der Ossietzkystraße 2 beziehen zu können, ist nicht mehr zu halten. Die Stadt bestätigte entsprechende Spekulationen per Pressemitteilung.

Ursache für die neue Verzögerung seien unumgänglich gewordene Kündigungen beteiligter Baufirmen infolge schlechter Leistungen. Die „damit notwendig gewordenen Neubeauftragungen mehrerer Gewerke führen zu einem deutlichen Verzug bei der Terminplanung für das Schulbauvorhaben“, erläutert Stadt-Pressesprecher Jürgen Müllenberg.

Gute Konjunktur erschwert Suche

Die folgenden Arbeitsschritte auf der Baustelle müssten mit dem Teilstopp zwangsläufig nach hinten verlegt werden; die Engpässe in der Baubranche aufgrund guter Konjunktur erschwerten die Suche nach Alternativen zusätzlich.

Die Verwaltung führe bereits Gespräche mit allen Beteiligten und prüfe, wie sich das Projekt doch noch etwas beschleunigen lasse. Die Schulleitung sei informiert. Zur jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Nippes, als die Schule Thema war, war das Problem noch niemandem bekannt.

Ursprünglich war für den Neubau sogar eine Fertigstellung zum Sommer 2016 anvisiert. Schon dieser Termin hatte sich zerschlagen, größtenteils jedoch ohne Zutun der Stadt: Hauptursache war ein sich hinziehender Rechtsstreit mit einem Bieter für den Neubau.

Wegen Formfehler ausgeschlossen

Ihm war ein Formfehler unterlaufen - er hatte sich bei seiner Kalkulation einer Teilleistung um den Faktor 1000 vertan und unterbreitete so ein utopisch günstiges Angebot. So wurde er aus rechtlichen Gründen von der Ausschreibung ausgeschlossen, wogegen er monatelang, letztlich erfolglos, klagte - durch die Instanzen. Das Projekt verlor wertvolle Zeit.

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Die zwei Extra-Jahre hat die Gebäudewirtschaft mit zusätzlichen Klassen-Containern im Park hinter dem Interims-Schulhaus an der Paul-Humburg-Straße überbrückt, in der die Einrichtung untergebracht ist. Weitere Container stehen auf dem Schulhof und im Vorgarten des für eine Gesamtschule heillos unterdimensionierten Gebäudes.

Abitur in Container-Bauten

Die schlechte Nachricht beim Schulbau überrascht auf den ersten Blick, denn seit der Grundsteinlegung an der Ossietzkystraße zu Jahresanfang schien es, als ob die Arbeiten gut vorangingen. Besonders traurig dürfte die Nachricht für die Gründungsmitglieder der Schule sein, die 2010 als erster Fünftklässler-Jahrgang am Erststandort, der Brehmstraße in Riehl, begannen. Mit der Verzögerung um ein Jahr werden sie zu ihren Schulzeiten den Neubau nicht mehr von innen erleben; ihr Abitur werden sie in Container-Bauten ablegen müssen.

Wie es im aktuellen Schulbetrieb weitergeht und wo Kapazitäten für das zusätzliche Interimsjahr entstehen sollen, weiß zur Stunde noch niemand. Die Elternpflegschaft reagierte enttäuscht, aber gefasst auf die Nachricht. „Wir sind im Laufe der Jahre realistisch geworden“, so Peter Heim, Mitglied der Pflegschaft und Vorsitzender der früheren Elterninitiative „Genial“, die sich für die Schulgründung einsetzte. Bedenklich und unglaublich sei, dass erneut aus Verfahrensgründen Zeit verloren gehe. „Was der Schule zugemutet wird, ist heftig.“

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