Der Träger „Zug um Zug“ will seinen Nahkauf-Markt in Alt-Niehl einstellen: Für den Standort wird ab Anfang 2027 ein Nachfolger gesucht.
Inklusions-SupermarktZeit für Alt-Niehler Nahkauf läuft 2027 ab

Der Inklusions-Supermarkt in Alt-Niehl (Archivbild)
Copyright: Bernd Schöneck
Die Eröffnung des Nahkauf-Markts an der Sebastianstraße 186 im Jahr 2012 war in mehrfacher Hinsicht ein Gewinn: Nicht nur schloss er in Alt-Niehl die Versorgungslücke bei Lebensmitteln, Drogerie- und Haushaltswaren des täglichen Bedarfs, die sich 2009 durch die Schließung des damaligen „Kaiser’s“ an gleichem Ort aufgetan hatte; auf nur 580 Quadratmetern Fläche bietet der Laden ein Sortiment von rund 10.000 unterschiedlichen Artikeln. Sondern hier fanden auch gezielt Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz. Als Träger des Marktes fungiert die Rheinkauf gGmbH, ein Tochterunternehmen des Integrations- und Qualifizierungsvereins „Zug um Zug“, der auch Träger des Bürgerzentrums Nippes ist.
Dieses Kapitel droht nun ein Ende zu nehmen: Die Zug um Zug Rheinkauf gGmbH gab am Montag bekannt, dass sie ihre Filiale mittelfristig nicht weiter betreiben werde. Noch das komplette Jahr 2026 bleibe der Betrieb aufrecht erhalten; ab Anfang 2027 solle der Markt möglichst an einen Nachfolger übergeben werden. Bereits im August 2024 hatte der zwischenzeitlich zweite Supermarkt der Rheinkauf gGmbH an der Aachener Straße 1240 in Weiden geschlossen, der seinerseits seit September 2016 bestand. Auch dort wurde inklusiv gearbeitet.
Wirtschaftliche Gründe gaben den Ausschlag – Suche nach Nachfolger
Für die Entscheidung führt der Träger wirtschaftliche Gründe an. „Uns fällt es sehr schwer, diesen Schritt gehen zu müssen“, so Bastian Revers, Geschäftsführer der Zug um Zug Rheinkauf gGmbH. „Gerade einen langfristigen Arbeitsplatz für Menschen mit und ohne Behinderung anbieten zu können und damit zudem noch die Lebensmittelnahversorgung der Menschen im Veedel abzudecken, ist uns immer ein besonderes Anliegen gewesen. Wir wissen, dass unser Markt zudem auch für viele Menschen ein zentraler Anlaufpunkt für den sozialen Austausch war und ist.“ Der härtere Wettbewerb am Standort, anstehende Investitionskosten sowie die eigene wirtschaftliche Situation zwingen nun aber zu diesem Schritt. „Wir danken unseren Kundinnen und Kunden für ihre langjährige Treue.“
Aktuell suche man einen Nachfolge-Betreiber, der den Standort weiterführen könnte. Im Falle einer Übernahme durch einen anderen Betreiber würden auch die Arbeitsplätze der aktuellen Mitarbeitenden zunächst gesichert sein. Der Supermarkt, der mit der Rewe-Gruppe als Großhandelspartner arbeitet und in deren Stil der Laden designt ist, wird wegen seines Inklusionskonzepts auch durch die Aktion Mensch, den LVR, die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe und das NRW-Arbeitsministerium unterstützt. Auch in den sozialen Medien ist die drohende Schließung ein heiß diskutiertes Thema. „Viele Niehler drücken die Daumen, dass hier doch noch eine Lösung für Euch und uns Niehler gefunden wird“, schreibt eine Nutzerin auf Facebook.
