Den Namen Feldgärtenstraße habe man sich zum Programm gemacht, erläuterte Sonja Gallo vom siegreichen Kölner Architekturbüro „caspar“ bei der Präsentation ihres Entwurfs in der „Schötzekuhl “der St.-Sebastianus-Bruderschaft, direkt am Baufeld gelegen, für die neue Siedlung. „Unser Entwurf setzt auf Feld und Gärten, die Verzahnung mit der umgebenden Landschaft und eine natürliche Durchlüftung des Quartiers.“ Der Entwurf, in Zusammenarbeit mit der Landschaftsplanung von „Studio grüngrau“, hatte sich im Architekten-Wettbewerb unter fünf Einreichungen durchgesetzt. „Wir nehmen die Ausrichtung der Nachbar-Bebauung auf und staffeln in Richtung der Baufeld-Mitte die Gebäude nach oben.“
Der Projektentwickler Bonava plant eine Siedlung mit 290 Wohnungen zwischen Feldgärtenstraße, Im Grund, dem Alt-Niehler Friedhof und dem Grünzug nahe der Industriestraße. Bezirksvertretung und Ausschuss beschlossen bereits, einen Bebauungsplan aufzustellen. Nun wurde beim Info-Abend im „Wohnzimmer“ der Niehler Schützen erstmals die Öffentlichkeit beteiligt; mit rund 120 Gästen war die Resonanz groß. Dort stellten sich Gallo mit Maike Limbrock von der Bonava, Stadtplanungsamtsleiterin Eva Herr und Mitarbeiter Hendrik Schwark, Beate Connert vom Stadtplanungsbüro Zimmermann sowie die Nippeser Bezirksbürgermeisterin Diana Siebert der Diskussion.
Fünf Vierer-Ensembles bilden die neue Siedlung in Köln-Niehl
Der Siegerentwurf sieht insgesamt 20 verschiedenfarbige Gebäude zwischen drei und sechs Etagen Höhe vor, die sich in fünf Vierergruppen um jeweils einen kleinen, halböffentlichen Hofgarten gruppieren. Durch die Siedlung, die von der Feldgärtenstraße her erreichbar ist, führt eine schlaufenförmige Ringstraße, in deren Mitte eine große Grünfläche als Zentrum des Quartiers liegt. Im Norden des Areals, zur Reihenhaussiedlung Im Grund hin gelegen, ist die Bebauung drei- bis vierstöckig; ein Gebäude ganz im Südwesten, zu zwei Seiten an den Friedhof grenzend, weist sechs Etagen auf. Von den 290 Wohnungen sollen 107 als öffentlich geförderte Mietwohnungen entstehen, die an Investoren verkauft werden; der Rest geht als Eigentumswohnungen auf den Markt.

Architektin Sonja Gallo vom Büro Caspar (r.) erläutert den Gästen das Modell für die neue Siedlung.
Copyright: Bernd Schöneck
Unter dem Quartier wird eine Tiefgarage mit insgesamt 150 Plätzen liegen; die durchgängig befahrbare Garage mit Einfahrt am Siedlungseingang weist fünf Sektoren auf, die jeweils genau unter den fünf Gebäude-Clustern liegen. Im Westen des Areals sind Spiel- und Bewegungsflächen geplant, dahinter schließt sich ein Park an. „Wir rechnen mit insgesamt drei Jahren Gesamtplanungsdauer“, so Hendrik Schwark vom Planungsamt – also bis ungefähr Anfang 2029.
Sorge vor Verkehrsbelastung und Überdimensionierung des Projekts
Die Anwesenden nahmen das Projekt interessiert auf, äußerten jedoch ihre Bedenken sowohl wegen des zusätzlichen Verkehrs, als auch wegen fehlender Parkplätze. Von 450 Pkw-Fahrten hin und zurück, also 900 Fahrbewegungen, geht das Verkehrsgutachten aus. „150 Pkw-Stellplätze auf knapp 300 Wohnungen, das sieht mir etwas knapp aus“, so ein Besucher. „Die werden dann irgendwo stehen und das ergibt eine Katastrophe“, ergänzte eine weitere Besucherin. Die Straßen seien schon heute eng, in der Nähe liege eine Schule; demnächst komme wieder Durchgangsverkehr hinzu, wenn der Rheindüker am derzeit von Norden her gesperrten Niehler Damm fertig sei. Im Laufe des Abends kam immer mehr das Argument auf, dass die Siedlung insgesamt zu groß dimensioniert für das historisch gewachsene kleine Fischerdorf sei.
Schwark wies auf den Konflikt zwischen Flächenschutz und Wohnungsbau hin. „Wir brauchen dringend Wohnungen und können uns nicht leisten, hier mit Einfamilienhäusern zu agieren.“ Erfahrungsgemäß sei gerade bei geförderten Wohnungen die Pkw-Besitzquote niedrig. Laut Eva Herr sei der siegreiche Wettbewerbsentwurf zugleich derjenige mit dem meisten Grün gewesen. Das Projekt biete auch einen Nutzen für die Öffentlichkeit, indem das bislang geschlossene Areal zugänglich und durchgängig werde. Wie Siebert meinte, sei das Vorhaben zudem eine Chance für Alt-Niehl und seine Infrastruktur – denn zusätzliche Kaufkraft käme ins Veedel.
*** Kommentar ***Frische Farben, recht viel Grün und eine Reihe guter Ideen: Die geplante Siedlung an der Feldgärtenstraße verspricht, ein Hingucker zu werden, mit einer obendrein hohen Quote an gefördertem Wohnraum. Noch aber gibt es viele Sorgen im Veedel – vor dem fließenden und ruhenden Verkehr, den sie mit sich bringt, und dass die Bebauung ein Fremdkörper im sehr kleinteiligen Quartier sein könnte. Gut, dass noch genug Zeit ist, den Bedenken im weiteren Verfahren zu begegnen. So oder so: Nach dem Dükerbau mit jahrelanger Vollsperrung am Niehler Damm steht dem Fischerdorf ein weiteres Großprojekt ins Haus – in Alt-Niehl wird's nicht langweilig!

