Im Bezirksrathaus und der Bibliothek Nippes sollen Menstruationsartikel künftig kostenlos erhältlich sein – als Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit.
Hygiene und soziale GerechtigkeitPolitik fordert Menstruationsartikel auf Nippeser Stadt-WCs

Damenbinden und Tampons liegen in einer Toilette aus. (Symbolbild)
Copyright: dpa
Binden und Tampons sollen in den städtischen Toiletten im Foyer des Bezirksrathauses Nippes sowie der Stadtteilbibliothek im gleichen Gebäude zukünftig frei zugänglich und gratis erhältlich sein. Den gemeinsamen Antrag von Bündnis 90/Grünen- und Linken-Fraktion sowie des Volt-Vertreters beschloss die Bezirksvertretung Nippes mehrheitlich, gegen die Stimme der AfD. Die CDU-Fraktion enthielt sich.
Geplant ist, dass auf den beiden städtischen WCs Menstruationsprodukte in Spenderboxen erhältlich sind, sowohl auf Damen- als auch auf Herrentoiletten. Wo ausreichend große Flure dies möglich machen, sollen die Spenderboxen dort angebracht werden. Ein entsprechendes Pilotprojekt startete 2023 in den städtischen Bürgerhäusern und -zentren. Im Bürgerhaus Kalk etwa gibt es in den jeweiligen WCs, auch bei den Männern, Tampon-Spenderboxen neben den Waschbecken zum freien Zugriff; per Zugang über QR-Code konnten Toilettengäste ihre Meinung zum Modellversuch mitteilen. Wie die Antragsteller schildern, sei das Pilotprojekt sehr positiv aufgenommen worden, es habe verhältnismäßig wenig Fälle von Zerstörungswut gegeben.
Zusätzliche finanzielle Belastung für Frauen
Enthalten sei jedoch nicht nur eine hygienische, sondern auch eine soziale Komponente, wie Vize-Bezirksbürgermeisterin Joanna Dommnich (Linke) erläuterte. „Menstruationsprodukte stellen eine erhebliche Mehrbelastung für die Personen dar, die sie benötigen. Studien gehen hierfür von rund 20.000 Euro im Laufe des Lebens aus. Zudem kommt die Menstruation nicht regelmäßig und kann gewissermaßen zum Abbruch des Tages führen. Für uns gehören Menstruationsartikel zur sanitären Vorsorge wie Klopapier.“
Die CDU reagierte skeptisch auf den Vorstoß. „Wir halten es für eine höchstpersönliche Sache, und die Besetzung der Toiletten nicht für ein Politikum“, so Fraktionschef Christoph Schmitz. Es sei gerade keine Privatsache, sondern es handle sich um eine Schlechterstellung von Frauen, entgegnete Annerose Bergmann (Linke). „Sie haben die Menstruationsartikel zusätzlich aufzuwenden, daher ist es eine Sache der mangelnden Gleichstellung.“ Laut Bürgeramtsleiter Franz Dillmann gebe es über Bezirksrathaus und Stadtteilbibliothek keine weiteren WCs im Eigentum des Bezirks Nippes. „Viel ist es also nicht, eher ein Tropfen auf den heißen Stein.“

