Kölner Stadt-Anzeiger · Community

Kommentare · 0

Abo

Nippon in NippesJapanische Quartiersentwickler besuchen Autofreie Siedlung

Drei Mitglieder eines japanischen Immobilien-Großkonzerns ließen sich das außergewöhnliche Nippeser Veedel zeigen.

Von
Auf einer sonnigen Grünfläche zwischen Wohnhäusern erklärt ein Mann mit Schiebermütze einer Gruppe von fünf Personen etwas.

Auch der kleine Veedelsgarten war eine Station des Rundgangs.

„Unsere Siedlung ist so angelegt, dass man hier nicht unbedingt ein eigenes Auto braucht“, erläuterte Hans-Georg Kleinmann aus dem Vorstand des Vereins „Nachbarn 60“ für die Autofreie Siedlung. „Die Neusser Straße zum Einkaufen liegt nahe, ebenso wie zwei S-Bahn-Stationen. Und für alle Fälle stehen uns 22 Carsharing-Pkw zur Verfügung.“ Die drei japanischen Gäste, von Dolmetscherin Reiko Saito unterstützt, nickten eifrig, machten sich Notizen und fotografierten.

Eine weitere Besonderheit des Quartiers ist die Mobilitätsstation des Vereins am südlichen Siedlungseingang, die allen Mitgliedern per Transponder rund um die Uhr zugänglich ist. „Bei 1500 Leuten, die hier leben, gibt es viele Sachen, die man braucht, das jedoch nicht ständig“, so Kleinmann – etwa Werkzeuge, Leitern oder Partybedarf wie Bierbänke und Tische sowie Geschirr in großen Mengen. All das ist in der Station ohne Zusatzkosten ausleihbar – ebenso wie Kettcars, Lastenräder und Schwertransportwagen. „Obwohl so viele Leute die Sachen nutzen, verschwindet sehr selten etwas“, bemerkte Kleinmann. „Das System funktioniert.“

Ein japanischer Immobilienriese

Nippon, so der Eigenname Japans in der Landessprache, war zu Gast in Nippes: Im Rahmen seiner Studienreise durch Deutschland machte das japanische Trio Halt im Veedel. Die drei kommen von der UR Community Co., Ltd., einer Tochtergesellschaft der staatlichen Urban Renaissance Agency mit Sitz in Yokohama, die in Japan rund 700.000 Mietwohnungen verwaltet. Beim Besuch in der Autofreien Siedlung will die Reisegruppe nachhaltige Quartierskonzepte und zukunftsfähige Mobilitätslösungen kennenlernen. Schon mehrfach hatte das Autofrei-Quartier mit 440 Wohneinheiten, für das vor 20 Jahren die Bauarbeiten begonnen hatten, japanische Expertengruppen zu Gast, außerdem Besucher aus Finnland und Südamerika.

Eine weitere Station des Rundgangs waren die Tiefgaragen unter den Mehrfamilienhäusern, die speziell für Fahrräder gedacht sind. Je nach Wohnungsgröße bietet jeder Stellplatz Raum für zwei bis fünf Räder. „Die größeren Häuser wurden gezielt etwas über dem Bodenniveau erbaut, damit die Zufahrtsrampe nicht zu steil wird“, wie Ralph Herbertz vom Carsharing-Anbieter Cambio erläuterte. Nach wie vor verzeichne die Siedlung eine rege Nachfrage. „Für die Wohnungen gibt es lange Wartelisten“, so Kleinmann. „Durch das Zufußgehen begegnen sich die Menschen im Alltag sehr viel, dies erzeugt Zusammenhalt und soziale Kontrolle.“ Und wie Untersuchungen gezeigt hätten, würden Kinder aus der Siedlung schneller selbstständig, weil sie sich ohne Sorgen vor dem Autoverkehr im Quartier bewegen könnten. Man habe viele interessante Inspirationen mitgenommen, hieß es von der Besuchergruppe. Gerne werde man sie für die Entwicklung neuer Quartiere in Japan aufgreifen.