Mit dem Herbsteinbruch rückt auch die dunkle Jahreszeit immer näher. Für die meisten Outdoor-Sportler sind das schlechte Aussichten – einige von ihnen reagieren mit kreativen Lösungen.
Mobile Flutlichtanlage im LohseparkWie Kölner Tischtennisspieler der dunklen Jahreszeit trotzen

Mitinitiator der Tischtennis-Community im Kölner Lohsepark: Ali A. (links) und Marco Stephan helfen sich mit ihrer eigenen kleinen Flutlichtanlage aus.
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Wer in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden in den Kölner Parks unterwegs ist, der weiß: Es ist vielerorts stockduster. Während Jogger und Fahrradfahrer notgedrungen auf vereinzelte beleuchtete Wege ausweichen, gestaltet sich der Outdoorsport für andere schwieriger.
„Nach der Zeitumstellung hat man mit einem normalen Nine-to-five-Job kaum eine Möglichkeit, draußen Sport zu machen“, sagt Vanessa Waasem, die den Tag gerne auf dem Basketballplatz im Nippeser Lohsepark ausklingen lässt. Doch die Dunkelheit vertreibt sie immer früher von dort. „Ich würde gerne länger bleiben. Doch als Frau allein im Park – das geht einfach nicht“, sagt sie. Die nicht gegebene Sicherheit und das Verletzungsrisiko seien zu groß, um länger zu verweilen.
Sport am Abend – in Kölner Parks in der dunklen Jahreszeit fast unmöglich
Während Waasem und andere Basketballer im Halbdunkeln ihre Bälle werfen, klingt 100 Meter weiter das „Ping Pong“ des Tischtennisballs durch den Park. Denn für Licht ist dort gesorgt. Jedoch ist nicht die Stadt für die Illumination verantwortlich – mit einer kreativen Lösung trotzen die Spieler selbst der Finsternis und installieren sich mehrmals wöchentlich ihre eigene mobile Flutlichtanlage.
Dass die sonst aus dem Social-Media-Equipment bekannten, auf einem Stativ befestigten Ringlichter auch abseits medialer Sphären für Begeisterung sorgen, zeigt sich nicht nur am Tischtennis-Hotspot in Nippes. Auch in anderen Kölner Parks mutieren Baustrahler und akkubetriebene Lichter zum gefeierten Helfer der Szene.
Doch warum gibt es keine fest installierten Lampen im Park? Immerhin nervt die Dunkelheit nicht nur Sportler, sondern sorgt auch bei Passanten für Unwohlsein. Die Antwort lässt sich laut Kölner Presseamt in einem Beschluss aus dem Jahr 2004 finden. Dort heißt es, dass städtische Lichtverschmutzung den Biorhythmus von Tieren und Menschen stören würde. Wege in Grünanlagen werden deshalb nicht beleuchtet. Nur vereinzelt seien Ausnahmen möglich.
Lichtverschmutzung würde den Biorhythmus von Tieren stören
„Es ist schade, dass die Stadt nach Sonnenuntergang kaum Sportmöglichkeiten anbietet“, sagt Marco Stephan. Er ist Teil der Tischtennis-Community im Lohsepark, die sich regelmäßig in dem Grünabschnitt in Nippes trifft. Es könne fast das ganze Jahr gezockt werden, ob im Winter oder im Sommer. Und seit der Idee mit den Leuchten eben auch: ob Tag oder Nacht. Für Lärm würde das nicht sorgen, Beschwerden gab es laut Stephan noch nie. „Eher spielt die Polizei mal eine Runde mit.“ Organisiert ist die Tischtennis-Crew lose über eine Whatsapp-Gruppe. „Inzwischen sind wir knapp 70 Leute.“ Die Altersspanne reicht von 12 bis 75, Vereinsspieler und Freestyler, Männer und Frauen verabreden sich über den Chat. Neben fest installiertem Licht würden „ein paar mehr Sitzmöglichkeiten“ für zusätzlichen Komfort sorgen – bis jetzt werden Stühle und Lampen täglich hin- und hergeschleppt.
Die Basketballspieler blicken meist etwas neidisch zu den Tischtennisplatten herüber: Ihr Platz sei zu groß, um ihn eigenständig zu beleuchten. Man bräuchte hohe Stative, um das Feld mit Licht zu fluten, sagt Vanessa Waasem. Trotz Verständnis für den Tierschutz verstehe sie nicht, warum es so dunkel sein muss. „Alle fordern gesunde, fitte Menschen. Das Leben findet immer mehr draußen statt – darauf muss eingegangen werden.“ Auch Basketball-Kollege Gordon S. wirft ein: „Es wäre besser, wenn Jugendliche die Bewegungsmöglichkeiten länger nutzen könnten, als wenn sie sich abends hinsetzen und kiffen.“
Die Stadt weist auf Alternativen hin. Viele Plätze liegen außerhalb von Grünanlagen und seien direkt oder indirekt beleuchtet – dahin könne im Winter ausgewichen werden. Auch der sogenannte „Mitternachtssport“, ein Angebot der Sportjugend Köln, stelle eine Möglichkeit für die dunkle Jahreszeit dar. Derzeit beläuft sich das Programm in Nippes allerdings nur auf Fußball und Boxen – die Basketballspieler aus dem Lohsepark stehen also weiterhin im Dunklen – oder müssen im Winter die Sportart wechseln. Vielleicht gibt es unter der Tischtennis-Flutlichtanlage ja noch ein freies Plätzchen.

