Kölner Bulgogi-HausWarum das beliebte koreanische Restaurant nach 15 Jahren schließt

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Geschäftsführer Hyun-Jae An steht zwischen den Tischen des Bulgogi-Hauses.

Hyun-Jae An ist Geschäftsführer des Bulgogi-Hauses, das seine Eltern gründeten.

Nach 15 Jahren schließt das Bulgogi-Haus in Weidenpesch. An zu wenig Gästen liegt es nicht. 

Die Nachricht, die Geschäftsführer Hyun-Jae An selbst per Whatsapp an die Stammgäste verschickte, sorgte für große Trauer. Das Bulgogi-Haus an der Neusser Straße in Weidenpesch, eines der ersten koreanischen Restaurants in Köln, schließt Mitte Juli nach 15 Jahren.

„Das kam sehr überraschend für die Gäste, aber wir wollten lieber selbst entscheiden, wann wir Schluss machen, bevor wir in Schwierigkeiten geraten“, sagt Hyun-Jae An, der eigentlich Diplomübersetzer ist und das von seinen Eltern gegründete Lokal seit zehn Jahren leitet. An Gästen mangelt es dem Restaurant nicht, es wird dringend zu Reservierungen geraten.

Die Fassade des Bulgogi-Hauses

Das Bulgogi-Haus an der Neusser Straße

Grund für die Schließung sei ein Bündel von Problemen: Es fehle an Personal, einige koreanische Mitarbeiter seien in die Heimat zurückgegangen, neue seien schwer zu finden. Die Zutaten würden immer teurer, einige könnten auch gar nicht mehr geliefert werden. „Entenfleisch ist zum Beispiel nicht mehr zu bekommen.“ Hinzu kommt, dass Hyun-Jae Ans Vater erkrankt ist und die Fürsorge der Familie braucht.

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Der Vater war Anfang der 1970er Jahre als Bergarbeiter nach Deutschland gekommen, die Mutter als Krankenschwester. Für beide Berufe brauchte man hierzulande dringend Arbeitskräfte und so wurden Verträge mit Korea geschlossen. „So sind die meisten Koreaner nach Deutschland gekommen“, erzählt Hyun-Jae An. Erst hier lernten sich die beiden kennen.

Korean Barbecue in Köln-Weidenpesch

Als die Firma, in der der Vater später arbeitete, Pleite ging, wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete gegenüber der Musikhochschule den koreanischen Imbiss „Do Re Mi“. „Das war vor allem für die vielen asiatischen Studenten gedacht, aber es sprach sich schnell herum.“ Mit viel Mut ging die Familie dann mit dem Bulgogi-Haus nach Weidenpesch – nicht gerade ein Szene-Hotspot der Stadt.

In den Tisch ist ein Grill eingelassen, rundherum sind verschiedene Fleischsorten und Beilagen angeordnet.

In den Tisch ist ein Grill eingelassen, rundherum sind verschiedene Fleischsorten und Beilagen angeordnet.

Hier wurde das Korean Barbecue etabliert, das in weiten Teilen Asiens sehr beliebt ist, aber damals in Deutschland noch eher unbekannt war. „Bulgogi“ heißt übersetzt „Feuerfleisch“. Die Gäste sitzen um Tische, in die ein Grill eingelassen ist, der mit Holzkohle auf Temperatur gehalten wird, über jedem Tisch hängt deshalb eine Dunstabzugshaube. Drumherum stehen Teller mit verschiedenen Sorten Fleisch, die der Gast selbst grillt, dazu Dips und natürlich auch die Nationalbeilage Kimchi, scharf eingelegter Kohl.

Der Gastraum mit blauen Stühlen und Dunstabzugshauben über jedem Tisch

Über jedem Tisch hängt eine Dunstabzugshaube.

Die gegrillten Fleischstücke werden in rohe Salatblätter gewickelt. Dafür hat die Familie im Sommer in ihrem Garten selbst Sesamblätter angebaut. „Die sind hier in Deutschland sonst kaum zu kriegen. Koreanische Gäste waren dann oft geflasht, dass wir die Blätter hier hatten“, sagt Hyun-Jae An.

Generation K-Pop ist hier gern zu Gast

Die Eltern seien wirklich Pioniere gewesen, sagt der 43-jährig Sohn. Heute gibt es in Köln zahlreiche koreanische Restaurants. Das Land ist vor allem durch den Siegeszug des K-Pop bei jungen Leuten beliebt und immer mehr Menschen reisen auch als Touristen nach Südkorea. Und finden dann ein Stück der Kultur in Weidenpesch wieder.



Volles Haus ist vor allem bei internationalen Messen wie der Gamescom. Manche Firmen mieten auch gleich das ganze Lokal mit 70 Plätzen für einen geselligen Abend am Grill. Asiatische Touristen sind ebenso vertreten wie die Nachbarschaft. „Wir haben ein sehr enges Verhältnis zu unseren Gästen, hier gab es viele Hochzeiten und andere Familienfeiern.“ Jetzt, wo feststeht, dass hier bald die Lichter ausgehen, seien die Buchungen nochmal in die Höhe geschnellt. Hyun-Jae An hat jede Menge zu tun. Die Reservierungen nimmt er persönlich an seinem Handy an. „Das Restaurant war mein Baby.“

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