Die leer stehende Siedlung am Ginsterberg soll abgerissen werden. Eine Sanierung lohnt nicht, Neubauten verhindern Baurecht und Vorgaben.
Verlassenes EnsembleFrühere Sinti-Siedlung in Weidenpesch wird komplett abgebrochen

Die frühere Siedlung Auf dem Ginsterberg ist nach dem Auszug der letzten Menschen sich selbst überlassen.
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Nach knapp 40 Jahren ihres Bestehens und nach mehrmalig gescheiterten Sanierungsplänen sind die Tage der kleinen Siedlung Auf dem Ginsterberg 2–34 gezählt. Das völlig marode, aus 15 Einfamilienhäusern und einem dreistöckigen Mehrfamilienhaus bestehende Ensemble soll in den kommenden zwei Jahren für Gesamtkosten von knapp 1,7 Millionen Euro vollständig rückgebaut, und zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Grünfläche renaturiert werden. Einstimmig beschloss die Bezirksvertretung Nippes die entsprechende Vorlage aus dem Amt für Wohnungswesen.
Die Siedlung, neben dem Kölner Schutzhof für Pferde und nahe an Longerich, war 1977 und 1978 für Sinti-Familien erbaut worden, auch als Wiedergutmachungs-Geste für erlittenes NS-Unrecht. Die Häuser sind nach einfachsten Standards errichtet, unter anderem mit Kohleheizungen, mangelnder Dämmung, einfach verglasten Fenstern und ohne Keller. In den vergangenen Jahren verließen immer mehr Familien die Siedlung; entsprechend weitete sich der Leerstand aus. Mitte März zogen laut Stadt die letzten Personen aus den Mehrfamilienhäusern aus.
Alle Neubau- und Sanierungspläne scheiterten
Heute ist der Leerstand deutlich erkennbar – es drängt sich der Eindruck eines Geisterdorfs auf: Die Gebäude sind mit Holzplatten verrammelt, einige Häuser stehen offen und ungeschützt. Die Fassaden sind von Graffiti übersät, die Außenwände schwarz vor Schimmel. Auf dem Areal wuchert das Unkraut.
Mehrfach gab es Überlegungen, die Siedlung zu erneuern. Mit der Flüchtlingswelle 2015 kam die Idee auf, das Mehrfamilienhaus als Geflüchtetenunterkunft zu nutzen, was nicht zuletzt am schlechten Gebäudezustand scheiterte. Ende 2023 gab es den letzten Anlauf, das Ensemble zu sanieren; die Stadt gab eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, die Einfamilienhäuser abzubrechen und neu zu bauen; für das Mehrfamilienhaus ließ die Prüfung Abriss und Neubau oder Sanierung offen.
Stadt: Eile bei Abbruch geboten – Ort der Erinnerung an Siedlung geplant
Eine Sanierung scheiterte jedoch am sehr schlechten Zustand der Gebäude; einem Neubau stand auch das Planungsrecht entgegen: Im Flächennutzungsplan ist das Areal als Grünfläche ausgewiesen, nicht als Wohngebiet. „Eine weitere ämterübergreifende Prüfung ergab, dass insbesondere die geplante Bebauung mit Mietwohnungen bauplanungsrechtlich auch bei wohlwollender Auslegung nicht zulässig ist“, schreibt das Amt für Wohnungswesen. Nun sei Eile geboten, damit der Rückbau zügig in die Wege geleitet werden könne. Derzeit verursache die Siedlung Betriebs- und Instandhaltungskosten sowie Aufwendungen für Sicherung und Bewachung.
„Diese Siedlung ist mittlerweile so heruntergekommen, dass es absurd wäre, sie zu erhalten“, bilanzierte die Nippeser Bezirksbürgermeisterin Diana Siebert (Grüne). Im Austausch mit den Kölner Sinti-Interessenverbänden will die Stadt prüfen, wie die Geschichte der Siedlung dauerhaft sichtbar gemacht werden kann, etwa mit einer Infotafel. Einen Ort des Gedenkens unterstützte auch die Bezirkschefin ausdrücklich.
