Die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde aus Longerich nutzt ab September testweise ein Jahr lang die Salvatorkirche im Weidenpescher Rennbahnviertel mit.
SalvatorkircheÄthiopische Gemeinde kommt nach Weidenpesch

In die Salvatorkirche zieht ab September die äthiopisch-orthodoxe Gemeinde ein.
Copyright: Bernd Schöneck
Man habe überlegt, wie es mit der Salvatorkirche weitergehen könne, erläuterte Temur J. Bagherzadeh, Pfarrer der Gemeinde St. Dionysius Longerich/Lindweiler und als „Pfarrverweser“ zugleich mit der Verwaltung des Pfarrverbands Mau-Nie-Wei betraut, zu dem fünf katholische Kirchen in Mauenheim, Niehl und Weidenpesch gehören. „Es kam der Gedanke auf, wie eine christliche Nutzung weiter möglich sein kann. Wir bekommen oft Anfragen von wachsenden Gemeinden, die in ihren Räumen aus allen Nähten platzen.“

Glücklich über die neue Nutzung: Erzpriester Merawi Tebege und Pfarrer Temur J. Bagherzadeh.
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Eine von ihnen wird die Salvatorkirche am Schlesischen Platz 4 ab dem frühen Herbst übernehmen – und zugleich etwas ostafrikanische Kultur nach Weidenpesch bringen: die äthiopisch-orthodoxe Kirche, die ihren Kölner Sitz, und gleichzeitige Deutschland-Zentrale, am Lindweilerweg 94 in Longerich hat. Die dortige St. Mikaelskirche, das 2009 erworbene und 2010 feierlich eröffnete Gotteshaus in der früheren Lutherkapelle, ist für die Gemeinde zu klein. Ab 1. September beginnt der Mitnutzungsvertrag für die Kirche über zunächst ein Jahr. Jeden Sonntag sollen hier äthiopische Gottesdienste gefeiert werden, die ab 6.30 Uhr beginnen und mehrere Stunden dauern. Auch das Patronatsfest-Wochenende mit Prozession, Essensständen und kleinem Markt würde zukünftig in Weidenpesch stattfinden.
Info-Abend zur Mitnutzung der Salvatorkirche
Beim Info-Abend in der Salvatorkirche informierten der Pfarrverband Mau-Nie-Wei und die äthiopische Gemeinde die rund 35 Gäste über die Pläne. Die 1958 eröffnete Kirche mit markantem weißen Glockenturm, die zum einstigen, 2015 aufgelösten Kloster der Salvatorianer gehörte, wurde zuletzt – abgesehen von einer Messe mittwochmorgens – vorwiegend für besondere Anlässe genutzt, etwa zur Feier der Erstkommunion oder für ein gemeinsames Friedensgebet von katholischer und äthiopischer Gemeinde am 10. Mai mit rund 300 Gästen. Bagherzadeh zeigte sich glücklich mit der Lösung: „Hier steht nicht der Rückbau im Fokus, sondern der Aufbau neuer Wege.“ Gute Erfahrungen mit einem vergleichbaren Projekt gebe es in Langenfeld, wo die eritreisch-orthodoxe Gemeinde einen katholischen Kirchenbau übernommen hat.
„Wir sind eine der größten und ältesten orthodoxen Kirchen“, betonte Merawi Tebege, Erzpriester der äthiopischen Gemeinde, der die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche Deutschland 1983 gründete und bis heute leitet. „Machen Sie sich in den kommenden Monaten einen persönlichen Eindruck von uns. Wir sind eine Gemeinde, die das Miteinander wünscht.“ Rund 30.000 bis 40.000 äthiopische Christen leben in Deutschland; unter den 30 Gemeinden ist Köln, mit rund 500 angeschlossenen Familien in einem weiten Einzugsgebiet, eine der größten.
Während der zwölfmonatigen Probephase wären keine festen Umbauten in der Kirche erlaubt; unter anderem soll der Boden mit Teppich ausgelegt werden. Nur die Kirche selbst ist vom Vertrag umfasst, nicht die Nebengebäude, in denen sich etwa eine Flüchtlingsunterkunft des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) befindet. Bereits das Pfarrfest am Sonntag, 12. Juli, wird mit äthiopischer Beteiligung sein; noch zuvor lädt die Gemeinde am Wochenende des 20./21. Juni zu ihrem jährlichen Patronatsfest ein – vorläufig zum letzten Mal in Longerich.
