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Ausnahmen abgelehntEintrittsgeld für Kölner Dom sorgt weiter für Diskussionen

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Vor dem Haupteingang des Kölner Doms hat sich eine lange Schlange gebildet.

Vor dem Haupteingang des Kölner Doms hat sich eine lange Schlange gebildet.

Das neue Eintrittsgeld für den Dom führt zu Diskussionen. Freitickets für ehemalige Domchorsänger und Messdiener lehnt das Domkapitel ab.

Es sind unschöne und unwürdige Szenen, die sich am späten Sonntagnachmittag vor dem Westportal des Doms abspielen. Sicherheitskräfte diskutieren mit den Menschen, die in die Kathedrale eingelassen werden möchten. Um 17.30 Uhr beginnt dort das Musikalische Abendgebet, doch die Diskussionen vor der Türe nehmen kein Ende.

Menschen werden zurückgewiesen, obwohl sie mehrfach zu verstehen gegeben haben, dass sie daran teilnehmen möchten. Touristen, die spontan in die Kathedrale möchten, wissen nicht, dass der letzte Einlass mit Besucherticket am Sonntag um 16.15 Uhr möglich ist. Danach ist Schluss.

Das Sicherheitspersonal scheint überfordert, Sprachprobleme erschweren die Lage zusätzlich. Wer darf hinein? Wer muss draußen bleiben? Ein Domschweizer ist nicht in Sicht. Das Nordportal, über das sonst Menschen hineingelassen werden, die zum Gottesdienst oder zum Beten in den Dom wollen, ist geschlossen. Warum das so ist? Vermutlich um Personal zu sparen. „Sie müssen Gottesdienst oder Beten angeben, dann dürfen Sie eintreten“, flüstert ein Dom-Besucher, als sei das ein geheimer Code, den er um Gotteswillen nicht preisgeben darf.

Wer im Dom betet, soll kein Foto machen

Wer auf diese Art Einlass findet, muss sich zuvor noch maßregeln lassen. „Keine Fotos, keine Fotos“, ruft der Mitarbeiter der Sicherheitsfirma aufgeregt hinterher. Wer betet, soll kein Foto machen. Ein älteres Ehepaar diskutiert, nachdem es sich durchgekämpft hat, in der menschenleeren Kathedrale mit einem Domschweizer. Die wohltuende Stille steht im krassen Gegensatz zu den Stresssituationen, die sich draußen vor dem Westportal abspielen.

„Für die Aufsichtskräfte am Dom ist der Übergang zwischen Besichtigungszeit und liturgischer Zeit regelmäßig eine besonders anspruchsvolle Phase“, teilt Markus Frädrich, Medienreferent des Kölner Doms, auf Anfrage schriftlich mit. „Dies gilt insbesondere an Sonntagen. Aufgrund der zahlreichen Gottesdienste ist das Zeitfenster für die touristische Besichtigung deutlich kürzer als an Werktagen, zugleich ist der Besucherandrang erfahrungsgemäß besonders hoch.“

Hinzu komme, dass der Einlass der Tagesbesucher bis 16.15 Uhr und der Einlass der Besucherinnen und Besucher des Musikalischen Abendgebets ab etwa 17 Uhr über dasselbe Portal erfolgen. An Werktagen sei die Situation einfacher: Nach Ende der Besichtigungszeit wird das Westportal geschlossen, während die Gottesdienstbesucher über das Nordportal den Dom betreten.

„Die Herausforderung für unsere Aufsichtskräfte besteht in dieser Phase darin, einerseits die Besucherinnen und Besucher des bevorstehenden Gottesdienstes herzlich willkommen zu heißen und andererseits allen übrigen Gästen freundlich, aber zugleich eindeutig zu vermitteln, dass die Besichtigungszeit beendet ist“, schreibt Frädrich weiter.

Das neue Besucherkonzept – der Dom kostet für Touristen seit 1. Juli zwölf Euro Eintritt – erfordere mehr Sicherheitspersonal, das „sorgfältig eingewiesen“ werde. Man befinde sich weiterhin in einer Erprobungsphase. Die Abläufe würden „kontinuierlich überprüft und verbessert“.

Ehemaliger Domchorsänger bittet um freien Eintritt – und wird abgewiesen

Wie berichtet, war die Besucherzahl im Dom am 1. Juli nach Einführung der Besichtigungsgebühr auf rund 2900 verkaufte Tickets eingebrochen. Zuvor hatte die Kathedrale mehr als sechs Millionen Besucher pro Jahr, im Schnitt mehr als 16.000 am Tag. Dennoch zeigte sich das Domkapitel zufrieden. Man habe auf Anhieb das Ziel erreicht, rund die Hälfte der 44.000 Euro einzunehmen, die der Unterhalt des Doms täglich kostet. Die restlichen 22.000 Euro sind Zuschüsse vom Zentral-Dombau-Verein (ZDV), dem Erzbistum Köln, dem Land NRW und der Stadt Köln. Zur Frage, wie sich die Besucherzahlen seit Einführung des Eintrittsgelds entwickeln, will das Domkapitel vorerst keinerlei Angaben machen. Eine Bilanz soll erst Anfang Januar 2027 vorgelegt werden.

Dass das Domkapitel bislang jegliche Ausnahme von den neuen Eintrittsgeldregeln abgelehnt hat, sorgt bei vielen Menschen für Verärgerung. Seit 1. Juli dürfen nur Kinder unter 14 Jahren, Schwerbehinderte und ZDV-Mitglieder den Dom kostenlos besichtigen.

Gregor Josten (60) hat Dompropst Guido Assmann gebeten, dass auch ehemalige Mitglieder des Kölner Domchors und ehemalige Messdiener des Doms freien Eintritt in die Kathedrale erhalten. Schließlich hätten sie dem Dom mit viel Einsatz gedient. Als gebürtiger Kölner und ehemaliger Sänger im Domchor habe ihn die neue Besichtigungsgebühr sehr getroffen, erzählt Josten. „Der Dom ist für uns Ehemalige – ob Chor oder Messdiener – kein touristisches Ausflugsziel, sondern Teil unserer Biografie. Wir haben dem Dom jahrelang unsere Freizeit, Stimmen und Kraft geschenkt. Jetzt für einen Rundgang im Dom ein reguläres Ticket lösen zu müssen, fühlt sich nicht richtig an.“

Der Kölner Gregor Josten hat viele Jahre im Domchor gesungen.

Der Kölner Gregor Josten hat viele Jahre im Domchor gesungen. Seine Bitte nach freiem Eintritt für ehemalige Messdiener und Domchorsänger wurde abgelehnt.

Der Dienst im Domchor habe wöchentlich drei Nachmittage für Proben sowie die Gestaltung aller Hochämter an Sonn- und Feiertagen erfordert. „Es war ein Dienst, für den wir als Kinder und Jugendliche einen beträchtlichen Teil unserer Freizeit investiert haben – symbolisch entlohnt mit wenigen Pfennigen pro Einsatz, dafür aber getragen von tiefer Hingabe an die Liturgie des Domes.“ Aus seiner Sicht sei es ein Gebot der Fairness und des Respekts für das Engagement der Ehrenamtler, so Josten, für den Dom einen unbürokratischen „Ehemaligen-Ausweis“ einzuführen, der „einen dauerhaft freien Zugang zum gesamten Innenraum ermöglicht, auch abseits der Gebetsbereiche.

Domkapitel will beim Eintrittsgeld keine Ausnahmen

Doch seine Bitte stieß im Metropolitankapitel der Hohen Domkirche auf taube Ohren. Dompropst Assmann wies sie ebenso kategorisch zurück wie die Forderung nach Gratis-Eintritt an Samstagen für Bürger aus NRW. Domsprecher Markus Frädrich erklärte, man erhalte viele Anfragen von Einzelpersonen und Institutionen, „die mit ihrer persönlichen, historischen oder ehrenamtlichen Verbundenheit zum Kölner Dom begründen, warum aus ihrer Sicht eine Ausnahme von der Besichtigungsgebühr gerechtfertigt wäre. Würden wir den zahlreichen Antragstellern Sonderkonditionen gewähren, wäre die finanzielle Grundlage unseres neuen Besuchskonzeptes sehr schnell ausgehöhlt.“ Deshalb bitte man „um Verständnis dafür, dass wir keine Ausnahmen ermöglichen können“.

Domdechant Robert Kleine sagte unserer Redaktion: „Wir sind außerordentlich froh und dankbar für alle, ihre besondere Verbundenheit mit dem Kölner Dom dadurch zum Ausdruck bringen, dass sie sich als Ministranten, Chorsängerinnen, Lektoren, Kommunionhelferinnen oder im Domehrendienst engagieren – ob aktuell oder in der Vergangenheit.“ Sicherlich sei diesen Menschen der langfristige Erhalt des Domes „ein besonderes Anliegen – damit auch in 50 oder 100 Jahren unter einem intakten Dach gesungen, gebetet und Gottes Wort verkündet werden kann“. Dazu solle die Besichtigungsgebühr beitragen, so Kleine. „Damit wir dieses Ziel erreichen können, ist ihre konsequente und für alle nachvollziehbare Anwendung entscheidend.“ Das solle aber nicht „unsere Wertschätzung für alles persönliche Engagement an unserem Dom schmälern“.

Ähnlich äußert sich Dompropst Assmann auch in seinem Antwortbrief an Gregor Josten. Die Art und Weise, wie sein Antrag darin abgelehnt wird, habe ihn enttäuscht und verärgert, sagt der frühere Domchorsänger. Das Domkapitel behaupte, wenn man seiner Bitte nachkomme, würden auch Ex-Mitarbeiter, langjährige Spender, Kölner oder Kirchenmitglieder freien Eintritt erwarten. Das sei ein „Totschlagargument“. Zudem habe Assmann betont, Besucher würden berichten, „sie nähmen den Innenraum als deutlich ruhiger, würdevoller und seiner Bestimmung als Gotteshaus angemessener wahr“ und hätten ihn ganz anders erlebt: „nicht mehr als ‚Rummelplatz‘, sondern als Ort des Glaubens und der Stille“. Dieses Argument sei nicht nachvollziehbar, meint Josten. „Ist die neue Stille im Dom gefährdet, wenn wir wenigen Ehrenamtler vereinzelt alle paar Tage oder Wochen kurz zur inneren Einkehr in unseren Dom gehen?“