Seit dem 1. Juli zahlen Besucher des Kölner Doms 12 Euro Eintrittsgeld. Leserinnen und Leser haben Verständnis für die Maßnahme, die dem Erhalt und Betrieb des Doms dient, aber viele leiden dennoch unter der neuen Regelung.
LesermeinungenDom-Eintrittsgeld macht viele Kölner „unsagbar traurig“

Ein Domschweizer (r) kontrolliert die Tickets von Dombesuchern vor dem Haupteingang des Doms.
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Dom-Eintrittsgeld: Drohender Infarkt für das „Hätz vun Kölle“
Der Dom ist das „Hätz vun Kölle“, und wenn jetzt der Eintrittspreis von 12 Euro dafür sorgt, dass die Kölner nicht mehr jederzeit frei und unbeschwert durch ihre Lebensmitte zirkulieren können, dann droht dem rheinischen Lebensgefühl der Herzinfarkt. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, welche koronalen Spätfolgen damit langfristig verbunden sind.
Jede Kölnerin und jeder Kölner sind für mich geborene Mitglieder im „Dom-Verein“. Un dat soll och „so blieve“, singen die Bläck Fööss, „he sin mer zo Huus / he kritt uns kei Deuvel, kei Deuvel erus“ – auch nicht das Domkapitel, das ganz offensichtlich dem Geld den Vorzug vor der Liebe gibt.
Der Ratsherr Knut Lennart Scholz hat „dat Hätz“ auf dem rechten Fleck, wenn er im Namen seiner Fraktion Die Linke fordert, dass alle in Köln geborenen und lebenden Menschen „bei Vorlage eines Ausweisdokuments jederzeit kostenfrei Zutritt zu ihrem Wahrzeichen bzw. Lebenszentrum haben sollen“. „Heimat“ und „Dom“ gehören in Köln wie die Vorder- und Rückseite derselben Medaille untrennbar zusammen. Der Kölner Dom ist und bleibt der Dom der Kölner! Michael Wittschier Wipperfürth
Eintrittsgeld für den Dom: Anliegen verständlich, Umsetzung mangelhaft
Das Domkapitel wertet es als Erfolg, dass am ersten Tag mit Eintrittspreis rund 2900 Besucher statt zuvor durchschnittlich 16.000 den Kölner Dom besichtigt haben. Es soll ein Erfolg sein, wenn die Zahl der Menschen, die den Dom besuchen, um 80 Prozent zurückgeht? Für eine Kirche, die ein offener Raum für alle sein sollte, ist das ein bemerkenswertes Signal. Auch Kölner Katholikinnen und Katholiken, die monatlich einiges an Kirchensteuern zahlen, sollen nun Eintritt bezahlen, um die Kathedrale ihrer eigenen Diözese zu besichtigen. Das ist traurig. Das Anliegen des Domkapitels ist verständlich. Die Umsetzung lässt stark zu wünschen übrig. Philipp Krause Köln
Der Dom braucht Unterstützung
Obwohl ich nicht mehr in Köln wohne, ist mir der Dom heilig und ich besuche ihn immer, wenn ich in Köln bin. Bei all den Argumenten für Gefühl und Innehalten und „Home is where the Dom is“ frage ich: Was hat der Dom davon? Während viele nur ihr „Jeföhl“ pflegen, bin ich seit 20 Jahren Mitglied im Zentral-Dombau-Verein (ZDV). Eine Millionenstadt mit nur 22.700 Mitgliedern im ZDV hat den Dom nicht verdient. Ingrid Quadt Bad Honnef
Dom-Sperre für Kölner „leichter und lebbarer“ machen
Es macht mich unsagbar traurig, dass der ungehinderte Zugang zu „unserem“ Dom nun einfach versperrt ist. Die Entscheidung für einen kostenpflichtigen Eintritt in den Dom kann ich zwar teilweise nachvollziehen, denn auch mir war übel aufgefallen, dass das Gedränge, das Verhalten und die Bekleidung etlicher Dombesucher und -besucherinnen nicht mehr der Würde eines Gotteshauses entsprachen. Zukünftig erkauft man sich nun das Recht zu diesem Benehmen mit einem Ticket. Gut, wenn wenigstens dadurch einige der hohen Folgekosten abgedeckt werden!
Aber: Wie sieht das bei den Kölnern und Kölnerinnen aus, denen laut ungeschriebenem Gesetz der Dom gehört? Ich bin eine von ihnen, wurde vor über 80 Jahren im Schatten des Doms geboren. Der Dom ist spontaner Zufluchtsort – leider aufgrund von Beschwerden infolge meines hohen Alters immer seltener. Doch nun auch das noch: Du kommst bereits erschöpft am Dom an, möchtest dein Anliegen meditieren – und es geht nicht! Der noch geöffnete Nord-Eingang zur Schmuck-Madonna ist kein Trost, da sie nicht deine gewohnte Andachtsstelle ist. Was nun?
Das Schlimmste ist, dass man nicht mehr spontan einen Abzweig in den Hohen Dom machen kann
Im Hinterkopf grummelt es: Gottes Liebe und Vertrauen sind im Dom jetzt nur noch käuflich. Ach, was sind das alles für Gedanken, die man gar nicht haben möchte! Das Schlimmste aber ist, dass man nicht mehr spontan einen Abzweig in den Hohen Dom machen kann. Ich denke, etlichen Menschen in der Stadt ist es ein Anliegen, dass die Entscheidungsgremien nochmals darüber nachdenken, wie man die Dom-Sperre hier vor Ort etwas leichter und lebbarer machen kann. Renate K. Sokoll Köln
Eintrittsgeld für den Dom: Thema inzwischen „ausgelutscht“
Das Thema Dom-Eintrittsgeld ist zwischenzeitlich ausgelutscht und man sollte die Tatsache anerkennen, dass von jenen, die ausschließlich zur Besichtigung des Doms diesen besuchen, Eintritt erhoben wird. Wer ihn zum Gebet besuchen will, kann dies wie eh und je tun und seinem Gott nahe sein. Niemand muss zwangsläufig, um von der einen Seite des Domplatzes zur anderen zu gelangen, durch den Dom laufen, es gibt auch Wege drumherum.
Als Tourist plane ich auch für den Besuch sonstiger Attraktionen, wie Museen, historische Stätten etc., Eintrittsgelder ein und beschwere mich nicht. Ansonsten zahlen viele für alles Mögliche, etwa Kino, Konzerte, Sportveranstaltungen, Bootsfahrten, Eintritt, ohne Murren. Warum dann so ein Theater um die Beteiligung am Aufwand für die Erhaltung des Doms und die Deckung der laufenden Kosten? Dr. Johannes Koch Bornheim

Eine Tafel gibt Auskunft über die neuen Eintrittspreise für Dombesucher.
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Köln: Kunstmäzene für Dom gesucht
Schade, dass der freie Zugang zum Dom jetzt durch ein 12-Euro-Eintrittsticket ersetzt werden muss. Sowohl die Befürworter als auch die Gegner dieser Maßnahme haben gute Argumente, recht haben beide Seiten. Aber was hilft es, der Erhalt und der Betrieb unseres Doms müssen gesichert bleiben. Im Allgemeinen halte ich nichts von Polemik, aber in diesem Fall kann ich sie mir nicht verkneifen: Wo bleiben die Milliardäre und Millionäre, deren Zahl in unserem Land ständig steigt, wie immer wieder zu lesen ist?
Wenn sie schon nicht durch gerechte Besteuerung zum Allgemeinwohl beitragen, könnten sie doch wenigstens hier ihre überflüssigen Geldmittel sinnvoll einbringen. In vergangenen Jahrhunderten haben Superreiche immer die Kunst unterstützt. Meines Wissens hat sich in diesem Fall noch keiner von ihnen auf solche Art hervorgetan – schade! Annemarie Neffgen Köln
Infolge von Eintrittsgeld endlich wieder Ruhe im Dom
Ich finde es gut, dass sich die Zahl der Besucher nun in Grenzen hält. So können Dombesucher, die beten wollen, in Ruhe ihre Gebete verrichten, ohne vom Lärm derjenigen gestört zu werden, die nicht gerade leise sind beim Durchlaufen des Dominneren. Auch wenn zunächst weniger Besucher kommen, wird sich das nach einiger Zeit vermutlich wieder normalisieren. Diethelm Buetzler Bergisch Gladbach
Kölner Dom: Fürs „Zu-Hause-Sein“ zahlen, ist absurd
Seit fast 80 Jahren lebe ich als Rheinländer im Umkreis der Stadt Köln und im Umkreis des Kölner Doms, und ich erinnere mich noch gern an die ersten Dombesuche in Begleitung meiner Eltern sowie an mein Staunen über die Großartigkeit dieses Bauwerks. Fuhr man zum Einkauf nach Köln, dann ging es auch immer für ein Viertelstündchen in den Dom, um einerseits seine Stille und andererseits seine einmalige Ausstrahlung zu genießen. Und das ist heute nicht anders.
Ich möchte daher daran erinnern, dass auch für mich als Rheinländer der Dom und seine beiden Türme Heimat bedeuten. Komme ich in die Nähe der Domplatte, dann zieht es mich, wie magisch, für ein Viertelstündchen in den Dom und oft auch zu einem Gebet, nicht nur bei anstehenden Problemen. So ist der Dom, auch für mich als Rheinländer, über die Jahre zum Symbol des „Zu-Hause-Seins“ geworden.
Daher muss es möglich sein, auch Rheinländern jederzeit einen Gratis-Dombesuch zu ermöglichen. Die Vorstellung, jedes Mal zahlen zu müssen, um zu Hause zu sein, ist doch einfach absurd. Und als Mitglied der Kirche habe ich bis heute auch nicht gefragt, warum ich Kirchensteuer zahlen soll. Siegfried Jaspert Bergheim
