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Neue LeitungWie eine junge Theologin das Kölner Domforum in die Zukunft führen will

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Carolin Hostert-Hack leitet das Kölner Domforum und das Katholische Bildungswerk Köln.

Carolin Hostert-Hack ist neue Leiterin des Kölner Domforums und des Katholischen Bildungswerks Köln.

Der Glaube spielt für die neue Leiterin des Domforums eine große Rolle. Im Programm möchte sie aktuellen Themen künftig mehr Raum geben.

Das Kölner Domforum wird erstmals von einer Frau geführt: Anfang April hat die Theologin Carolin Hostert-Hack (30) die Leitung des Katholischen Bildungswerks Köln und des Domforums mit insgesamt 45 Beschäftigten übernommen. Sie war im Januar als Vizeleiterin berufen worden und kurz darauf an die Spitze gerückt. Hostert-Hack folgt auf Rainer Tüschenbönner, der am 18. Oktober 2025 im Alter von 62 Jahren bei einem Bergunfall im Allgäu ums Leben gekommen war.

Die neue Leiterin stammt aus Arzfeld in der Eifel und lebt in der 840-Seelen-Gemeinde Winterspelt an der belgischen Grenze. Entsprechend weit ist ihr Weg zur Arbeit, den sie bis zum nächsten Bahnhof mit dem Auto und von dort mit dem Zug zum Hauptbahnhof zurücklegt. Hostert-Hack ist verheiratet und seit 2012 Mitglied der CDU, für die sie als Fraktionsvorsitzende im Kreistag des Eifelkreises Bitburg-Prüm sitzt.

Vor ihrem Wechsel nach Köln hat sie die katholische Erwachsenenbildung in der Westeifel geleitet. „Ich war bereit für neue Herausforderungen“, erzählt Hostert-Hack im Gespräch mit unserer Redaktion. Im September habe sie bei Rainer Tüschenbönner ein Bewerbungsgespräch geführt. „Als ich im Januar ins Haus kam, war die Trauer um ihn noch immens groß.“ In seine Fußstapfen zu treten und als erste Frau die Leitung zu übernehmen, davor habe sie großen Respekt.

Glaube und Spiritualität sollen im Domforum eine stärkere Rolle spielen

Nun wolle sie die Institution behutsam weiterentwickeln. „Ich glaube, ich mache Dinge anders. Ich werde einiges beibehalten, sehe aber auch Anknüpfungspunkte, was ich umgestalten kann.“ Ihr sei wichtig, neue Zielgruppen zu erreichen und das Bildungswerk bekannter zu machen – „nicht nur bei jungen Menschen, sondern bei all denen, die bisher nicht mit uns in Berührung gekommen sind“. In der Corona-Zeit habe sich die Bildungslandschaft „total verändert“. „Es ist für die Menschen eine größere Hürde, irgendwo hinzugehen. Deshalb muss man neue Formate finden, wie man Menschen erreichen kann.“

Die neue Leiterin des Domforums, Carolin Hostert-Hack, in ihrem Büro.

Der Glaube spiele in ihrem Leben eine große Rolle, betont die neue Leiterin des Domforums, Carolin Hostert-Hack.

Im Domforum wolle sie „das Thema Glauben wieder ein bisschen mehr spielen“, sagt Hostert-Hack. Dort gebe es viel Kultur, Musik und Talk-Formate. „Aber Glaubensthemen haben wir dort kaum.“ Sie wolle „die Themen Glaube und Spiritualität ausweiten, ohne dass wir die Leute irgendwie indoktrinieren oder evangelisieren“. Als Teil der City-Pastoral, also der Seelsorge in der Innenstadt, solle das Domforum auch als Schnittpunkt zwischen Kirche und Zivilgesellschaft dienen. „Wir wollen Menschen die Möglichkeit geben, mit Kirche in Berührung zu kommen, ohne dass sie in eine Kirche gehen.“

Der christliche Glaube spiele in ihrem Leben eine große Rolle, betont Hostert-Hack. „Ich praktiziere meinen Glauben. Ich gehe jeden Sonntag zum Gottesdienst und bete regelmäßig. Für mich ist mein Glauben der tägliche Begleiter, der Antrieb für vieles.“ Das Domforum sei für sie ein zentraler Ort für die Kirche. Sie wolle ihn „dafür nutzen zu sagen: Kirche geht raus, Kirche geht auf die Menschen zu“. Ob das an Aschermittwoch sei, wenn das Aschekreuz verteilt wird, oder am Valentinstag, „wo wir vielleicht als Kirche auch die Aufgabe haben, mit Menschen über Beziehungen ins Gespräch zu kommen“, oder zu anderen Anlässen. „Das Domforum kann man durchaus als ein sehr positives Beispiel von kirchlichem Wirken nutzen.“

Neues Format im Domforum soll aktuelle Themen aufgreifen

Die bewährte Mischung aus Kultur-, Vortrags-, Beratungs- und Mitmachangeboten werde es auch künftig geben, versichert Hostert-Hack. „Aber natürlich muss man auch da schauen, worauf wir uns in den nächsten Jahren fokussieren.“ Eine Neuerung sei für November geplant. „Wir werden einen festen Tag im Monat einführen, an dem wir aktuelle Themen aufgreifen. Das heißt, wir lassen das im Programm offen.“ Ein Beispiel sei die Debatte um das geplante Drogensuchthilfe-Zentrum. „Ich hätte uns als Domforum bei diesem Thema als einen Akteur gesehen, der eine Bühne bietet für Diskussionen. Aber so spontan konnten wir dort nicht sein. Deshalb führen wir jetzt einen festen Tag im Monat ein, wo wir solche Themen bespielen können.“

Bei der Programmgestaltung werde man auch in Zukunft vor allem auf die persönliche Begegnung setzen, unterstreicht Hostert-Hack. Besondere Veranstaltungen wolle sie aber verstärkt online verfügbar machen „mit dem Ziel, dass mehr Menschen Zugang erhalten“.

Wenn es um die mangelnde Sauberkeit in der Domumgebung geht, zeigt sich die Leiterin des Domforums diplomatisch. „Einerseits ist es erschreckend, was sich zum Beispiel hier im Domgässchen vor unserer Haustür in einer Nacht an Müll und Hinterlassenschaften ansammelt. Andererseits sehe ich jeden Morgen auf dem Weg vom Bahnhof hierher, mit wie viel Aufwand die AWB tagtäglich das Domumfeld reinigt. Da können wir uns nicht beschweren.“ Und bei den vielen Baustellen bleibe einem „wohl gar nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren“.

Ihre Tätigkeit in der Kommunalpolitik in ihrem Heimatkreis will Hostert-Hack auch weiterhin ausüben. „Das ist vom Arbeitspensum her mit Köln nicht vergleichbar.“ Den Ruf ins EU-Parlament hat sie hingegen abgelehnt. Als CDU-Spitzenkandidatin Christine Schneider am 18. Mai zur Landwirtschaftsministerin von Rheinland-Pfalz ernannt wurde, hätte sie als Dritte auf der CDU-Landesliste ins Brüsseler Parlament einziehen können, hat sich aber dagegen entschieden. „Ich habe als erste Frau die Chance bekommen, die Arbeit des Domforums und des Bildungswerks weiterzuentwickeln. Diese Chance möchte ich wahrnehmen.“


Bildungswerk und Domforum

Das Katholische Bildungswerk Köln organisiert rund 900 Kurse und Veranstaltungen in allen Teilen der Stadt und gibt rund 18.000 Unterrichtsstunden pro Jahr. Die Angebote, zu denen auch Integrations- und Sprachkurse gehören, werden jedes Jahr von tausenden Menschen genutzt. Das 1995 eröffnete Domforum gegenüber der Kathedrale ist das Informations- und Veranstaltungszentrum der katholischen Kirche in Köln und zugleich das Besucherzentrum des Kölner Domes. Es bietet  Platz für Veranstaltungen mit bis 160 Personen. Neben Konzerten, Filmvorführungen, Diskussionen und Vorträgen gibt es dort auch Angebote für Gespräche, Beratung und Meditation. (fu)