An der von Kardinal Rainer Woelki protegierten Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) schwelen offenbar schwere Konflikte. Jetzt kommt es zu einem Austausch der gesamten Führungsriege.
Woelki-HochschuleFührungsriege an Kölner Einrichtung verliert ihre Ämter

Der Kölner Kardinal Rainer Woelki feiert die Messe zum Fronleichnamsfest 2026 vor dem Dom. (Archivbild)
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Die Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) wird von schweren Turbulenzen erschüttert. Nach außen hin völlig überraschend, verliert die vom Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Woelki, als „Großkanzler“ protegierte und mit zwei Millionen Euro Kirchensteuermitteln pro Jahr bezuschusste Einrichtung zum Ende des Sommersemesters ihre komplette Führungsriege. Dies teilte die „KHKT Stiftung“, in deren Stiftungsrat Woelki den Vorsitz hat, am Wochenende mit. Der langjährige Rektor Christoph Ohly stehe für eine weitere Wahlperiode „nicht mehr zur Verfügung“. Übergangsgeschäftsführer Dominik Heringer beende nach knapp zwei Jahren seine Tätigkeit, und auch Kanzlerin Nina Jungblut scheide aus ihrem Amt.
Bereits im April hatte der frühere Prorektor der KHKT, der Sozialethiker Elmar Naß, unter ungeklärten Umständen sein Amt niedergelegt und auch die Aufgabe seiner Professur zum Semesterende angekündigt. Als Begründung gab der Geistliche aus dem Bistum Aachen an, sich „anderen priesterlichen Aufgaben zuwenden“ zu wollen. Nachfragen dazu wollten weder er noch die Hochschulleitung oder die Stiftung beantworten. Nach Angaben aus zuverlässiger Quelle tobt an der „Woelki-Hochschule“ seit längerem ein erbitterter Streit über die Ausrichtung der Hochschule und ihre mittelfristige Finanzierung.
Außer ausladenden Dankesworten keine Angaben zur Neubesetzung
In der Mitteilung der Stiftung fällt auf, dass es außer ausladenden Dankesworten für die ausscheidende Leitungscrew und der vagen Ankündigung, dass die „personelle Neuordnung“ genutzt werden solle, um eine „erfolgreiche Entwicklung“ fortzuführen, keinerlei Angaben zur Neubesetzung der frei werdenden Stellen gibt. „Ginge das alles mit rechten Dingen zu, hätte man zumindest für die Verwaltungsposten eine Nachfolge präsentiert oder Kandidaturen für die Besetzung des Rektorenpostens benannt“, sagte eine mit den Vorgängen an der KHKT vertraute Persönlichkeit.
Nach Informationen dieser Redaktion fand mit Mitteln der Stiftung, die als ihren Zweck die finanzielle und ideelle Unterstützung der KHKT bezeichnet, eine Mitarbeitendenbefragung statt. Über deren Ergebnisse schweigen sich die Gremien – auch intern aus. Auf Anfragen erhielt diese Redaktion lediglich nichtssagende Auskünfte. Entscheidend sei, „dass wir die Anliegen der Mitarbeitenden – sowohl die positiven als auch die kritischen – ernstnehmen“, ließ der scheidende Rektor Ohly schriftlich wissen. Auch die Mitarbeitendenvertretung (MAV), die in kirchlichen Einrichtungen die Funktion des Betriebsrats wahrnimmt, wollte sich auf Anfrage nicht zu der Befragung und zur Stimmung an der KHKT äußern.
Beschäftigte erheben Vorwürfe von Mobbing und Intrigen
Aus den Reihen der Beschäftigten soll es nach zuverlässigen Informationen massive Vorwürfe gegen die jetzt ausscheidende Leitung gegeben haben. Die Rede ist von Mobbing, Einschüchterungen und aggressivem Führungsverhalten. Umgekehrt liegen dieser Redaktion Stellungnahmen vor, die den Verdacht einer Intrige nahelegen. Deren Ziel sei es gewesen, das Führungstrio loszuwerden, weil es sich Plänen einer immer weiteren Orientierung nach Rechts und dem Aufbau eines Netzwerks mit Verbindungen zu finanzkräftigen, ultrakonservativen Kreisen in den USA widersetzt habe.
Die KHKT gilt als Woelkis Lieblingsprojekt. Auf sein Betreiben ergriff das Erzbistum 2020 die Chance, die frühere theologische Hochschule in Sankt Augustin von den Steyler Missionaren zu übernehmen und den Hochschulbetrieb nach Köln zu holen. Kritiker werfen Woelki vor, er wolle damit ein strikt konservatives Gegengewicht zur theologischen Fakultät der Universität Bonn schaffen und der staatlichen Einrichtung schaden, indem er den (spärlichen) Priesternachwuchs an der KHKT und nicht in Bonn studieren lässt. Laut dem Preußischen Konkordat von 1929, einem völkerrechtlich bindenden Vertrag zwischen dem Vatikan und dem Land NRW als Rechtsnachfolger des Freistaats Preußen, ist die Uni Bonn die alleinige Ausbildungsstätte für die angehenden Priester des Erzbistums. Wegen des schwelenden Konflikts in dieser Frage haben Rom und die Landesregierung eine Schiedskommission eingerichtet.
Im Erzbistum ist die KHKT auch deshalb umstritten, weil Woelki – entgegen anfänglichen Zusagen – in Zeiten knapper Kassen zwei Millionen Euro pro Jahr an Kirchensteuern in den Betrieb seiner – so die Kritik – überflüssigen Hochschule investiert.