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RuhestandDer Pfarrer, der die Hürther Gemeinden zum Vorbild für das Erzbistum gemacht hat

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Das Foto zeigt Pfarrer Michael Tillmann am Altar vor leeren Reihen in der Pfarrkirche St. Dionysius in Gleuel.

Der katholische Kirchengemeindeverband verabschiedet den Leitenden Pfarrer Michael Tillmann nach fast drei Jahrzehnten in Hürth in den Ruhestand.

Michael Tillmann hat das „Pastorale Experiment“ aus der Taufe gehoben, das die Kirche zukunftsfähig machen soll. Nun geht er in den Ruhestand.

Ursprünglich wollte Michael Tillmann gar nicht Pfarrer werden. Der gebürtige Sauerländer aus dem beschaulichen Attendorn machte an der TU München ein Diplom in Chemie und entdeckte erst in der studentischen Kirchengemeinde seine wahre Berufung. „Ich habe damals Feuer gefangen“, erinnert sich Tillmann, der anschließend in Bonn Theologie studierte. Am Wochenende verabschiedet seine Gemeinde den Geistlichen nach 36 Jahren im kirchlichen Dienst in den Ruhestand. Fast drei Jahrzehnte lang hat Tillmann die katholische Kirche in Hürth geprägt – und zu einem Vorbild für das Erzbistum gemacht.

1990 weihte der damalige Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner Tillmann zum Diakon. Seine erste Station war Köln-Müngersdorf, dort war er bis 1995 auch Stadionkaplan. „Ich habe zwei Kinder von Pierre Littbarski getauft“, erinnert er sich. „Ich habe das anscheinend beim Litti so gut gemacht, dass danach viele weitere Spieler zu mir kamen.“ Er traute Paare im Mittelkreis des Stadions, darunter den damaligen FC-Trainer Erich Rutemöller.

Leverkusen-Fan war Stadionkaplan in Müngersdorf

Fußballerisch schlägt sein Herz allerdings nicht für den 1. FC Köln, sondern für den Rivalen von der anderen Rheinseite. „Ich habe 1978 beim Aufstieg Zivildienst in Leverkusen gemacht“, erzählt Tillmann. „Ich wäre auch gern öfter ins Stadion gegangen, aber als Pfarrer hat man samstags einen anderen Job.“

Sein weiterer Weg führte ihn über eine Gemeinde in einem sozialen Brennpunkt in Neuss nach Hürth. Dort wurde er 1997 Pfarrer im damaligen Seelsorgebereich Am Maigler-See und übernahm 2015 zunächst als Dechant und später als Leitender Pfarrer Verantwortung für die katholische Seelsorge in der Stadt.

„Als ich hier anfing, gab es noch sechs Pfarrer in Hürth. Heute sind es drei“, sagt Tillmann. „Ab 2000 gingen viele Kollegen in den Ruhestand.“ Als jüngster Pfarrer vor Ort erhielt er vom Erzbischof den Auftrag, angesichts von Priestermangel und schrumpfenden Gemeinden neue Strukturen zu entwickeln.

Das „Pastorale Experiment“ in Hürth ist heute Vorbild im Erzbistum Köln

Daraus entstand zwischen 2015 und 2020 das sogenannte „Pastorale Experiment“. Ziel war es, neue Formen der Zusammenarbeit zwischen den Pfarreien zu erproben und die Kirche vor Ort zukunftsfähig aufzustellen. „Das Erzbistum hat uns weitgehend freie Hand gelassen“, so Tillmann. „Die Chance haben wir genutzt.“

In Hürth wurden die neun Gemeinden zu einem Kirchengemeindeverband zusammengeführt. Die Verwaltung wurde zentralisiert und zwei Verwaltungsmitarbeiter eingestellt, damit die Geistlichen mehr Zeit für die Seelsorge haben. Darüber hinaus übernahmen qualifizierte Ehrenamtliche zusätzliche Aufgaben, etwa im Beerdigungsdienst.

Ich habe nie den Pfarrer heraushängen lassen
Michael Tillmann begegnete den Gläubigen auf Augenhöhe

„Das Erzbistum war darüber zunächst nicht amüsiert“, blickt Tillmann zurück. „Wir mussten schon dicke Bretter bohren.“ Inzwischen gelte das Hürther Modell als Vorbild für alle Gemeinden im Erzbistum. Auch vor Ort musste Tillmann viel Überzeugungsarbeit leisten. „Für viele war es ungewohnt, dass der Pfarrer nicht mehr vor Ort wohnte.“ Wichtig sei ihm immer gewesen, den Gläubigen und den Gremien auf Augenhöhe zu begegnen. „Ich habe nie den Pfarrer heraushängen lassen.“

Sein Nachfolger werde diesen Weg fortsetzen, ist Tillmann überzeugt. Aus dem Gemeindeverband soll künftig eine Kirchengemeinde mit 25.000 Mitgliedern entstehen. Langfristig hält er eine Fusion mit der Frechener Gemeinde für wahrscheinlich. Dagegen hatten sich Tillmann und sein Frechener Kollege Christof Dürig vor einigen Jahren noch erfolgreich gewehrt und auf die Bedeutung der Eigenständigkeit verwiesen.

Hürther ließ als erster Pfarrer im Erzbistum eine Kirche abbrechen

Zu den schwersten Entscheidungen seiner Amtszeit gehörte der Abbruch der sanierungsbedürftigen Barbarakirche in Gleuel. „Das war die erste Kirche im Erzbistum, die abgerissen wurde“, sagt Tillmann. Auf dem Grundstück wurden Wohnhäuser gebaut. In eines davon wird der Geistliche nach dem Auszug aus dem Pfarrhaus an St. Dionysius in Gleuel selbst einziehen.

Offiziell verabschiedet wird Pfarrer Tillmann, der Ende des Monats 67 Jahre alt wird, am Sonntag, 12. Juli, um 11.15 Uhr mit einem Gottesdienst in St. Dionysius. Anschließend feiert die Gemeinde Pfarrfest. Statt Geschenken wünscht sich Tillmann Spenden für das ökumenische Projekt „Bildung gegen Armut“, das Schülerinnen und Schüler in der Partnerstadt Kabarnet in Kenia unterstützt. Bis sein Nachfolger Krzysztof Zasanski im September seinen Dienst antritt, führt Tillmann als Pfarrverweser die Amtsgeschäfte weiter.

Im Ruhestand möchte sich Tillmann zunächst um seine Gesundheit kümmern. Vor fünf Jahren wurde bei ihm chronische Leukämie diagnostiziert. Nach der Chemotherapie versagten seine Nieren, seither ist er auf Dialyse angewiesen. Nun hofft er auf eine Nierentransplantation. „Mein Bruder möchte mir eine Niere schenken“, sagt Tillmann. „Die Operation ist für September geplant.“