Der Stadtrat beschloss einstimmig, die Stadtwerke für weitere zehn Jahre zu beauftragen. Den Fahrbetrieb wickelt seit 1997 die RVK ab.
Öffentlicher NahverkehrHürther Stadtbus soll auch in Zukunft unter kommunaler Regie fahren

Die Regionalverkehr Köln GmbH setzt in Hürth 18 Wasserstoffbusse ein.
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Der Hürther Stadtbus soll auch in Zukunft unter kommunaler Regie bleiben. Der Stadtrat beschloss jetzt einstimmig, den öffentlichen Dienstleistungsauftrag ab Oktober 2027 für weitere zehn Jahre direkt an die Stadtwerke zu vergeben. Damit will sich die Stadt weiterhin unmittelbaren Einfluss auf Liniennetz, Fahrpläne und den Einsatz von Wasserstoffbussen sichern. Außerdem profitiert sie von steuerlichen Vorteilen, weil die Stadtwerke teilweise Verluste aus dem Nahverkehr mit Gewinnen aus wirtschaftlichen Sparten wie Fernwärme- und Stromversorgung verrechnen können.
Grundsätzlich müssen öffentliche Dienstleistungsaufträge im Wettbewerb vergeben, also ausgeschrieben werden. In engen Grenzen ist aber auch eine Direktvergabe an einen internen Betreiber zulässig – in Hürth an die Stadtwerke. Die Stadt hatte das Vorhaben bereits vor gut einem Jahr im EU-Amtsblatt veröffentlicht. „Es sind im Rahmen der EU-weiten Vorabbekanntmachung keine Anträge von interessierten, externen Verkehrsunternehmen eingegangen“, teilte Martina Thiele-Effertz, Sprecherin der Stadtverwaltung, auf Anfrage mit. Deshalb könne die Stadt den Auftrag direkt an die Stadtwerke vergeben.
Hürth: Nahverkehrskonzept schreibt Einsatz von Wasserstoffbussen vor
Die Stadtwerke verfügen allerdings weder über eigene Busse noch über Fahrpersonal. Seit dem Start des Hürther Stadtverkehrs im September 1997 haben sie den Fahrbetrieb an die Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) vergeben. Die RVK hat in der Region mit Fördermitteln inzwischen eine Wasserstoffbusflotte mit 160 Fahrzeugen aufgebaut. Davon sind 18 Brennstoffzellen-Hybridbusse in Hürth im Einsatz. Der Hürther Stadtverkehr zählt zu den Pionieren beim Einsatz des emissionsfreien Wasserstoffantriebs im öffentlichen Nahverkehr. Derzeit errichtet die RVK einen neuen Betriebshof im Gewerbegebiet Hürth an der Max-Planck-Straße.
Grundlage für die Direktvergabe ist ein Nahverkehrskonzept, das der Stadtrat zuvor beschlossen hatte. Es beschreibt auf 75 Seiten das bestehende Nahverkehrsangebot und definiert die strategischen Ziele bis 2035 – sowohl für den Stadtbus als auch für den Bestellverkehr Hüpper, der den Linienverkehr ergänzt. Das Konzept benennt auch einige Schwachstellen, etwa bei der Anbindung des Bahnhofs in Kalscheuren und im Sonntagsverkehr.
Der Bahnhof in Kalscheuren soll besser angebunden werden
„Die Analysen im Nahverkehrskonzept und im Nahverkehrsplan des Rhein-Erft-Kreises zeigen deutlich: Die Anbindung an den Bahnhof Kalscheuren muss gestärkt werden – etwa durch die Verlängerung des Regionalbusses, der bisher in Hermülheim endet“, sagt Hendrik Fuchs, Sprecher der Grünen im Stadtrat. Größere Veränderungen beim Stadtbus seien nach seiner Einschätzung allerdings erst sinnvoll, wenn die geplante Stadtbahnlinie 19 bis Hürth-Mitte fahre.
Auch die Sozialdemokraten stimmten dem Nahverkehrskonzept zu, obwohl darin Maßnahmen wie Takt- und Linienverkürzungen fortgeschrieben würden, die die SPD in den vergangenen Jahren als „Flickschusterei“ kritisiert und abgelehnt habe. Beim aktuellen Beschluss gehe es jedoch nicht um die Zukunft einzelner Stadtbuslinien, sondern um die rechtliche Grundlage dafür, dass die Stadtwerke den Stadtbus weiter betreiben können, betonte SPD-Sprecher Michael Kleofasz.
Die sechs Stadtbuslinien befördern nach Angaben der Stadtwerke mehr als drei Millionen Fahrgäste im Jahr. Die Busse legen dabei rund eine Million Kilometer zurück. Laut Planansatz für 2026 liegt das Defizit der Nahverkehrssparte bei 9,6 Millionen Euro. Davon entfallen 2,7 Millionen Euro auf den Betrieb der Stadtbahnlinie 18 in Hürth.
