Die geplante Umstellung des Bonner Stadtbahnnetzes kommt später als geplant. Pendler aus dem Rhein-Sieg-Kreis müssen länger warten.
Stadtbahn BonnGeplante Netzumstellung verzögert sich um ein Jahr – Rhein-Sieg betroffen

Eine Bahn der Linie U16 nach Köln-Niehl fährt aus dem U-Bahn-Tunnel am Bonner Hauptbahnhof an die Oberfläche.
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Die Einführung des neuen Stadtbahnzielkonzepts in Bonn verzögert sich voraussichtlich um ein Jahr. Statt zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 soll die Umsetzung nun erst im Dezember 2027 erfolgen. Das geht aus einer Beschlussvorlage des Bonner Oberbürgermeisters hervor, über die der Rat der Stadt Bonn am 9. Juli 2026 entscheiden soll. Für Pendler und Fahrgäste aus Siegburg, Sankt Augustin und Troisdorf bedeutet das: Die geplanten Verbesserungen im Stadtbahnnetz lassen länger auf sich warten.
Abstimmungsprobleme zwischen Bonn, Rhein-Sieg-Kreis und SWB
Als Hauptgrund für die Verschiebung des sogenannten Szenario 1 Konzepts nennt die Verwaltung komplexe Abstimmungsprobleme zwischen der Stadt Bonn, dem Rhein-Sieg-Kreis und den Stadtwerken Bonn (SWB). Konkret: Der Rhein-Sieg-Kreis hatte den Wunsch geäußert, die derzeitige Taktlage in Siegburg beizubehalten, um bestehende Übergangszeiten zu S-Bahnen und Bussen nicht zu verändern. Dieser Wunsch erreichte die Bonner Verwaltung laut Vorlage erst Ende Januar 2026 – obwohl ein ursprünglicher Fahrplanentwurf, der zu einer Verschiebung der Taktlage in Siegburg geführt hätte, bereits seit April 2025 bekannt war.
Die Anforderung, die Taktlage in Siegburg unverändert zu lassen, führte zu einer erheblichen Planungskomplexität. Denn gleichzeitig müssen unter anderem die Eingleisigkeit der Strecke nach Bad Honnef, die vorgegebenen Taktlagen der aus Köln kommenden Linien 16 und 18 sowie die nachgelagerten Busnetze berücksichtigt werden. Zusätzlich banden Ersatzkonzepte für den ÖPNV rund um die Sperrung der Bonner Nordbrücke für den Schwerverkehr kurzfristig Planungsressourcen bei allen Beteiligten.
Haushaltseinsparungen als weiterer Faktor
Erschwerend kommen Einsparvorgaben im Bonner Stadthaushalt hinzu, die laut Vorlage bei der Weiterentwicklung des Stadtbahnkonzepts berücksichtigt werden müssen. Die Verwaltung hält es daher für sinnvoll, die Anpassung des Stadtbahnkonzepts in den Gesamtkontext der Einsparmaßnahmen einzuordnen. Durch die Verschiebung ergeben sich für das Jahr 2027 rechnerische Entlastungen von rund 1,8 Millionen Euro gegenüber dem bisherigen Beschlussstand. Ob und in welcher Höhe tatsächliche Kostenreduzierungen eintreten, lässt sich laut Verwaltung derzeit noch nicht belastbar beziffern.
Linie 63 bleibt als Übergangsangebot bestehen
Bis zur Umsetzung von Szenario 1 bleibt das bestehende Übergangskonzept mit einer Verdichtung der Linie 63 in Kraft. Die Linie war im vergangenen Jahr ausgeweitet worden, um die Anbindung in Richtung Bad Godesberg angesichts der Unzuverlässigkeit der Linie 16 sicherzustellen. Dieses Angebot wird nun entsprechend um ein Jahr verlängert.
Das eigentliche Ziel des Stadtbahnzielkonzepts – gerade Takte auf allen Streckenästen, eine verbesserte Betriebsstabilität und die stufenweise Einführung der neuen Linie 67 – bleibt laut Verwaltung unverändert bestehen. Sobald eine abgestimmte Detailplanung für die Umsetzung im Jahr 2027 vorliegt, sollen die politischen Gremien erneut beteiligt werden. Damit der Beschluss noch vor der Sommerpause fallen kann, muss der Rat am 9. Juli 2026 entscheiden – nur so bleibt den betroffenen Verkehrsunternehmen ausreichend Zeit für die Planung. (jv/red)
